Schuld­ner­re­gis­ter – und die Gerichts­voll­zie­her­ge­büh­ren für die Zustel­lung der Eintragungsanordnung

Der Gerichts­voll­zie­her kann für die Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nung nach § 882c ZPO nicht eine Gebühr nach GvKostG KV 101 ver­lan­gen, da die­se nur für Zustel­lun­gen auf Betrei­ben der Par­tei erho­ben wer­den kann.

Schuld­ner­re­gis­ter – und die Gerichts­voll­zie­her­ge­büh­ren für die Zustel­lung der Eintragungsanordnung

Aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung [1] ist im Rah­men der Ent­schei­dung nach § 882d ZPO auf den Zeit­punkt der Wider­spruchs­ent­schei­dung abzu­stel­len, sodass bei­spiels­wei­se der nach­träg­lich vom Schuld­ner erbrach­te Nach­weis der voll­stän­di­gen Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers des Abschlus­ses einer Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung den Ein­tra­gungs­grund ent­fal­len las­sen soll [2].

Dies bedeu­tet, dass – auch wenn die Gerichts­voll­zie­he­rin die Ein­tra­gung des Schuld­ners in das Schuld­ner­ver­zeich­nis zunächst zu Recht ange­ord­net hat, weil der Schuld­ner pflicht­wid­rig die Ver­mö­gens­aus­kunft nicht abge­ge­ben hat, die Ein­tra­gungs­an­ord­nung auf­zu­he­ben ist, wenn der Schuld­ner im Wider­spruchs­ver­fah­ren bzw., falls Beschwer­de gegen die Wider­spruchs­ent­schei­dung ein­ge­legt wur­de, im Beschwer­de­ver­fah­ren den Gläu­bi­ger voll­stän­dig befriedigt.

Im kon­kre­ten Fall ist von einer voll­stän­di­gen Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers aus­zu­ge­hen. Zwar hat der Schuld­ner im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nicht nur die Haupt­for­de­rung – hier die rück­stän­di­gen Rund­funk­bei­trä­ge – zu bezah­len, son­dern auch gemäß § 788 Abs. 1 S. 1 ZPO die not­wen­di­gen Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung. Zu Letz­te­ren gehö­ren ins­be­son­de­re auch die Gerichtsvollzieherkosten.

Der Voll­stre­ckungs­ak­te lässt sich aber ent­neh­men, dass die Gerichts­voll­zie­he­rin Kos­ten ange­setzt hat, wel­che nach dem GvKostG nicht hät­ten erho­ben wer­den dür­fen und die daher nicht als not­wen­di­ge Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung anzu­se­hen sind. Dies betrifft nament­lich die Kos­ten für die Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nun­gen nach § 882c ZPO in Höhe von 2x3EUR. Den Kos­ten­rech­nun­gen der Gerichts­voll­zie­he­rin lässt sich ent­neh­men, dass sie Kos­ten für ins­ge­samt 4 Zustel­lun­gen ange­setzt hat, näm­lich (zurecht) für die 2 Zustel­lun­gen zur Ladung zur Abga­be zum Ter­min zur Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft sowie (zu Unrecht) für die 2 Zustel­lun­gen der Eintragungsanordnungen.

Die Gerichts­voll­zie­he­rin kann für die Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nung nach § 882c ZPO eine Gebühr nach KV 101 des GvKostG von 3 EUR nicht ver­lan­gen. Dies hat zur Fol­ge, dass dem Schuld­ner kein aus­ste­hen­der Betrag von 4, 65 EUR ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kann.

Die Gebühr nach KV 100, 101 kann, wie sich aus der amt­li­chen Über­schrift des Abschnitts 1 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses zum Gerichts­voll­zie­her­kos­ten­ge­setz ergibt, nur für Zustel­lun­gen erho­ben wer­den, die auf Betrei­ben der Par­tei­en – also nicht von Amts wegen – erfolgen.

Ob die in § 882c Absatz 2 Satz 2 ZPO vor­ge­schrie­be­ne Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nung auf Betrei­ben der Par­tei­en oder von Amts wegen erfolgt, wird in Recht­spre­chung und Schrift­tum nicht ein­heit­lich beur­teilt [3].

Das Land­ge­richt Stutt­gart schließt sich der­je­ni­gen Auf­fas­sung an, die von einer von Amts wegen zu ver­an­las­sen­den Zustel­lung ausgeht.

Der Gläu­bi­ger gibt zwar, indem er den Voll­stre­ckungs­auf­trag erteilt, Anlass zu dem Vor­ge­hen nach § 882c ZPO. Zudem kommt die Ein­tra­gung in das Schuld­ner­ver­zeich­nis mit­tel­bar auch dem Gläu­bi­ger zugu­te, da die Ein­tra­gung gemäß § 882e Abs. 3 Nr. 1 ZPO zu löschen ist, wenn die voll­stän­di­ge Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers nach­ge­wie­sen wird. Die Ein­tra­gung in das Schuld­ner­re­gis­ter dient aber nicht in ers­ter Linie der Zwangs­voll­stre­ckung des Gläu­bi­gers, son­dern dem Schutz des Rechts­ver­kehrs, der vor einem Schuld­ner gewarnt wer­den soll, der einen titu­lier­ten Anspruch nicht zu erfül­len ver­mag. Das kommt auch in der Geset­zes­be­grün­dung zu § 882c ZPO zum Aus­druck, in der es heißt, die Ein­tra­gung erfol­ge, um den „Wirt­schafts­ver­kehr vor einem illi­qui­den Schuld­ner zu war­nen“ [4]. Des­we­gen erfolgt die Ein­tra­gungs­an­ord­nung aus­drück­lich gemäß § 882c Abs. 1 ZPO von Amts wegen. Die durch das Ver­fah­ren nach § 882c ZPO anfal­len­den Kos­ten sind daher kei­ne sach­not­wen­di­gen Fol­gen einer bestimm­ten Zwangs­voll­stre­ckung, son­dern ent­ste­hen in einem eigen­stän­di­gen, im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­den Ver­fah­ren. Damit unter­schei­det sich Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nung von den in der Vor­be­mer­kung 1 (2) zu Gebüh­ren­zif­fern 100ff. des GvKostG erwähn­ten Fäl­len, wonach die Gebüh­ren für die Zustel­lung auch dann zu erhe­ben sei­en, wenn der Gerichts­voll­zie­her die Ladung zum Ter­min zur Abnah­me der Ver­mö­gens­aus­kunft (§ 802f ZPO) oder den Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss an den Schuld­ner (§ 829 Abs. 2 Satz 2, auch i.V.m. § 835 Abs. 3 Satz 1 ZPO) zustel­le.

Das Argu­ment des Amts­ge­richts Darm­stadt [5], es kön­ne nicht hin­ge­nom­men wer­den, dass die Kos­ten der Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nung ent­we­der vom Steu­er­zah­ler oder vom Gerichts­voll­zie­her per­sön­lich zu tra­gen sei­en, ver­mag nicht zu über­zeu­gen. Die Anord­nung der Ein­tra­gung dient – wie aus­ge­führt – öffent­li­chen Zwe­cken; es ist daher ohne wei­te­res nach­voll­zieh­bar, dass die mit ihr ver­bun­de­nen Kos­ten nicht von dem Gläu­bi­ger zu tra­gen sind, der sie durch sei­nen Voll­stre­ckungs­auf­trag aus­ge­löst hat, son­dern von der All­ge­mein­heit. Dass der Gläu­bi­ger die Kos­ten – wenn man die­ser Auf­fas­sung folg­te – als Kos­ten der Zwangs­voll­stre­ckung beim Schuld­ner bei­trei­ben las­sen könn­te (§ 788 Abs. 1 S. 1 ZPO), ändert dar­an schon wegen der Unsi­cher­heit nichts, ob die Voll­stre­ckung Aus­sicht auf Erfolg hat.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm spricht eben­falls dafür, nicht von einer Zustel­lung auf Ver­an­las­sung des Gläu­bi­gers aus­zu­ge­hen. Nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zu § 882c ZPO [6] nimmt der Gerichts­voll­zie­her die Daten­er­he­bun­gen nach § 882c Absatz 3 Satz 2 ZPO‑E nicht auf Antrag des Gläu­bi­gers, son­dern von Amts wegen vor, wes­halb dem Gläu­bi­ger hier­für kei­ne Gebühr abver­langt wer­den kön­ne. Die­se Über­le­gung ist auf das Ver­fah­ren nach § 882c ZPO ins­ge­samt – und damit auch auf die Kos­ten der Zustel­lung übertragbar.

Im Übri­gen soll nach einem Geset­zes­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 18.12.15 durch eine Ände­rung von § 882c Abs. 2 S.2 klar­ge­stellt wer­den, dass es sich bei der Zustel­lung der Ein­tra­gungs­an­ord­nung nicht um eine Par­tei­zu­stel­lung, son­dern um eine Zustel­lung „von Amts wegen“ han­de­le. Das Ein­tra­gungs­ver­fah­ren die­ne nicht in ers­ter Linie dem Inter­es­se des ein­zel­nen Gläu­bi­gers, son­dern der Warn- und Infor­ma­ti­ons­funk­ti­on des Schuld­ner­ver­zeich­nis­ses und somit dem all­ge­mei­nen Inter­es­se des Rechts­ver­kehrs. Das Ein­tra­gungs­ver­fah­ren sol­le daher nicht zur Dis­po­si­ti­on des Gläu­bi­gers ste­hen [7].

Dem­entspre­chend wäre auch die gebüh­ren­ab­hän­gig berech­ne­te Aus­la­gen­pau­scha­le (KV 716) mit Rück­sicht auf die Ver­min­de­rung des Ansat­zes des Gerichts­voll­zie­hers antei­lig zu kür­zen. Auf die – eben­falls umstrit­te­ne – Fra­ge, ob der Gerichts­voll­zie­her dem Gläu­bi­ger Aus­la­gen für eine nicht per­sön­lich vor­ge­nom­me­ne, son­dern über ein Post­un­ter­neh­men bewirk­te Zustel­lung wei­ter­be­rech­nen kann [8], weil Zif­fer 701 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses eine Beschrän­kung auf Par­tei­zu­stel­lun­gen nicht vor­se­he, kommt es nach Lage des Falls nicht an.

Land­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 11. Janu­ar 2016 – 10 T 593/​15

  1. BT-Drs. 16/​10069, S. 39[]
  2. eben­so LG Det­mold, Beschluss vom 11.11.2014 – 3 T 217/​14, juris; LG Ber­lin, DGVZ 2013, S. 213; LG Darm­stadt, Beschluss vom 30.10.2013 – 5 T 352/​13; AG Bonn, Beschluss vom 16.04.2014 – 24 M 579/​14, Beck­RS 2014, 13653 Beck­OK ZPO/​Utermark, § 882d Rdnr. 6; Musielak-Voit, ZPO, 11. Auf­la­ge, § 882d Rdnr. 3; Zöl­ler-Stö­ber, ZPO, 30. Auf­la­ge, § 882d Rdnr. 4; Thomas/​Putzo, ZPO, 36. Aufl., § 882d Rn. 2 und 6[]
  3. für Zustel­lung im Par­tei­be­trieb etwa: AG Lich­ten­berg, Beschluss vom 16.08.2015 – 35D M 8005/​15, 35 D M 8005/​15, juris; AG Dil­len­burg, Beschluss vom 24.03.2015 – 74 M 2831/​14, juris; LG Ver­den, Beschluss vom 11.12 2014 – 6 T 124/​14, juris; LG Stutt­gart, Beschluss vom 26.03.2015 – 2 T 109/​15; Theis/​Rutz DGVZ 2014, 154; Thomas/​Putzo/​Seiler, ZPO, 36. Auf­la­ge, § 882c, Rn. 5; für Amts­zu­stel­lung etwa OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 25.08.2015 – 11 W 3/​15, Rn. 22, juris; OLG Düs­sel­dorf DGVZ 2015, 91; AG Mann­heim, Beschluss vom 21.03.2014 – 7 M 6/​14, juris AG Pin­ne­berg; Beschluss vom 29.10.2014 – 77 M 798/​14, juris AG Offen­bach; Beschluss vom 13.04.2015 – 61 M 10124/​14, juris; LG Mei­nin­gen, Beschluss vom 07.10.2015 – (35) 5 T 116/​15, 5 T 116/​15, juris; LG Lüne­burg, Beschluss vom 14.04.2015 – 5 T 15/​15, juris; AG Mar­bach, Beschluss vom 07.04.2015 – 3 M 1038/​14, juris; Musielak/​Voit, ZPO, 12. Auf­la­ge, § 882c Rn. 6; Stö­ber in: Zöl­ler, Zivil­pro­zess­ord­nung, 31. Aufl.2016, § 882c ZPO, Rn. 7 ((anders noch die Vor­auf­la­ge[]
  4. BT-Drs. 16/​10069, S. 38, zu Nr. 3, ers­ter Absatz[]
  5. AG Darm­stadt, DGVZ 2014, 73 14[]
  6. vgl. BT-Drs. 16/​10069, S. 39[]
  7. vgl. BR-Drs. 633/​15, S. 40[]
  8. beja­hend OLG Stutt­gart Beck­RS 2015, 07368; OLG Nürn­berg Beck­RS 2015, 02651[]