Sozie­tät aus Rechts­an­wäl­ten und Steu­er­be­ra­tern – und die Ver­jäh­rungs­frist bei der Bera­ter­haf­tung

Erfolgt die Erstel­lung eines Dar­lehns­ver­tra­ges durch einen in einer Sozie­tät mit Steu­er­be­ra­tern täti­gen Rechts­an­walt im Rah­men eines von der Sozie­tät erar­bei­te­ten Gesamt­kon­zep­tes, so ist die­ser Anwalt nicht aus­schlie­ßend rechts­be­ra­tend tätig.

Sozie­tät aus Rechts­an­wäl­ten und Steu­er­be­ra­tern – und die Ver­jäh­rungs­frist bei der Bera­ter­haf­tung

Mit­hin unter­fiel die Erstel­lung des Dar­le­hens­ver­tra­ges nicht als rechts­be­ra­ten­de Tätig­keit der Ver­jäh­rungs­re­gel des § 51b BRAO aF. Viel­mehr liegt eine ein­heit­lich zu betrach­ten­de, steu­er­be­ra­ten­de Tätig­keit der Sozie­tät vor.

Im hier ent­schie­de­nen Fall wur­de das steu­er­recht­li­che Bera­tungs­man­dat wur­de in den Jah­ren 1999 und 2000 erteilt. Nach Art. 229 § 12 Abs. 1 Satz 1 Nr. 13 EGBGB ist auf die durch das Gesetz zur Anpas­sung von Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten an das Gesetz zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 09.12 2004 1 geän­der­ten Vor­schrif­ten des Steu­er­be­ra­tungs­ge­set­zes Art. 229 § 6 EGBGB ent­spre­chend anzu­wen­den. Dem­nach rich­tet sich der Beginn der Ver­jäh­rung für den Zeit­raum vor dem 15.12 2004 nach § 68 StBerG aF. Da die den Ver­jäh­rungs­be­ginn aus­lö­sen­de Scha­dens­ent­ste­hung regel­mä­ßig die Bekannt­ga­be des belas­ten­den Steu­er­be­schei­des gemäß § 122 Abs. 1, § 155 Abs. 1 Satz 2 AO vor­aus­setz­te 2 und eine ander­wei­ti­ge Ver­schlech­te­rung der Ver­mö­gens­la­ge des Man­dan­ten vor Bekannt­ga­be der Steu­er­be­schei­de im Dezem­ber 2011 nicht ein­ge­tre­ten war 3, ist der Scha­den erst nach dem 14.12 2004 ent­stan­den. Für den Ver­jäh­rungs­be­ginn ist folg­lich das neue Recht maß­ge­bend.

Nach dem neu­en Recht ist ent­schei­dend, wann der Scha­den ent­stan­den ist und die Man­dan­tin von den den Anspruch begrün­den­den Umstän­den und der Per­son des Schuld­ners Kennt­nis erhielt oder ohne gro­be Fahr­läs­sig­keit hät­te erlan­gen müs­sen (§ 199 Abs. 1 BGB). Dies gilt auch für den­je­ni­gen, der sei­ne Ansprü­che als Begüns­tig­ter aus einem Ver­trag mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter ablei­tet 4. Für die Fra­ge des Zeit­punkts der Ent­ste­hung des Scha­dens ist auch nach neu­em Recht die zuvor ent­wi­ckel­te Risi­ko-Scha­den-For­mel maß­ge­bend 5. Danach ist auch jetzt ein Steu­er­scha­den noch nicht ent­stan­den, solan­ge es an der Bekannt­ga­be des belas­ten­den Steu­er­be­schei­des fehlt 6, es sei denn, zuvor wäre ein ande­rer Scha­den als der Steu­er­scha­den bereits ein­ge­tre­ten 7.

Da letz­te­res nicht der Fall war und die Steu­er­be­schei­de der Man­dan­tin erst im Dezem­ber 2011 zuge­gan­gen sind, ist der bereits im März 2013 gericht­lich gel­tend gemach­te Kla­ge­an­spruch nicht ver­jährt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Dezem­ber 2015 – IX ZR 56/​15

  1. BGBl. I S. 3214[]
  2. BGH, Urteil vom 02.07.1992 – IX ZR 268/​91, BGHZ 119, 69, 70 ff; vom 12.11.2009 – IX ZR 218/​08, WM 2010, 138 Rn. 10[]
  3. vgl. für die­sen Fall BGH, Urteil vom 23.04.2015 – IX ZR 176/​12, NJW 2015, 2190, Rn. 14; Chab, in G. Fischer/​Vill/​D. Fischer/​Rinkler/​Chab, Hand­buch der Anwalts­haf­tung, 4. Aufl., § 7 Rn. 97[]
  4. BGH, Urteil vom 13.10.2011 – IX ZR 193/​10, WM 2011, 2334 Rn. 23[]
  5. Chab, aaO § 7 Rn.200[]
  6. BGH, Urteil vom 23.04.2015, aaO Rn. 11[]
  7. BGH, aaO Rn. 14[]