Streit um Bun­des­vor­sit­zen­den der Deut­schen Zen­trums­par­tei

Ist die Wahl zum Bun­des­vor­sit­zen­den einer Par­tei gem. § 32 BGB in Ver­bin­dung mit der Par­tei­sat­zung nicht ord­nungs­ge­mäß erfolgt, hat sie recht­lich kei­nen Bestand.

Streit um Bun­des­vor­sit­zen­den der Deut­schen Zen­trums­par­tei

Mit die­ser Begrün­dung hat das Land­ge­richt Düs­sel­dorf die Wahl des Vor­sit­zen­den der Deut­schen Zen­trums­par­tei zu Guns­ten des Herrn Ger­hard Woit­zik aus Dor­ma­gen ent­schie­den. Hin­ter­grund des Rechts­streits ist ein Kon­flikt zwi­schen zwei Flü­geln der Par­tei, die sich einer­seits um Ger­hard Woit­zik, ande­rer­seits um Ewald Jaksch gebil­det haben. Auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 19. Febru­ar 2011 in Ful­da kam es zum Streit zwi­schen die­sen bei­den Grup­pen. Der Par­tei­tag spal­te­te sich auf und sowohl Woit­zik als auch Jaksch wur­den jeweils von Tei­len der Mit­glie­der zum Bun­des­vor­sit­zen­den gewählt. Aus­lö­ser des Streits war die Fra­ge, wel­che der zum Par­tei­tag erschie­ne­nen Mit­glie­der zur Wahl des Bun­des­vor­sit­zen­den berech­tigt sei­en. Laut Par­tei­sat­zung ist nur wahl­be­rech­tigt, wer sei­nen Mit­glieds­bei­trag ent­rich­tet hat. Ein Teil der Par­tei­tags­mit­glie­der war der Auf­fas­sung, dass für eine ord­nungs­ge­mä­ße Ent­rich­tung des Bei­trags die Zah­lung auf ein Kon­to der Bun­des­par­tei erfor­der­lich sei, der ande­re Teil hielt auch eine Zah­lung an die ein­zel­nen Landes‑, Kreis- oder Orts­ver­bän­de für aus­rei­chend.

Da sich kei­ne Einig­keit dar­über erzie­len ließ, wel­che der Mit­glie­der ihren Bei­trag ord­nungs­ge­mäß ent­rich­tet hat­ten und somit wahl­be­rech­tigt waren, erklär­te Jaksch den Bun­des­par­tei­tag am spä­ten Vor­mit­tag für been­det und begab sich mit min­des­tens neun wei­te­ren Par­tei­mit­glie­dern in den Hotel-Gast­hof "Jäger­haus" in Ful­da-Bron­zell. Die übri­gen ca. 50 Mit­glie­der ver­blie­ben am ursprüng­li­chen Ver­an­stal­tungs­ort, dem Hotel "Holi­day Inn". Bei­de Grup­pen eröff­ne­ten in den jewei­li­gen Loka­li­tä­ten nach einem Mit­tag­essen den Bun­des­par­tei­tag erneut und wähl­ten einer­seits Woit­zik, ande­rer­seits Jaksch zum neu­en Bun­des­vor­sit­zen­den.

Nun hat die Klä­ge­rin, der Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Lan­des­ver­band der Par­tei, bean­tragt fest­zu­stel­len, dass Ewald Jaksch aus Reut­lin­gen anläss­lich der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 19. Janu­ar 2011 in Ful­da zum Bun­des­vor­sit­zen­den gewählt wor­den ist.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Düs­sel­dorf ist die Wahl Jakschs gem. § 32 BGB in Ver­bin­dung mit der Par­tei­sat­zung nicht ord­nungs­ge­mäß erfolgt und hat daher recht­lich kei­nen Bestand. Bei Jakschs Wahl ist die laut Sat­zung der Par­tei erfor­der­li­che Ladungs­frist zu einer Bun­des­mit­glie­der­ver­samm­lung von 6 Wochen nicht ein­ge­hal­ten wor­den. Sei­ne Wäh­ler haben sich am Nach­mit­tag des 19.02.2011 näm­lich spon­tan im Gast­hof "Jäger­haus" zusam­men­ge­fun­den. Dar­über hin­aus ist die sat­zungs­ge­mäß vor­ge­se­he­ne Öffent­lich­keit bei der Wahl nicht gewahrt wor­den. Durch die spon­ta­ne Aus­glie­de­rung eines Teils der Mit­glie­der­ver­samm­lung an einen ande­ren Ort hat die Öffent­lich­keit vom neu­en Ver­an­stal­tungs­ort und so von der Wahl Jakschs kei­ne Kennt­nis erlangt.

Für den Fall, dass das Gericht die Wahl von Jaksch zum Bun­des­vor­sit­zen­den für nicht wirk­sam anse­hen soll­te, hat­te die Klä­ge­rin bereits zu Beginn des Rechts­streits zuge­stan­den, die par­al­lel erfolg­te Wahl von Woit­zik als wirk­sam anzu­er­ken­nen. Ob die Wahl Woit­ziks tat­säch­lich ord­nungs­ge­mäß erfolg­te, bedurf­te des­halb kei­ner wei­te­ren Prü­fung durch das Gericht.

Streit um die Wahl des Bun­des­vor­sit­zen­den der Par­tei gab es bereits im Jah­re 2009. Das Bun­des­schieds­ge­richt der Par­tei hat­te des­halb fest­ge­stellt, dass die Mit­glie­der­ver­samm­lung im Febru­ar 2009, die bereits damals Woit­zik gewählt hat­te, nicht ord­nungs­ge­mäß durch­ge­führt wor­den sei. Die Ein­la­dung zur Mit­glie­der­ver­samm­lung sei nicht recht­zei­tig erfolgt.

Land­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 28. Febru­ar 2012 – 6 O 357/​11