Siche­rungs­pflich­ten im Alters­heim

Auch in der Obhut eines Pfle­ge­hei­mes ver­bleibt dem Heim­be­woh­ner im Rah­men sei­ner Eigen­ver­ant­wort­lich­keit ein all­ge­mei­nes Lebens­ri­si­ko. Die Siche­rungs­pflich­ten des Pfle­ge­heims gehen nicht so weit, dass jeg­li­ches Unfall­ri­si­ko aus­ge­schlos­sen wer­den muss.

Siche­rungs­pflich­ten im Alters­heim

So wur­de jetzt die Kla­ge einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se gegen ein Pfle­ge­heim wegen des Stur­zes eines bei der Klä­ge­rin ver­si­cher­ten Heim­be­woh­ners vom Land­ge­richt Coburg abge­wie­sen. Die von der Kran­ken­kas­se vor­ge­tra­ge­ne Ver­let­zung der Siche­rungs­pflich­ten durch das Pfle­ge­heim bestä­tig­te sich nach Ansicht des Land­ge­richts nicht:

Der im Jahr 1925 gebo­re­ne Bewoh­ner eines Pfle­ge­heims stürz­te beim Wech­sel der Inkon­ti­nenz­ein­la­ge. Der alte Herr hat­te zu die­sem Zeit­punkt zahl­rei­che kör­per­li­che Gebre­chen, wodurch sich beim Gehen und auch beim Ste­hen eine gewis­se Unsi­cher­heit ergab. Die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se des Heim­be­woh­ners for­der­te vom Pfle­ge­heim über 8.000,00 Euro Behand­lungs­kos­ten, die infol­ge des durch den Sturz ver­ur­sach­ten Bru­ches ent­stan­den waren. Die Kran­ken­kas­se ver­trat die Auf­fas­sung, die mit dem Wech­seln der Inkon­ti­nenz­ein­la­ge befass­te Pfle­ge­kraft hät­te wei­te­re Maß­nah­men zur Ver­mei­dung von Stür­zen tref­fen müs­sen. Das Pfle­ge­heim brach­te dage­gen vor, dass die Inkon­ti­nenz­ver­sor­gung des älte­ren Herrn ent­spre­chend sei­nem eige­nen Wunsch immer auf die glei­che Wei­se durch­ge­führt wor­den sei. Der Bewoh­ner habe sich dazu an das Bett gestellt und mit bei­den Hän­den am Nacht­käst­chen abge­stützt und auch mit­ge­hol­fen. So sei ohne jeg­li­che Zwi­schen­fäl­le län­ge­re Zeit ver­fah­ren wor­den.

Das Land­ge­richt Coburg wies die Kla­ge der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se ab. Es stell­te fest, dass die Pflicht des Pfle­ge­heims zum Schutz der kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit der ihm anver­trau­ten Bewoh­ner auf die übli­chen Maß­nah­men begrenzt ist. Die Wür­de, die Inter­es­sen und die Bedürf­nis­se der Bewoh­ner sei­en dabei zu berück­sich­ti­gen. Im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall stell­te das Gericht fest, dass der älte­re Herr bis zum Unfall­zeit­punkt beim Gehen oder Ste­hen – trotz bestehen­der Unsi­cher­hei­ten – nicht habe gestützt wer­den müs­sen. Daher hät­te sich für das Per­so­nal des beklag­ten Pfle­ge­heims kei­ne Not­wen­dig­keit zu wei­te­ren Siche­rungs­maß­nah­men im Zusam­men­hang mit der Inkon­ti­nenz­pfle­ge erge­ben. Die Beweis­auf­nah­me ergab viel­mehr, dass der Heim­be­woh­ner bis zu sei­nem Sturz nicht ein­mal beim Lau­fen irgend­wel­che Unter­stüt­zung durch das Pfle­ge­per­so­nal benö­tig­te. Das Land­ge­richt stell­te fest, dass beim Heim­be­woh­ner wäh­rend der gesam­ten Zeit sei­nes Auf­ent­halts rou­ti­ne­mä­ßi­ge, pfle­ge­ri­sche Maß­nah­men durch­ge­führt wur­den. Damit han­del­te es sich bei der kon­kre­ten Inkon­ti­nenz­be­hand­lung um den nor­ma­len, all­täg­li­chen Gefah­ren­be­reich, der grund­sätz­lich in der eigen­ver­ant­wort­li­chen Risi­ko­sphä­re des Geschä­dig­ten ver­bleibt. Daher wies das Land­ge­richt Coburg die Kla­ge ab.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 16. März 2010 – 11 O 660/​09