Streit­ver­kün­dung – und ihre Inter­ven­ti­ons­wir­kung

Die Inter­ven­ti­ons­wir­kung nach § 74 Abs. 3, § 68 ZPO gilt grund­sätz­lich nur zulas­ten des Streit­ver­kün­de­ten und nicht zulas­ten der unter­stütz­ten Haupt­par­tei. Sie ist jedoch nicht teil­bar und kann dem Streit­ver­kün­de­ten nicht ledig­lich hin­sicht­lich ihm ungüns­ti­ger Umstän­de unter Weg­las­sung güns­ti­ger Tei­le ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den 1.

Streit­ver­kün­dung – und ihre Inter­ven­ti­ons­wir­kung

Die von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen­de 2 Inter­ven­ti­ons­wir­kung nach § 74 Abs. 3, § 68 ZPO erstreckt sich nicht nur auf die im Tenor der Ent­schei­dung aus­ge­spro­che­nen Rechts­fol­gen, son­dern auch auf die Rich­tig­keit der Ent­schei­dung und damit die Fest­stel­lung und recht­li­che Beur­tei­lung der Tat­sa­chen ein­schließ­lich der prä­ju­di­zi­el­len Rechts­ver­hält­nis­se ("tra­gen­de Fest­stel­lun­gen") 3. Zu den tra­gen­den Fest­stel­lun­gen des im Vor­pro­zess ergan­ge­nen Urteils vom 13.05.2016 gehö­ren dem­nach, dass die Eigen­pro­vi­si­ons­ab­re­de unter den Kauf­ver­trags­par­tei­en geschlos­sen wur­de, und die aus der Abre­de fol­gen­de Nich­tig­keit des beur­kun­de­ten Schein­ge­schäfts gemäß § 117 Abs. 1 BGB.

Zwar gilt die Inter­ven­ti­ons­wir­kung nach § 74 Abs. 3, § 68 ZPO grund­sätz­lich nur zulas­ten des Streit­ver­kün­de­ten, vor­lie­gend also des Beklag­ten, und nicht zulas­ten der unter­stütz­ten Haupt­par­tei 4. Sie ist jedoch nicht teil­bar und kann dem Streit­ver­kün­de­ten nicht ledig­lich hin­sicht­lich ihm ungüns­ti­ger Umstän­de unter Weg­las­sung güns­ti­ger Tei­le ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den 5.

Die Klä­ge­rin kann sich mit­hin gegen­über ihrem vor­ma­li­gen Streit­hel­fer nicht im Sin­ne einer "Rosi­nen­theo­rie" auf die ihr güns­ti­gen tra­gen­den Fest­stel­lun­gen des im Vor­pro­zess ergan­ge­nen Urteils beru­fen, ohne nicht auch die wei­te­ren, ihr ungüns­ti­gen tra­gen­den Fest­stel­lun­gen gegen sich gel­ten zu las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. April 2019 – III ZR 338/​17

  1. Bestä­ti­gung BGH, Urteil vom 19.01.1989 – IX ZR 83/​88, NJW-RR 1989, 766, 767[]
  2. BGH, Urtei­le vom 26.09.1985 – III ZR 61/​84, BGHZ 96, 50, 54; und vom 15.11.1984 – III ZR 97/​83 8; BGH, Urtei­le vom 27.01.2015 – VI ZR 467/​13, MDR 2015, 459 Rn. 7; und vom 19.03.2014 – I ZR 209/​12, WM 2014, 2015 Rn. 28[]
  3. BGH, Urteil vom 26.09.1985 aaO S. 53; BGH, Beschluss vom 24.03.2011 – IX ZR 138/​08, BeckRS 2011, 07935 Rn. 2; Münch­Komm-ZPO/­Schul­tes, 5. Aufl., § 68 Rn. 15 mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 27.01.2015 aaO; Münch­Komm-ZPO/­Schul­tes aaO Rn. 9 mwN; Zöller/​Althammer, ZPO, 32. Aufl., § 68 Rn. 6 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 19.01.1989 – IX ZR 83/​88, NJW-RR 1989, 766, 767; Münch­Komm-ZPO/­Schul­tes aaO Rn. 13 mwN; Zöller/​Althammer aaO[]