Sie pro­mo­vier­ter Arsch!

Titu­liert ein Mie­ter sei­nen Ver­mie­ter mit „Sie pro­mo­vier­ter Arsch“, kann die­se Belei­di­gung eine frist­lo­se Kün­di­gung durch den Ver­mie­ter recht­fer­ti­gen.

Sie pro­mo­vier­ter Arsch!

In dem hier vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall mie­te­te das beklag­te Ehe­paar im Jahr 2008 vom Klä­ger eine Sou­ter­rain­woh­nung in Hohen­brunn bei Mün­chen zu einem monat­li­chen Miet­zins von 1490 €. In der Fol­ge­zeit wur­den zwi­schen den Par­tei­en zahl­rei­che Zivil­ver­fah­ren im Zusam­men­hang mit dem Miet­ver­hält­nis geführt, dane­ben wur­den auch wech­sel­sei­tig Straf­an­zei­gen erstat­tet. Am 2.05.2014 rief der Mie­ter mor­gens zwi­schen 6.00 Uhr und 6.30 Uhr beim Ver­mie­ter an, um die­sem mit­zu­tei­len, dass die Was­ser­tem­pe­ra­tur im Bad ihrer Woh­nung nur 35 Grad Cel­si­us errei­che statt der erfor­der­li­chen 40 Grad. Als die Par­tei­en gegen 9.15 Uhr im Hof des Anwe­sens zusam­men­tra­fen, for­der­te der Ver­mie­ter die Mie­ter auf, ihm Zutritt zur Woh­nung zu gewäh­ren zur Über­prü­fung der Was­ser­tem­pe­ra­tur. Dies lehn­ten die Mie­ter ab. Sie wie­sen dar­auf hin, dass dies nicht not­wen­dig sei, da im gesam­ten Haus das Was­ser nicht warm genug sei. Im Rah­men des Wort­wech­sels belei­dig­te der Mie­ter den Ver­mie­ter mit den Wor­ten „Sie pro­mo­vier­ter Arsch“. Der Ver­mie­ter kün­dig­te dar­auf­hin am 31.05.das Miet­ver­hält­nis frist­los wegen die­ser Belei­di­gung.

Die Mie­ter akzep­tier­ten die frist­lo­se Kün­di­gung nicht: Denn schließ­lich sei ie Belei­di­gung nicht grund­los erfolgt, der Ver­mie­ter habe den Mie­ter zuerst geduzt und kör­per­lich ange­grif­fen. Daher sei die frist­lo­se Kün­di­gung nicht gerecht­fer­tigt. Dies sah die zustän­di­ge Rich­te­rin beim Amts­ge­richt Mün­chen nun jedoch anders. Sie sah die frist­lo­se Kün­di­gung wegen der Belei­di­gung als wirk­sam an und gab der Räu­mungs­kla­ge des Ver­mie­ters statt:

Die Ver­trags­ver­let­zung durch die Belei­di­gung wiegt, so das Urteil, so schwer, dass dem Ver­mie­ter nicht zuge­mu­tet wer­den kann, das Miet­ver­hält­nis fort zu set­zen. Eine Belei­di­gung ist ein Angriff auf die Ehre eines ande­ren durch Kund­ga­be der Nicht­ach­tung oder Miss­ach­tung. Blo­ße Unhöf­lich­kei­ten, die kei­nen ehr­ver­let­zen­den Cha­rak­ter haben, schei­den als Kün­di­gungs­grund aus. Das Gericht stellt fest, dass die Titu­lie­rung mit ?Sie pro­mo­vier­ter Arsch? die Ehre ver­letzt und weit über eine gege­be­nen­falls noch hin­zu­neh­men­de Pöbe­lei oder Unhöf­lich­keit hin­aus­geht. Die­se gro­be Belei­di­gung sei eine Ver­trags­ver­let­zung, die so schwer wie­ge, dass dem Klä­ger die Fort­set­zung des Miet­ver­hält­nis­ses nicht zuge­mu­tet wer­den kön­ne. Hier­bei hat das Gericht berück­sich­tigt, dass die Par­tei­en im glei­chen Haus woh­nen und damit regel­mä­ßi­ge Zusam­men­tref­fen unaus­weich­lich sind und dass sich der Mie­ter nicht ent­schul­digt hat. Die Mie­ter haben nicht den Beweis erbracht, dass der Ver­mie­ter den Mie­ter zuvor pro­vo­ziert hat.

Das Gericht stellt wei­ter fest, dass vor der Kün­di­gung kei­ne Abmah­nung erfol­gen muss­te. Die mas­si­ve Belei­di­gung habe die Ver­trau­ens­grund­la­ge zwi­schen den Par­tei­en so schwer­wie­gend erschüt­tert, dass sie auch durch eine Abmah­nung nicht hät­te wie­der­her­ge­stellt wer­den kön­nen. Eine Abmah­nung sei daher nicht erfolg­ver­spre­chend gewe­sen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 28. Novem­ber 14 – 474 C 18543/​14