Schul­kin­der und der PKW als Schon­ver­mö­gen bei der Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Ein Pkw im Wert von 13.000.- €, mit dem Kin­der zur Schu­le gefah­ren wer­den, gehört nicht zum Schon­ver­mö­gen im Sin­ne von § 115 Abs. 3 ZPO, wenn kei­ne beson­de­ren Grün­de für die Not­wen­dig­keit der Fahr­ten zur Schu­le vor­lie­gen. Dies ent­schied jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart in Abgren­zung zu einer ander­lau­ten­den Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz 1.

Schul­kin­der und der PKW als Schon­ver­mö­gen bei der Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Gemäß § 114 ZPO erhält eine Par­tei Pro­zess­kos­ten­hil­fe, wenn sie nach ihren per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung nicht auf­brin­gen kann, wobei die Par­tei gemäß § 115 Abs. 3 S. 1 ZPO ihr Ver­mö­gen ein­zu­set­zen hat, soweit ihr dies zumut­bar ist und § 90 SGB XII, der gemäß § 115 Abs. 3 S. 2 ZPO ent­spre­chend anwend­bar ist, nicht ent­ge­gen steht.

Die Ver­wer­tung des vor­han­de­nen Pkw Mer­ce­des 280 ist durch § 90 SGB XII nicht gehin­dert und dem Antrag­stel­ler zuzu­mu­ten, so das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart.. Er benö­tigt das Fahr­zeug nicht zur Aus­übung sei­ner Berufs­tä­tig­keit. Eben­so wenig ste­hen sons­ti­ge Grün­de einer Ver­wer­tung ent­ge­gen.

Zu Unrecht macht der Antrag­stel­ler gel­tend, die Ver­äu­ße­rung sei­nes Pkw kön­ne wie die Ver­wer­tung eines selbst bewohn­ten eige­nen Hau­ses zur Finan­zie­rung von Pro­zess­kos­ten nicht ver­langt wer­den. Gemäß § 115 Abs. 3 S. 2 ZPO i.V.m. § 90 Abs. 2 Nr. 8 SGB XII gehört ein selbst bewohn­tes ange­mes­se­nes Haus­grund­stück aus­drück­lich zum Schon­ver­mö­gen, ein Pkw hin­ge­gen grund­sätz­lich nicht, son­dern nur, wenn er einem der genann­ten gesetz­li­chen Tat­be­stän­de unter­fällt, was hier nicht der Fall ist.

Mit 13.000,00 € über­steigt der Wert des Fahr­zeugs bei wei­tem die nach § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII in Ver­bin­dung mit § 1 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 lit. b der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung von § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII 2 nicht ein­zu­set­zen­den klei­ne­ren Bar­be­trä­ge und sons­ti­gen Geld­wer­te von 2.600,00 € für den Antrag­stel­ler zuzüg­lich 256,00 € für jede über­wie­gend vom Antrag­stel­ler unter­hal­te­ne Per­son 3.

Der Antrag­stel­ler macht auch ohne Erfolg gel­tend, das Fahr­zeug sei das ein­zi­ge sei­ner Fami­lie, die neben ihm aus sei­ner Ehe­frau sowie zwei Kin­dern im Alter von 11 und 9 Jah­ren bestehe. Allei­ne dar­aus ergibt sich kei­ne Not­wen­dig­keit, einen Pkw zur Ver­fü­gung zu haben. Es ist weder dar­ge­tan noch ersicht­lich, dass der Ver­lust der Nut­zungs­mög­lich­keit des Fahr­zeugs für den Antrag­stel­ler und sei­ne Fami­lie eine Här­te im Sin­ne von § 90 Abs. 3 SGB XII dar­stellt bzw. die ange­mes­se­ne Lebens­füh­rung durch den Ver­lust der Nut­zungs­mög­lich­keit wesent­lich erschwert wür­de.

Wei­ter macht der Antrag­stel­ler zu Unrecht gel­tend, mit dem Pkw wür­den die Kin­der regel­mä­ßig zur Schu­le gefah­ren und abge­holt, außer­dem die jün­ge­re Toch­ter ein­mal wöchent­lich zum Ver­eins­sport. Es ist weder dar­ge­tan noch ersicht­lich, dass die not­wen­di­gen Wege nur mit einem Pkw bewäl­tigt wer­den könn­ten. Wenn die­se Wege nicht mehr mit dem Pkw zurück gelegt wer­den kön­nen, liegt dar­in kei­ne wesent­li­che Erschwe­rung einer ange­mes­se­nen Lebens­füh­rung. Aus dem Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz vom 16.02.2004 4 ergibt sich nichts ande­res. Der Ent­schei­dung lässt sich zwar nicht ent­neh­men, für wel­che Fahr­ten mit dem Kind das Fahr­zeug benö­tigt wird, doch setzt auch das OLG Koblenz Not­wen­dig­keit vor­aus.

Wenn man einen Pkw für not­wen­dig hal­ten woll­te, muss es kein Mer­ce­des 280 im Wert von 13.000,00 € sein, wes­halb das Land­ge­richt zu Recht dar­auf hin­wies, dass der Antrag­stel­ler ein güns­ti­ge­res Fahr­zeug erwer­ben könn­te. Die all­ge­mei­ne Erwä­gung des Antrag­stel­lers, mit dem Erwerb eines ande­ren Gebraucht­wa­gens sei­en Risi­ken ver­bun­den, gebie­tet kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Dar­aus ergibt sich nicht, dass die Beschaf­fung eines klei­ne­ren Ersatz­fahr­zeugs unwirt­schaft­lich wäre oder aus ande­ren Grün­den unzu­mut­bar ist.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 9. April 2010 – 13 W 17/​10

  1. OLG Koblenz Fam­RZ 2004, 1880[]
  2. in der Fas­sung des Geset­zes zur Ein­ord­nung des Sozi­al­hil­fe­rechts in das Sozi­al­ge­setz­buch vom 27.12.2003, BGBl I, 3022, 3060f.[]
  3. vgl. dazu BGH NJW-RR 2008, 1453; und Musielak/​Fischer, ZPO, 7. Aufl. 2009, § 115 Rn. 43 m.w.N.[]
  4. OLG Koblenz, Beschluss vom 16.02.204 – 13 WF 88/​04, Fam­RZ 2004, 1880[]