Soll Beru­fung ein­ge­legt wer­den?

Die Klä­rung der Fra­ge, ob gegen ein Urteil Beru­fung ein­ge­legt wer­den soll, darf der Rechts­an­walt grund­sätz­lich nicht allein einem Tele­fon­ge­spräch einer Kanz­lei­kraft über­las­sen.

Soll Beru­fung ein­ge­legt wer­den?

Zwar darf der Rechts­an­walt ein­fa­che Ver­rich­tun­gen, die kei­ne beson­de­re Geis­tes­ar­beit oder juris­ti­sche Schu­lung ver­lan­gen, wie etwa Boten­gän­ge oder die Ein­tra­gung vor­her vom Anwalt ver­füg­ter Fris­ten, zur selb­stän­di­gen Erle­di­gung auf sein geschul­tes und zuver­läs­si­ges Büro­per­so­nal über­tra­gen 1. So liegt der vor­lie­gen­de Streit­fall nicht.

Hier ging es viel­mehr um die Fra­ge, ob gegen ein Urteil ent­spre­chend der Emp­feh­lung des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten Beru­fung ein­ge­legt wer­den soll­te oder nicht. Die Klä­rung die­ser Fra­ge, die unmit­tel­bar das Man­dat betrifft, darf der Rechts­an­walt grund­sätz­lich nicht allein einem Tele­fon­ge­spräch einer Kanz­lei­kraft über­las­sen. Denn die­se Fra­ge fällt in den ori­gi­nä­ren Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Rechts­an­walts, der sich inso­weit nur auf eine schrift­li­che oder ihm selbst erteil­te münd­li­che Wei­sung der Man­dant­schaft ver­las­sen und ihm vor­ge­leg­te, nicht von der Par­tei auto­ri­sier­te Tele­fon­ver­mer­ke nicht unge­prüft über­neh­men darf.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Okto­ber 2012 – VI ZB 71/​11

  1. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 27.11.1990 – VI ZB 22/​90, NJW 1991, 1179; BGH, Beschluss vom 05.03.1991 – XI ZB 1/​91, NJW 1991, 2082[]