Stock­holm ist ein Vier­tel Kreuz­fahrt

Immer wie­der einen Streit wert ist die Fra­ge, in wel­chem Umfang der Rei­se­preis gemin­dert wer­den kann, wenn ein bestimm­ter Teil der Rei­se­leis­tun­gen nicht erbracht wur­de. Dass die­ser Streit nicht nur bei Pauch­al­rei­sen mög­lich ist, son­dern auch bei Kreuz­fahr­ten, zeigt ein aktu­el­ler Fall des Amts­ge­richts Mün­chen, das jetzt ent­schied, dass der Rei­sen­de bei einer acht­tä­gi­gen Ost­see­kreuz­fahrt, bei der das Anlau­fen des Hafens von Stock­holm mit einem 17-stün­di­gen Auf­ent­halt vor­ge­se­hen ist und die­ses Ver­spre­chen nicht ein­ge­hal­ten wird, den Rei­se­preis um 25 Pro­zent min­dern kann.

Stock­holm ist ein Vier­tel Kreuz­fahrt

In dem jetzt vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall buch­ten die spä­te­ren Klä­ger bei einem Rei­se­un­ter­neh­men für die Zeit vom 3.8.08 bis zum 10.8.08 eine acht­tä­gi­ge Ost­see­kreuz­fahrt. Die Rei­se führ­te von Kiel über Vis­by, Tal­linn, St.Petersburg, Stock­holm und Kopen­ha­gen wie­der zurück nach Kiel. Der Rei­se­ver­lauf sah vor, dass in Stock­holm nach Durch­que­rung der so genann­ten Schä­ren-Insel­grup­pe auch der Stadt­ha­fen von Stock­holm ange­lau­fen wer­den soll­te und zwar von Frei­tag­abend, den 7.8.08 gegen 20 Uhr bis Sams­tag, den 8.8.08 gegen 13 Uhr. Die Klä­ger freu­ten sich auch schon dar­auf, die Stadt Stock­holm zu besich­ti­gen und dort einen schö­nen Abend zu ver­brin­gen.

Umso grö­ßer war die Ent­täu­schung, als ihnen bereits kurz nach Rei­se­an­tritt mit­ge­teilt wur­de, dass der Stadt­ha­fen in Stock­holm nicht ange­fah­ren wer­den kön­ne, da man aus St.Petersburg so spät ankom­men wer­de, dass die Schä­ren in der Nacht nicht mehr durch­fah­ren wer­den dürf­ten. Man über­reich­te ihnen als Ersatz eine Infor­ma­ti­on über einen even­tu­el­len Bus­trans­fer von Nynas­hamn, einem Ort, ca. 60 km von Stock­holm ent­fernt. Als die Klä­ger im Inter­net auf der Sei­te „Stock­holm Crui­se Calls 2008“ auch noch die Infor­ma­ti­on fan­den, dass es ohne­hin nie vor­ge­se­hen war, dass ihr Schiff in den Hafen von Stock­holm ein­lau­fen soll­te, da laut der Ein­lauf­in­for­ma­ti­on des Hafens Stock­holm die Stopps der Schif­fe des Rei­se­un­ter­neh­mens im 14-Tage-Rhyth­mus statt­fin­den und zwar am 13.5., 27.5., 10.6., 24.6., 8.7., 22.7., 19.8. und 2.9.08, reich­te es ihnen. Sie ver­lang­ten 25 Pro­zent des Rei­se­prei­ses, also 599,50 Euro zurück. Das Rei­se­un­ter­neh­men wei­ger­te sich zu bezah­len.

Der zustän­di­ge Mün­che­ner Amts­rich­ter gab den Rei­sen­den jedoch Recht:

Nach Ein­sicht in die Ver­trags­un­ter­la­gen ste­he fest, dass das Anlau­fen des Hafens von Stock­holm ver­spro­chen und damit geschul­det wur­de. Da die­ses Ein­lau­fen unter­blieb, sei die Rei­se in erheb­li­chem Umfang man­gel­haft gewe­sen. In Anbe­tracht der Gesamt­um­stän­de sei eine Min­de­rung von 25 Pro­zent ange­mes­sen. Dabei sei ins­be­son­de­re die Tat­sa­che zu berück­sich­ti­gen, dass die Rei­se nur acht Tage dau­er­te und dass nur vier gro­ße Städ­te ange­lau­fen wer­den soll­ten. Mit Stock­holm sei damit eines der High­lights aus­ge­fal­len. Immer­hin sei hier ein 17-stün­di­ger Auf­ent­halt geplant gewe­sen. Die Mög­lich­keit eines Bus­trans­fers von Nyashamn sei dafür kein Ersatz. Es mache schließ­lich einen Unter­schied, ob das Schiff zwi­schen 8 Uhr abends und 13 Uhr des nächs­ten Tages im Hafen von Stock­holm und damit nur weni­ge Geh­mi­nu­ten von der Alt­stadt ent­fernt vor Anker lie­ge oder ob man für einen Stock­holm Auf­ent­halt meh­re­re Stun­den im Omni­bus ver­brin­gen müs­se. Dar­über hin­aus ent­fal­len sei auch die Fahrt durch die land­schaft­lich über­aus reiz­vol­len Schä­ren.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 1. April 2009 – 262 C 1337/​09