Schuld­ner­ver­zeich­nis – und der fest­ge­setz­te Zah­lungs­plan

Ein Zah­lungs­plan nach § 802b ZPO, der fest­ge­setzt und nicht hin­fäl­lig ist, steht der Ein­tra­gung in das Schuld­ner­ver­zeich­nis gemäß § 882c Abs. 1 Satz 2 ZPO nicht nur im Fal­le des Ein­tra­gungs­grun­des gemäß § 882c Abs. 1 Nr. 3 ZPO, son­dern auch im Fal­le der Ein­tra­gungs­grün­de nach § 882c Abs. 1 Nr. 1 und 2 ZPO ent­ge­gen.

Schuld­ner­ver­zeich­nis – und der fest­ge­setz­te Zah­lungs­plan

Nach § 882c Abs. 1 ZPO in der Fas­sung des seit dem 1.01.2013 gel­ten­den Geset­zes zur Reform der Sach­auf­klä­rung in der Zwangs­voll­stre­ckung vom 29.07.2009 [1] ord­net der zustän­di­ge Gerichts­voll­zie­her von Amts wegen die Ein­tra­gung des Schuld­ners in das Schuld­ner­ver­zeich­nis an, wenn der Schuld­ner sei­ner Pflicht zur Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft nicht nach­ge­kom­men ist (§ 882c Abs. 1 Nr. 1 ZPO), wenn eine Voll­stre­ckung nach dem Inhalt des Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses offen­sicht­lich nicht geeig­net wäre, zu einer voll­stän­di­gen Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers zu füh­ren, auf des­sen Antrag die Ver­mö­gens­aus­kunft erteilt oder dem die erteil­te Aus­kunft zuge­lei­tet wur­de (§ 882c Abs. 1 Nr. 2 ZPO), oder wenn der Schuld­ner dem Gerichts­voll­zie­her nicht inner­halb eines Monats nach Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft oder Bekannt­ga­be der Zulei­tung nach § 802d Abs. 1 Satz 2 ZPO die voll­stän­di­ge Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers nach­weist, sofern nicht ein Zah­lungs­plan nach § 802b ZPO fest­ge­setzt und nicht hin­fäl­lig ist (§ 882c Abs. 1 Nr. 3 ZPO).

Nach § 802b Abs. 2 Satz 1 ZPO kann der Gerichts­voll­zie­her, der in jeder Lage des Ver­fah­rens auf eine güt­li­che Eini­gung bedacht sein soll (§ 802b Abs. 1 ZPO), dem Schuld­ner eine Zah­lungs­frist ein­räu­men oder eine Til­gung durch Teil­leis­tun­gen (Raten­zah­lung) gestat­ten, sofern der Schuld­ner glaub­haft dar­legt, die nach Höhe und Zeit­punkt fest­zu­set­zen­den Zah­lun­gen erbrin­gen zu kön­nen und der Gläu­bi­ger eine Zah­lungs­ver­ein­ba­rung nicht aus­ge­schlos­sen hat. Zum Abschluss einer sol­chen Zah­lungs­ver­ein­ba­rung einem voll­stre­ckungs­recht­li­chen Ver­trag zwi­schen Gläu­bi­ger und Schuld­ner [2] gilt der Gerichts­voll­zie­her gemäß § 754 Abs. 1 ZPO durch den Voll­stre­ckungs­auf­trag und die Über­ga­be der voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung des Titels als ermäch­tigt. Nach § 802b Abs. 2 Satz 2 ZPO bewirkt die Fest­set­zung eines Zah­lungs­plans nach Satz 1 der Vor­schrift einen Voll­stre­ckungs­auf­schub. Nach der Kon­zep­ti­on des Gesetz­ge­bers steht die­ser Voll­stre­ckungs­auf­schub einer Ein­tra­gung in das Schuld­ner­ver­zeich­nis gemäß § 882c Abs. 1 ZPO ent­ge­gen [3].

Auch wenn sich der Vor­be­halt eines Zah­lungs­plans nach § 802b ZPO auf­grund der sprach­li­chen Fas­sung des § 882c Abs. 1 ZPO allein auf den Ein­tra­gungs­grund Nr. 3 (feh­len­der Befrie­di­gungs­nach­weis) bezieht, folgt aus der in § 802b Abs. 1 Satz 2 ZPO all­ge­mein vor­ge­se­he­nen Anord­nung eines Voll­stre­ckungs­auf­schubs sei­ne Gel­tung für sämt­li­che Ein­tra­gungs­grün­de des § 882c Abs. 1 ZPO [4]. Die Fest­set­zung eines Zah­lungs­plans nach § 802b ZPO stün­de also auch vor­lie­gend der Ein­tra­gung in das Schuld­ner­ver­zeich­nis gemäß § 882c Abs. 1 Nr. 2 ZPO ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2015 – I ZB 107/​14

  1. BGBl. I 2009, 2258[]
  2. vgl. Voit in Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 802b Rn. 12; Gothe, DGVZ 2013, 197[]
  3. vgl. Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs des Bun­des­ra­tes zur Reform der Sach­auf­klä­rung in der Zwangs­voll­stre­ckung, BT-Drs. 16/​10069, S. 39; Beck­OK ZPO/​Fleck, Stand 1.09.2015, § 802b Rn. 11a; MünchKomm-.ZPO/Eickmann, 4. Aufl., § 882c Rn. 10[]
  4. vgl. LG Karls­ru­he, DGVZ 2013, 211, 213; LG Darm­stadt, Beschluss vom 30.10.2013 5 T 352/​13 17; Beck­OK ZPO/​Fleck aaO § 802b Rn. 11a; Mock in Gottwald/​Mock, Zwangs­voll­stre­ckung, 7. Aufl., § 882c ZPO Rn. 14a[]