Sperr­frist für die Ver­mö­gens­aus­kufnt und die frü­he­re eides­statt­li­cher Ver­si­che­rung

Die Sperr­frist des § 802d ZPO gilt ‑nach Ansicht des Amts­ge­richts Char­lot­ten­burg – trotz der Über­gangs­vor­schrift des § 39 Nr. 4 EGZPO – nicht im Hin­blick auf nach altem Recht abge­ge­be­ne eides­statt­li­che Ver­si­che­run­gen.

Sperr­frist für die Ver­mö­gens­aus­kufnt und die frü­he­re eides­statt­li­cher Ver­si­che­rung

Grund­sätz­lich galt nach altem Recht die drei­jäh­ri­ge Sperr­frist des § 903 ZPO (aF). Die Über­gangs­vor­schrift des § 39 Nr. 4 EGZPO stellt die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung nach altem Recht nicht pau­schal und gene­rell einer Ver­mö­gens­aus­kunft nach neu­em Recht gleich, son­dern nur in Bezug auf § 802d ZPO, mit­hin ver­meint­lich bei der Prü­fung der Sperr­fris­ten.

Sowohl in der Begrün­dung der Geset­zes­in­itia­ti­ve [1] als auch in der Begrün­dung des Geset­zes­ent­wurfs [2] war eine Sperr­frist von drei Jah­ren vor­ge­se­hen. Die­se wur­de unter Hin­weis auf den Vor­rang der Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung auf zwei Jah­re ver­kürzt [3], ohne dass sodann die ent­spre­chen­den Über­gangs­vor­schrif­ten (in der Begrün­dung zunächst § 37, nun­mehr § 39 EGZPO) ent­spre­chend ange­passt wur­de. Mit der Ver­kür­zung der Sperr­frist des § 802d ZPO hat der Gesetz­ge­ber jedoch nicht beab­sich­tigt, Schuld­nern, die nach alter Rechts­la­ge eine eides­statt­li­che Ver­si­che­rung geleis­tet haben, deren Schutz­frist von drei Jah­ren unter Hin­weis auf § 39 Nr. 4 EGZPO zu ver­kür­zen. Hier­für spre­chen Rechtssicherheits‑, Schuld­ner­schutz- bzw. Ver­trau­ens­ge­sichts­punk­te: Der Schuld­ner, der die eides­statt­li­che Offen­ba­rungs­ver­si­che­rung nach altem Recht abge­ge­ben hat, muss auf die ehe­dem gel­ten­de Sperr-/Schutz­frist des § 903 ZPO (aF) ver­trau­en kön­nen dür­fen, wovon im Grund­satz auch die Begrün­dung im Gesetz­ent­wurf aus­ge­gan­gen ist. Hier­für spricht im Übri­gen auch die Fort­gel­tung der §§ 915, 915a ZPO (aF), wonach eine Löschung der Ein­tra­gung im (alten) Schuld­ner­ver­zeich­nis erst nach drei Jah­ren erfolgt – die Mög­lich­keit einer vor­zei­ti­gen Löschung nach § 39 Nr. 5 S. 3 EGZPO steht dem Grund­satz der Fort­gel­tung der drei­jäh­ri­gen Sperr­frist für nach altem Recht abge­ge­be­ne eides­statt­li­che Offen­ba­rungs­ver­si­che­run­gen nicht ent­ge­gen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung ver­schie­de­ner Amts­ge­rich­te [4] schließt sich das Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg der Auf­fas­sung ande­rer Gerich­te [5] an, dass die Über­gangs­vor­schrift des § 39 Nr. 4 EGZPO ledig­lich das Recht des Gläu­bi­gers regelt, dass die Abschrift eines alten Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses, wel­ches noch inner­halb der Sperr­frist gül­tig ist und beim Voll­stre­ckungs­ge­richt hin­ter­legt bleibt, auch bei einem Antrag ab dem 1. Janu­ar 2013 noch vom Voll­stre­ckungs­ge­richt erteilt wird, da das neue Recht kei­nen Antrag auf Ertei­lung einer Abschrift eines Ver­mö­gens­ver­zeich­nis­ses vor­sieht [6].

Amts­ge­richt Char­lot­ten­burg, Beschluss vom 28. März 2013 – 38 M 8030/​13

  1. BR-Drs. 304/​08, S. 123 ff.[]
  2. BT-Drs. 16/​10069, S. 52 ff.[]
  3. vgl. BT-Drs. 16/​10069, S. 55; BT-Drs. 16/​13432, S. 51[]
  4. vgl. nur AG Osna­brück, Beschluss vom 15.02.2013 – 27 M 59/​13[]
  5. vgl. etwa AG Wed­ding, Beschluss vom 01.03.2013 – 33 M 8016/​13[]
  6. so Ste­fan Mroß, DGVZ 2012, 169 ff.[]