Stif­tungs­gel­der

Ist für einen Ver­trag, in dem eine Stif­tung die Zuwen­dung von Stif­tungs­leis­tun­gen ver­spricht, die nota­ri­el­le Beur­kun­dung erfor­der­lich? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu beschäf­ti­gen. Hin­ter­grund die­ser Streit­fra­ge ist die Bestim­mung des § 518 BGB. Hier­nach ist zur Gül­tig­keit eines Schen­kungs­ver­spre­chens erfor­der­lich, dass das Ver­spre­chen nota­ri­ell beur­kun­det wird. Ohne die­se nota­ri­el­le Beur­kun­dung ist die Schen­kung erst ver­bind­lich, nach­dem die Schen­kung (als soge­nann­te Hand­schen­kung) erfüllt wur­de. Umstrit­ten war nun die Fra­ge, ob die Zuwen­dung durch eine Stif­tung eine sol­che – form­be­dürf­ti­ge – Schen­kung ist.

Stif­tungs­gel­der

Dem über drei Instan­zen aus­ge­tra­ge­nen Zivil­rechts­streit lag ein Fall aus dem Ber­gi­schen Land zugrun­de: Die kla­gen­de Stadt Solin­gen führ­te seit 1991 mit dem spä­te­ren Stif­ter der beklag­ten Kunst­stif­tung Ver­hand­lun­gen über die Ein­rich­tung und den Betrieb eines Kunst­mu­se­ums sowie über des­sen Mit­fi­nan­zie­rung durch eine noch zu errich­ten­de Stif­tung. In der Fol­ge­zeit grün­de­te die Stadt eine Gesell­schaft zum Betrieb des Kunst­mu­se­ums und erwarb hier­zu das ehe­ma­li­ge Rat­haus eines Stadt­teils. Die Kunst­stif­tung wur­de mit dem Stif­tungs­zweck errich­tet, die bil­den­de Kunst unter ande­rem durch Finan­zie­rung der Errich­tung und Unter­hal­tungs­kos­ten von Muse­en zu för­dern. Die Betriebs­ge­sell­schaft der Stadt und die beklag­te Kunst­stif­tung schlos­sen 1996 einen schrift­li­chen, nicht nota­ri­ell beur­kun­de­ten Finan­zie­rungs­ver­trag. Hier­in ver­pflich­te­te sich die beklag­te Stif­tung, der Betriebs­ge­sell­schaft die jähr­li­chen Erträ­ge aus ihrem fest­ver­zins­lich ange­leg­ten Ver­mö­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Betriebs­ge­sell­schaft ver­pflich­te­te sich, die­se Beträ­ge zur Finan­zie­rung der lau­fen­den Unter­halts- und Betriebs­kos­ten des errich­te­ten Muse­ums zu ver­wen­den und in die­sem eine ange­mes­se­ne Flä­che für die Prä­sen­ta­ti­on bestimm­ter Aus­stel­lun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Kunst­stif­tung kehr­te die ver­spro­che­nen Beträ­ge zunächst regel­mä­ßig, dann teil­wei­se aus und stell­te die Zah­lun­gen schließ­lich ein. Die Stadt Solin­gen begehr­te nun im Wege der Stu­fen­kla­ge Rech­nungs­le­gung und Zah­lung der mit dem Finan­zie­rungs­ver­trag ver­spro­che­nen Zuwen­dun­gen.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Wup­per­tal hat die Kla­ge der Stadt abge­wie­sen 1. Die hier­auf von der Stadt ein­ge­leg­te Beru­fung blieb vor dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf eben­falls erfolg­los 2, da die mit dem Finan­zie­rungs­ver­trag ver­spro­che­nen Zuwen­dun­gen der Kunst­stif­tung nach Ansicht des OLG Düs­sel­dorf unent­gelt­lich waren. Bei einem der­ar­ti­gen Finan­zie­rungs­ver­trag han­delt es sich nach Ansicht des OLG Düs­sel­dorf daher um ein Schen­kungs­ver­spre­chen, das man­gels nota­ri­el­ler Beur­kun­dung nich­tig sei. Nach § 518 Abs. 1 Satz 1 BGB ist zur Gül­tig­keit eines Ver­trags, durch den eine Leis­tung schenk­wei­se ver­spro­chen wird, die nota­ri­el­le Beur­kun­dung des Ver­spre­chens erfor­der­lich.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on moch­te der Bun­des­ge­richts­hof nun jedoch nicht fol­gen. Der BGH hob viel­mehr auf die Revi­si­on der Stadt hin das Beru­fungs­ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf auf, ver­ur­teil­te die beklag­te Stif­tung zur Aus­kunft und ver­wies die Sache im Übri­gen zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das erst­in­stanz­li­che Land­ge­richt Wup­per­tal zurück.

Der Bun­des­ge­richts­hof sah in dem Finan­zie­rungs­ver­trag kei­ne form­be­dürf­ti­ge Schen­kung: Wer­den Desti­na­tä­ren Stif­tungs­leis­tun­gen zuge­wen­det, dient dies der Erfül­lung des Stif­tungs­zwecks. Dabei macht es kei­nen Unter­schied, ob ein Anspruch auf die Stif­tungs­leis­tun­gen bereits durch die Stif­tungs­sat­zung oder erst durch den Abschluss eines Ver­trags begrün­det wird. Wird durch eine ver­trag­li­che Zuwen­dung von Stif­tungs­leis­tun­gen allein der Stif­tungs­zweck erfüllt, ist die­ser ihr Rechts­grund, so der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Urteils­be­grün­dung. Daher han­delt es sich bei der ver­trag­li­chen Zuwen­dung von Stif­tungs­leis­tun­gen zur Ver­wirk­li­chung des Stif­tungs­zwecks auch dann nicht um ein Schen­kungs­ver­spre­chen, wenn die­se Leis­tun­gen unent­gelt­lich ver­spro­chen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Okto­ber 2009 – Xa ZR 8/​08 ch

  1. LG Wup­per­tal, Urteil vom 14.06.2006 – 19 O 141/​06[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 07.12.2007 – I‑7 U 162/​06 []