Streit­ver­kün­dung – und die Inter­ven­ti­ons­wir­kun­gen im Fol­ge­pro­zess

Die Fra­ge, ob ein Gericht die Inter­ven­ti­ons­wir­kung der in einem Vor­pro­zess ergan­ge­nen Ent­schei­dung rechts­feh­ler­frei beur­teilt hat, ist auch ohne Revi­si­ons­rüge von Amts wegen zu prü­fen.

Streit­ver­kün­dung – und die Inter­ven­ti­ons­wir­kun­gen im Fol­ge­pro­zess

Die Fra­ge, ob und inwie­weit das Gericht durch das Urteil im Vor­pro­zess gebun­den ist, bezieht sich auf die Urteils­fin­dung selbst und ist daher auch ohne Revi­si­ons­rüge von Amts wegen zu prü­fen 1.

Die Inter­ven­ti­ons­wir­kung gemäß § 68 ZPO beschränkt sich auf die die Ent­schei­dung tra­gen­den Fest­stel­lun­gen des Erst­ur­teils 2. Die Scha­dens­er­satz­kla­ge der Klä­ge­rin gegen das von der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin beauf­trag­te Trans­port­un­ter­neh­men ist mit der Begrün­dung abge­wie­sen wor­den, die Klä­ge­rin habe die Unver­sehrt­heit des Ana­ly­se­ge­räts bei sei­ner Über­ga­be an den Fah­rer nicht bewie­sen. Ist der Klä­ger im vor­aus­ge­gan­ge­nen Rechts­streit aus Grün­den der Beweis­last unter­le­gen, steht für den Fol­ge­pro­zess nur die Unauf­klär­bar­keit der zu bewei­sen­den Tat­sa­che im vor­lie­gen­den Fall die Unver­sehrt­heit des Ana­ly­se­ge­räts bei des­sen Aus­la­ge­rung fest. Nur dies muss sich der Streit­ver­kün­de­te im Fol­ge­pro­zess ent­ge­gen­hal­ten las­sen. Ist der vor­ma­li­ge Streit­ver­kün­de­te im Fol­ge­pro­zess nicht beweis­be­las­tet, dann geht es nicht zu sei­nen Las­ten, dass die strei­ti­ge Tat­sa­che im Vor­pro­zess nicht bewie­sen wor­den ist 3. Das "non liquet" im Aus­gangs­pro­zess beschwert die im vor­lie­gen­den Rechts­streit für den Zustand des Ana­ly­se­ge­räts bei der Aus­la­ge­rung nicht beweis­pflich­ti­ge Beklag­te daher nicht. Dem­entspre­chend konn­te das Beru­fungs­ge­richt nicht ohne eige­ne Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen davon aus­ge­hen, dass das Ana­ly­se­ge­rät in beschä­dig­tem Zustand an das von der Ver­si­che­rungs­neh­me­rin beauf­trag­te Trans­port­un­ter­neh­men über­ge­ben wor­den ist. Denn der Ein­la­ge­rer muss grund­sätz­lich dar­le­gen und gege­be­nen­falls bewei­sen, dass ihm das in unbe­schä­dig­tem Zustand ein­ge­la­ger­te Gut nach Been­di­gung der Lager­zeit vom Lager­hal­ter beschä­digt über­ge­ben wor­den ist 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. März 2014 – I ZR 209/​12

  1. BGH, Urteil vom 04.02.1955 – I ZR 105/​53, BGHZ 16, 217, 228; Urteil vom 26.09.1985 – III ZR 61/​84, BGHZ 96, 50, 54; Urteil vom 26.03.1987 – VII ZR 122/​86, BGHZ 100, 257, 263; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 68 Rn. 25; Münch-Komm.ZPO/Schultes, 4. Aufl., § 68 Rn. 23; Musielak/​Weth, ZPO, 10. Aufl., § 68 Rn. 1; Wieczorek/​Schütze/​Mansel, ZPO, 3. Aufl., § 68 Rn. 163 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 09.11.1982 – VI ZR 293/​79, BGHZ 85, 252, 255; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 30. Aufl., § 68 Rn. 9[]
  3. BGHZ 85, 252, 257 f.; OLG Karls­ru­he, OLGR 2005, 629, 630[]
  4. vgl. Münch­Komm-HGB/Frant­zioch aaO § 475 Rn. 15 f.; Kol­ler, Trans­port­recht, 8. Aufl., § 475 HGB Rn. 5[]