Straf­recht­li­che Schutz­ge­set­ze – Scha­dens­er­satz und sekun­dä­re Dar­le­gungs­last

Den Pro­zess­geg­ner der pri­mär dar­le­gungs­be­las­te­ten Par­tei kann eine sekun­dä­re Dar­le­gungs­last tref­fen, wenn die nähe­re Dar­le­gung der pri­mär dar­le­gungs­be­las­te­ten Par­tei nicht mög­lich oder zumut­bar ist, wäh­rend der Pro­zess­geg­ner alle wesent­li­chen Tat­sa­chen kennt und es ihm zumut­bar ist, nähe­re Anga­ben zu machen. Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen Ver­let­zung eines straf­recht­li­chen Schutz­ge­set­zes. Dabei spielt kei­ne Rol­le, ob ein ent­spre­chen­der Aus­kunfts­an­spruch gegen den Schä­di­ger besteht.

Straf­recht­li­che Schutz­ge­set­ze – Scha­dens­er­satz und sekun­dä­re Dar­le­gungs­last

Grund­sätz­lich muss zwar der Klä­ger alle Tat­sa­chen behaup­ten und bewei­sen, aus denen sich sein Anspruch her­lei­tet. Stützt er sich auf eine delik­ti­sche Haf­tung wegen Ver­let­zung eines Schutz­ge­set­zes, so hat er prin­zi­pi­ell alle Umstän­de dar­zu­le­gen und zu bewei­sen, aus denen sich die Ver­wirk­li­chung der ein­zel­nen Tat­be­stands­merk­ma­le des Schutz­ge­set­zes ergibt1. In bestimm­ten Fäl­len ist es aber Sache der Gegen­par­tei, sich im Rah­men der ihr nach § 138 Abs. 2 ZPO oblie­gen­den Erklä­rungs­pflicht zu den Behaup­tun­gen der beweis­pflich­ti­gen Par­tei sub­stan­ti­iert zu äußern. Eine sol­che sekun­dä­re Dar­le­gungs­last, die die Ver­tei­lung der Beweis­last unbe­rührt lässt, setzt vor­aus, dass die nähe­re Dar­le­gung dem Behaup­ten­den nicht mög­lich oder nicht zumut­bar ist, wäh­rend der Bestrei­ten­de alle wesent­li­chen Tat­sa­chen kennt und es ihm zumut­bar ist, nähe­re Anga­ben zu machen2. Die­se Grund­sät­ze kom­men ins­be­son­de­re bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen zur Gel­tung, die aus der Ver­un­treu­ung anver­trau­ter Gel­der her­ge­lei­tet wer­den3. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts spielt dabei weder eine Rol­le, dass es sich bei dem als ver­letzt in Rede ste­hen­den Schutz­ge­setz des § 266 StGB um eine straf­recht­li­che Norm han­delt, noch, ob ein ent­spre­chen­der Aus­kunfts­an­spruch besteht4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2015 – VI ZR 343/​13

  1. BGH, Urtei­le vom 17.03.1987 – VI ZR 282/​85, BGHZ 100, 190, 195 mwN; vom 19.07.2011 – VI ZR 367/​09, VersR 2011, 1276 Rn. 13; vom 11.12 2001 – VI ZR 350/​00, VersR 2002, 321; vom 24.11.1998 – VI ZR 388/​97, VersR 1999, 774, 775 []
  2. z.B. BGH, Urtei­le vom 17.03.1987 – VI ZR 282/​85, aaO, 195 f.; vom 03.06.2014 – VI ZR 394/​13, VersR 2014, 1018 Rn.20; vom 11.02.2001 – VI ZR 350/​00, aaO; vom 24.11.1998 – VI ZR 388/​97, aaO; BGH, Urteil vom 07.12 1998 – II ZR 266/​97, BGHZ 140, 156, 158 []
  3. BGH, Urtei­le vom 24.11.1998 – VI ZR 388/​97, aaO; vom 17.03.1987 – VI ZR 282/​85, aaO []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 17.03.1987 – VI ZR 282/​85, aaO []