Schwarz­ar­beit – und der bereits gezahl­te Werk­lohn

Ist ein Werk­ver­trag wegen Ver­sto­ßes gegen das Ver­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG vom 23.07.2004 nich­tig, steht dem Bestel­ler, der den Werk­lohn bereits gezahlt hat, gegen den Unter­neh­mer kein Rück­zah­lungs­an­spruch unter dem Gesichts­punkt einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung zu 1.

Schwarz­ar­beit – und der bereits gezahl­te Werk­lohn

Nich­tig­keit des Schwarz­ar­beit-Ver­trags[↑]

§ 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG ent­hält das Ver­bot zum Abschluss eines Werk­ver­tra­ges, wenn die­ser Rege­lun­gen ent­hält, die dazu die­nen, dass eine Ver­trags­par­tei als Steu­er­pflich­ti­ge ihre sich auf­grund der nach dem Ver­trag geschul­de­ten Werk­leis­tun­gen erge­ben­den steu­er­li­chen Pflich­ten nicht erfüllt. Das Ver­bot führt jeden­falls dann zur Nich­tig­keit des Ver­tra­ges, wenn der Unter­neh­mer vor­sätz­lich hier­ge­gen ver­stößt und der Bestel­ler den Ver­stoß des Unter­neh­mers kennt und bewusst zum eige­nen Vor­teil aus­nutzt 2.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall vor: Der Unter­neh­mer hat Schwarz­ar­beit gemäß § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG geleis­tet, indem er für den münd­lich ver­ein­bar­ten Werk­lohn in Höhe von 10.000 € kei­ne Umsatz­steu­er ver­lan­gen und abfüh­ren woll­te. Der Bestel­ler hat dies erkannt und bewusst zu sei­nem Vor­teil aus­ge­nutzt, indem er mit dem Unter­neh­mer ein Ent­gelt ver­ein­bart hat, das kei­nen Umsatz­steu­er­an­teil ent­hielt. Dies ist aus­rei­chend, um einen zur Nich­tig­keit des Ver­tra­ges füh­ren­den Ver­stoß gegen das Ver­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG anzu­neh­men 3.

Kein Scha­dens­er­satz wegen Schlech­ter­fül­lung[↑]

Dem Bestel­ler steht wegen Män­geln der vom Unter­neh­mer erbrach­ten Werk­leis­tung kein Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 634 Nr. 4, §§ 633, 280, 281 BGB zu, weil der zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­ne Werk­ver­trag wegen Ver­sto­ßes gegen § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG nich­tig ist, § 134 BGB.

Kei­ne Gewähr­leis­tung wegen Män­gel[↑]

Dem Bestel­ler ste­hen auf­grund eines Ver­tra­ges, der wegen Ver­sto­ßes gegen § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG in Ver­bin­dung mit § 134 BGB nich­tig ist, kei­ne Män­gel­an­sprü­che gegen den Unter­neh­mer zu 4.

Kei­ne Rück­for­de­rung des bereits gezahl­ten Werk­lohns[↑]

Dem Bestel­ler steht wegen des gezahl­ten Werk­lohns gegen den Unter­neh­mer auch kein Rück­zah­lungs­an­spruch unter dem Gesichts­punkt einer unge­recht­fer­tig­ten Berei­che­rung gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB zu.

Die Vor­aus­set­zun­gen eines Berei­che­rungs­an­spruchs gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB sind zwar erfüllt. Der Beklag­te hat die Werk­lohn­zah­lung des Klä­gers im Hin­blick auf den nich­ti­gen Werk­ver­trag ohne Rechts­grund erlangt.

Der Anspruch des Klä­gers auf Rück­zah­lung des an den Beklag­ten geleis­te­ten Werk­lohns ist jedoch gemäß § 817 Satz 2 Halbs. 1 BGB aus­ge­schlos­sen.

Nach § 817 Satz 1 BGB ist der Emp­fän­ger zur Her­aus­ga­be ver­pflich­tet, wenn der Zweck einer Leis­tung in der Art bestimmt war, dass der Emp­fän­ger durch die Annah­me gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot ver­sto­ßen hat. Satz 2 Halbs. 1 die­ser Vor­schrift schließt die Rück­for­de­rung aus, wenn dem Leis­ten­den gleich­falls ein sol­cher Ver­stoß zur Last fällt. Ent­spre­chend der Ziel­set­zung des Schwarz­ar­beits­be­kämp­fungs­ge­set­zes ver­stößt nicht nur die § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG wider­spre­chen­de ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot, son­dern auch die in Aus­füh­rung die­ser Ver­ein­ba­rung erfol­gen­de Leis­tungs­er­brin­gung durch den Unter­neh­mer. § 817 Satz 2 Halbs. 1 BGB ist daher nicht ein­schrän­kend aus­zu­le­gen, wenn der Unter­neh­mer für die von ihm auf­grund eines nich­ti­gen Ver­trags erbrach­te Werk­leis­tung einen Berei­che­rungs­an­spruch gegen den Bestel­ler gel­tend macht 5.

§ 817 Satz 2 Halbs. 1 BGB fin­det auch dann Anwen­dung, wenn der Bestel­ler in Aus­füh­rung eines sol­chen gemäß § 134 BGB nich­ti­gen Werk­ver­trags sei­ne Leis­tung erbringt, indem er ohne Rech­nung mit Steu­er­aus­weis den ver­ein­bar­ten Betrag bezahlt 6.

Eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des § 817 Satz 2 Halbs. 1 BGB kommt nicht in Betracht. Zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en erfolgt in einem sol­chen Fall eben­falls kein Wert­aus­gleich. Wer bewusst das im Schwarz­ar­beits­be­kämp­fungs­ge­setz ent­hal­te­ne Ver­bot miss­ach­tet, soll nach der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers schutz­los blei­ben und ver­an­lasst wer­den, das ver­bo­te­ne Geschäft nicht abzu­schlie­ßen 7. Der Aus­schluss eines berei­che­rungs­recht­li­chen Anspruchs mit der ihm zukom­men­den abschre­cken­den Wir­kung ist ein geeig­ne­tes Mit­tel, die in der Geset­zes­be­grün­dung zum Aus­druck kom­men­de Ziel­set­zung des Gesetz­ge­bers mit den Mit­teln des Zivil­rechts zu för­dern 8. Dies gilt sowohl für berei­che­rungs­recht­li­che Ansprü­che des Werk­un­ter­neh­mers als auch des Bestel­lers, der sich auf den Abschluss eines gegen das Ver­bot des § 1 Abs. 2 Nr. 2 Schwarz­ArbG ver­sto­ßen­den Werk­ver­trags ein­ge­las­sen hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Juni 2015 – VII ZR 216/​14

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13, BGHZ 201, 1[]
  2. BGH, Urteil vom 01.08.2013 – VII ZR 6/​13, BGHZ 198, 141 Rn. 13[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13, BGHZ 201, 1 Rn. 13; Urteil vom 01.08.2013 – VII ZR 6/​13, BGHZ 198, 141 Rn. 23[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 01.08.2013 – VII ZR 6/​13, BGHZ 198, 141 Rn. 27[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13, BGHZ 201, 1 Rn.20 ff.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13, BGHZ 201, 1 Rn.19[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13, BGHZ 201, 1 Rn. 27; Urteil vom 05.05.1992 – X ZR 134/​90, BGHZ 118, 182, 193 40[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 10.04.2014 – VII ZR 241/​13, aaO Rn. 29 m.w.N.[]