Sieg­prä­mie für ein Trab­renn­pferd

Kön­nen durch ein Pres­se­inter­view Schuld­an­er­kennt­nis­se gegen­über Drit­ten abge­ge­ben wer­den oder fehlt dem Inter­view­ten bei sei­nen Ant­wor­ten auf die Inter­view-Fra­gen regel­mä­ßig ein Rechts­bin­dungs­wil­le? Das Land­ge­richt Ham­burg jeden­falls argu­men­tiert über drei Ecken und lässt dem Inter­view eine Haf­tung des Inter­view­ten fol­gen:

Sieg­prä­mie für ein Trab­renn­pferd

So hat das Land­ge­richt Ham­burg die Beru­fung gegen ein amts­ge­richt­li­ches Urteil zurück­ge­wie­sen, in dem der Ham­burg TRAB-Zen­trum e.V. zur Aus­zah­lung einer Sieg­prä­mie an die Eigen­tü­me­rin eines Trab­renn­pfer­des ver­ur­teilt wor­den war.

Die Klä­ge­rin des hier ent­schie­de­nen Rechts­streits ist Eigen­tü­me­rin eines Trab­renn­pfer­des, mit dem sie 2005 erfolg­reich an der Deut­schen Ama­teur­meis­ter­schaft teil­nahm. Von der Sieg­prä­mie in Höhe von ins­ge­samt EUR 15.750,– erhielt die Klä­ge­rin aller­dings – wie hun­der­te wei­te­re Pfer­de­ei­gen­tü­mer – nur einen Teil, bevor die Ver­an­stal­te­rin, die HTRG Ham­bur­ger Trab­renn­ge­sell­schaft mbH (HTRG) im Sep­tem­ber 2005 Insol­venz anmel­de­te.

Im zunächst vor dem Amts­ge­richt Ham­burg-Alto­na aus­ge­tra­ge­nen Rechts­streit ver­lang­te die Klä­ge­rin nun­mehr von dem Beklag­ten als Nach­fol­ger der HTRG die rest­li­che Prä­mie. Der Beklag­te hat­te nach der Insol­venz der HTRG zwar wei­te­re Teil­zah­lun­gen an die Klä­ge­rin geleis­tet, eine voll­stän­di­ge Bezah­lung der rest­li­chen Sieg­prä­mie jedoch abge­lehnt. Zur Begrün­dung ihrer For­de­rung berief sich die Klä­ge­rin auf Erklä­run­gen des dama­li­gen Prä­si­den­ten des Beklag­ten sowie des ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rers der HTRG, die die­se im Rah­men eines Inter­views mit der Zeit­schrift „Ham­burg Trab Extra“ im Okto­ber 2005 abge­ge­ben hat­ten. Bei­de hät­ten in die­sem Inter­view unzwei­deu­tig die Über­nah­me der Alt­ver­bind­lich­kei­ten der HTRG durch den Beklag­ten zuge­si­chert.

Das Amts­ge­richt Ham­burg-Alto­na gab der Klä­ge­rin Recht und ver­ur­teil­te es den Beklag­ten zur Aus­zah­lung der rest­li­chen Prä­mie. Den Erklä­run­gen der Inter­view­ten las­se sich, so das Amts­ge­richt, ein rechts­ver­bind­li­ches Ange­bot des Beklag­ten auf Über­nah­me der Ver­bind­lich­kei­ten der HTRG ent­neh­men, wel­ches die Klä­ge­rin ange­nom­men habe.

Gegen die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts leg­te der Beklag­te Beru­fung beim Land­ge­richt Ham­burg ein und begrün­de­te die­se u.a. damit, ein wirk­sa­mes Ange­bot zu einer Schuld­über­nah­me sei nicht abge­ge­ben wor­den. Berück­sich­ti­ge man Kon­text und Begleit­um­stän­de, erge­be sich, dass bei dem Inter­view in einer Sport­zeit­schrift kei­ne rechts­ver­bind­li­chen Erklä­run­gen abge­ge­ben wer­den soll­ten.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Land­ge­richt Ham­burg jedoch nicht: Nach Ansicht des Land­ge­richts Ham­burg drän­ge es sich bei kri­ti­scher Wür­di­gung der in dem Inter­view gemach­ten Äuße­run­gen nicht zwin­gend auf, dass in dem Inter­view ein ver­bind­li­ches Ange­bot zur Schuld­über­nah­me abge­ge­ben wor­den sei. Letzt­lich müs­se die Fra­ge nach dem Rechts­bin­dungs­wil­len der Inter­view­ten jedoch nicht beant­wor­tet wer­den, da nach Über­zeu­gung des Land­ge­richts schon vor dem frag­li­chen Inter­view ein Schuld­über­nah­me­ver­trag zwi­schen der HTRG und dem Beklag­ten abge­schlos­sen wor­den sei. Zwar sei dem Gericht ein sol­cher Ver­trag nicht vor­ge­legt wor­den; auf sei­ne Exis­tenz kön­ne aber auf der Grund­la­ge der von den Par­tei­en vor­ge­leg­ten Unter­la­gen, ins­be­son­de­re aus den wei­te­ren Ant­wor­ten der Inter­view­ten im Gespräch mit der Zeit­schrift „Ham­burg Trab Extra“ im Okto­ber 2005, geschlos­sen wer­den. Auch das Ver­hal­ten des Beklag­ten nach der Insol­venz der HTRG – z.B. die Aus­zah­lung von Teil­be­trä­gen an die Pfer­de­ei­gen­tü­mer – spre­che für eine ver­ein­bar­te Schuld­über­nah­me. Aus dem Gesamt­zu­sam­men­hang wer­de deut­lich, dass bei dem Inter­view tat­säch­lich ledig­lich die Moda­li­tä­ten eines zuvor bereits ver­ab­schie­de­ten „Sanie­rungs­kon­zepts“ für die HTRG dar­ge­stellt wor­den sei­en.

Land­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 15. Juni 2011 – 318 S 216/​10