"Schwie­ri­ge Rechts­fra­ge" – und die Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Geht das Ein­gangs­ge­richt davon aus, daß der Erfolg einer beab­sich­tig­ten Rechts­ver­fol­gung von einer "schwie­ri­gen Rechts­fra­ge" abhän­ge, hat es von hin­rei­chen­der Erfolgs­aus­sicht aus­zu­ge­hen und bei Vor­lie­gen der sons­ti­gen Bewil­li­gungs­vor­aus­set­zun­gen Pro­zess­kos­ten­hil­fe bzw. Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe zu bewil­li­gen. Eine PKH-/VKH-Ver­sa­gung unter der aus­drück­li­chen Auf­for­de­rung, die ent­spre­chen­de Rechts­fra­ge durch eine Ent­schei­dung des Beschwer­de­ge­richts im PKH-/VKH-Bewil­li­gungs­ver­fah­ren zu klä­ren, kommt nicht in Betracht. Unge­ach­tet einer der­art unrich­ti­gen Behand­lung ist das Beschwer­de­ge­richt im nach­fol­gen­den PKH-/VKH-Beschwer­de­ver­fah­ren jedoch nicht an die erst­in­stanz­li­che Annah­me des Vor­lie­gens einer "schwie­ri­gen Rechts­fra­ge" gebun­den.

<span class="dquo">"</span>Schwie­ri­ge Rechts­fra­ge" – und die Pro­zess­kos­ten­hil­fe

Bei Annah­me des Vor­lie­gens einer durch das Beschwer­de­ge­richt klä­rungs­be­dürf­ti­gen schwie­ri­gen Rechts­fra­ge ist von hin­rei­chen­der Erfolgs­aus­sicht im Sin­ne von § 114 ZPO aus­zu­ge­hen und eine Ver­la­ge­rung der Klä­rung der­ar­ti­ger Fra­gen in ein VKH-Beschwer­de­ver­fah­ren nicht zuläs­sig. Denn nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und des Bun­des­ge­richts­hofs hat ein Rechts­schutz­be­geh­ren in aller Regel dann hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg, wenn die Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che von der Beant­wor­tung einer schwie­ri­gen, bis­lang unge­klär­ten Rechts­fra­ge abhängt 1. Inso­fern hät­te das Amts­ge­richt auf der Grund­la­ge sei­nes geäu­ßer­ten Ver­ständ­nis­ses im vor­lie­gen­den Fall wohl VKH bewil­li­gen müs­sen.

Auch im Fall einer nach dem Vor­ge­sag­ten zu unrecht erfolg­ten Ver­sa­gung von VKH ist das Beschwer­de­ge­richt aller­dings nicht an die erst­in­stanz­li­che Annah­me der Abhän­gig­keit von einer "schwie­ri­gen, bis­lang nicht geklär­ten Rechts­fra­ge" gebun­den. Es hat dies viel­mehr – nicht zuletzt auch im Kos­ten­in­ter­es­se des Antrag­stel­lers, der allein vor­läu­fig und nur hin­sicht­lich der Gerichts- und der eige­nen Anwalts­kos­ten durch die VKH-Bewil­li­gung "geschützt" wird – selbst zu prü­fen.

Die inso­fern unrich­ti­ge Behand­lung durch das Amts­ge­richt hat aller­dings die Fol­ge, daß die im Beschwer­de­ver­fah­ren anfal­len­den Gerichts­kos­ten gemäß § 20 FamG­KG nicht zu erhe­ben sind.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 15. August 2014 – 10 WF 42/​14

  1. vgl. nur BGH, Beschluss vom 03.04.2014 – IX ZA 5/​14, MDR 2014, 747, m.w.N.[]