Stol­per­fal­le im geteer­ten Fuß­gän­ger­weg

In einen auch für den Fuß­gän­ger­ver­kehr gedach­ten geteer­ten Weg dür­fen nicht her­vor­ste­hen­de Boden­hül­sen, wie sie für den Ein­satz von her­aus­nehm­ba­ren Metall­pfos­ten ver­wen­det wer­den, über dem Wege­ni­veau, qua­si als Stol­per­fal­le, ein­ge­baut wer­den. Stol­pert ein Fuß­gän­ger über eine sol­che Hül­se und ver­letzt sich dabei, haf­tet die Kom­mu­ne auf Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld. Dies zeigt eine jetzt ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Land­ge­richts Coburg, mit der einer gestürz­ten Wal­ke­rin knapp 2.400 € Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld zuge­spro­chen wur­de. Durch den Ein­bau der über das Weges­ni­veau hin­aus­ra­gen­den metal­le­nen Auf­nah­me­vor­rich­tung für Pfos­ten hat­te die Gemein­de nach Auf­fas­sung des Gerichts ihre Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­letzt.

Stol­per­fal­le im geteer­ten Fuß­gän­ger­weg

Im begin­nen­den Früh­ling des Jah­res 2008 woll­te die Klä­ge­rin etwas für die Fit­ness tun und nahm an einem Nor­dic-Wal­king-Kurs teil. Die Stre­cke führ­te auch über einen geteer­ten Weg. Die­sen hat­te die Kom­mu­ne mit Metall­pfos­ten, die in Boden­hül­sen ein­ge­steckt waren und für die die Anwoh­ner Schlüs­sel hat­ten, für Pkws gesperrt. Die Klä­ge­rin über­sah eine der Hül­sen, in der sich gera­de kein Pfos­ten befand. Bei dem Sturz ging die Bril­le der Klä­ge­rin zu Bruch und sie zog sich erheb­li­che Gesichts­ver­let­zun­gen zu. Die Gemein­de sah kei­ne Schuld bei sich, ließ aber gleich nach dem Vor­fall die Hül­sen auf Teer­ni­veau kür­zen.

Das Land­ge­richt Coburg hin­ge­gen erkann­te eine Ver­let­zung der so genann­ten Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht der Gemein­de. Die her­vor­ste­hen­den Boden­hül­sen waren eine regel­rech­te Stol­per­fal­le für Fuß­gän­ger. Denn die Pfos­ten waren zum Her­aus­neh­men durch die Anwoh­ner gedacht, so dass es nicht der Kon­trol­le der Beklag­ten unter­lag, wie oft und für wel­che Zeit­räu­me die Boden­hül­sen "pfos­ten­los" sein wür­den. Den Fuß­gän­gern wur­de eine gefahr­los und ohne erhöh­te Auf­merk­sam­keit begeh­ba­re Flä­che sug­ge­riert, die an der frag­li­chen Stel­le jedoch nicht vor­han­den ist. Daher haf­te­te die beklag­te Gemein­de auf Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 30. Dezem­ber 2008 – 22 O 588/​08