Streit­wert der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – bei gleich­zei­tig ein­ge­leg­ter Revi­si­on

Wenn ein Beru­fungs­ur­teil mit der Revi­si­on und hilfs­wei­se wegen des­sel­ben Streit­ge­gen­stands mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wird, ent­ste­hen neben den Gebüh­ren für das Revi­si­ons­ver­fah­ren kei­ne wei­te­ren Gerichts- oder Anwalts­ge­büh­ren.

Streit­wert der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de – bei gleich­zei­tig ein­ge­leg­ter Revi­si­on

Für die Fra­ge, in wel­chem Umfang ein Beru­fungs­ur­teil pri­mär mit der Revi­si­on und nur hilfs­wei­se mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wird, ist nicht erheb­lich, ob und in wel­chem Umfang das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on tat­säch­lich zuge­las­sen hat. Maß­geb­lich ist allein, wel­ches Begeh­ren der Revi­si­ons­klä­ger mit sei­nem Rechts­mit­tel gel­tend gemacht hat.

Die Fest­set­zung eines geson­der­ten Streit­werts ist weder nach § 63 GKG noch nach § 33 RVG ver­an­lasst. Für das Ver­fah­ren über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de kön­nen kei­ne zusätz­li­chen Gebüh­ren anfal­len, weil es mit dem Revi­si­ons­ver­fah­ren eine Ein­heit bil­det und der Streit­wert für die Revi­si­ons­in­stanz bereits auf den im Gesetz vor­ge­se­he­nen Höchst­wert fest­ge­setzt wor­den ist.

Es ent­ste­hen kei­ne zusätz­li­chen Gebüh­ren, wenn ein Revi­si­ons­klä­ger das Beru­fungs­ur­teil hilfs­wei­se mit einer Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de angreift.

Das Ver­fah­ren über eine Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de und ein nach­fol­gen­des Revi­si­ons­ver­fah­ren bil­den kos­ten­recht­lich grund­sätz­lich eine Ein­heit.

Im Ver­fah­ren über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de fal­len Gerichts­ge­büh­ren gemäß Nr. 1242 und Nr. 1243 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses nur an, soweit die Beschwer­de erfolg­los bleibt oder das Ver­fah­ren ohne gericht­li­che Ent­schei­dung been­det wird. Soweit die Beschwer­de Erfolg hat, wird das Ver­fah­ren gemäß § 544 Abs. 6 Satz 1 ZPO als Revi­si­ons­ver­fah­ren fort­ge­setzt. Dort fal­len die Gerichts­ge­büh­ren gemäß Nr. 1230 des Kos­ten­ver­zeich­nis­ses an. Eine im Ver­fah­ren über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gemäß Nr. 3506 und Nr. 3508 des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses ent­stan­de­ne Ver­fah­rens­ge­bühr der betei­lig­ten Anwäl­te ist gemäß der Anmer­kung zu Nr. 3506 auf die Ver­fah­rens­ge­bühr für das nach­fol­gen­de Revi­si­ons­ver­fah­ren anzu­rech­nen. Die Höhe die­ser Gebühr ent­spricht nach Nr. 3206 und Nr. 3208 der­je­ni­gen aus dem Ver­fah­ren über die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de. Abwei­chun­gen kön­nen sich nur dann erge­ben, wenn der Streit­wert der bei­den Ver­fah­ren unter­schied­lich hoch ist.

Ange­sichts die­ses engen Zusam­men­hangs kann der Umstand, dass das mit einer Revi­si­on ver­folg­te Begeh­ren hilfs­wei­se auch im Wege der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gel­tend gemacht wird, nicht dazu füh­ren, dass über die für das Revi­si­ons­ver­fah­ren anfal­len­den Gebüh­ren hin­aus wei­te­re Gebüh­ren ent­ste­hen.

Wenn bereits das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on in vol­lem Umfang zuge­las­sen hat, bleibt die hilfs­wei­se ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ohne Wir­kung. Wenn das Beru­fungs­ge­richt die Revi­si­on nicht oder nur teil­wei­se zuge­las­sen hat und die hilfs­wei­se ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de erfolg­reich ist, bil­det das Ver­fah­ren über die­ses Rechts­mit­tel ledig­lich ein Zwi­schen­sta­di­um inner­halb des bereits anhän­gi­gen Ver­fah­rens über die im Ergeb­nis doch zuläs­si­ge Revi­si­on. Soweit die hilfs­wei­se ein­ge­leg­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zurück­ge­wie­sen wird, könn­te zwar nach dem Wort­laut der oben genann­ten Vor­schrif­ten die Ent­ste­hung zusätz­li­cher Gebüh­ren für Gericht und Anwäl­te in Betracht kom­men. Eine sol­che Aus­le­gung stün­de aber in Wider­spruch zu dem auf­ge­zeig­ten Sinn und Zweck die­ser Bestim­mun­gen.

Ob etwas Abwei­chen­des gel­ten kann, wenn das Beru­fungs­ur­teil nur hin­sicht­lich eines Teils des Streit­ge­gen­stands mit der Revi­si­on und hin­sicht­lich eines ande­ren Teils aus­schließ­lich mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­foch­ten wird, bedarf kei­ner Ent­schei­dung. Die­se Kon­stel­la­ti­on liegt im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall nicht vor.

Auch ist die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de des Beklag­ten nicht des­we­gen als pri­mä­res Rechts­mit­tel anhän­gig gewor­den, weil das Wider­kla­ge­be­geh­ren von der sei­tens des Beru­fungs­ge­richts aus­ge­spro­che­nen Zulas­sung der Revi­si­on offen­sicht­lich nicht umfasst war. Für die Fra­ge, in wel­chem Umfang das Beru­fungs­ur­teil pri­mär mit der Revi­si­on und nur hilfs­wei­se mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ange­grif­fen wur­de, ist nicht erheb­lich, ob und in wel­chem Umfang die Revi­si­on tat­säch­lich zuge­las­sen war. Maß­geb­lich ist allein, wel­ches Begeh­ren der Revi­si­ons­klä­ger mit sei­nem Rechts­mit­tel gel­tend gemacht hat.

Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Streit­fall haben bei­de Par­tei­en das Beru­fungs­ur­teil pri­mär in vol­lem Umfang mit der Revi­si­on ange­grif­fen. Die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de wur­de mit­hin in ihrem gesam­ten Umfang nur hilfs­wei­se erho­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Dezem­ber 2014 – X ZR 94/​13