Streit­wert­be­mes­sung – und die lau­fen­den Pro­zess­kos­ten

Einem all­ge­mei­nen Grund­satz ent­spre­chend sind die Kos­ten des lau­fen­den Pro­zes­ses bei der Wert­be­mes­sung nicht zu berück­sich­ti­gen, solan­ge die Haupt­sa­che Gegen­stand des Rechts­streits ist (§ 4 ZPO); [1].

Streit­wert­be­mes­sung – und die lau­fen­den Pro­zess­kos­ten

Zu den Pro­zess­kos­ten rech­nen nicht nur die durch die Ein­lei­tung und Füh­rung eines Pro­zes­ses aus­ge­lös­ten Kos­ten, son­dern grund­sätz­lich auch die­je­ni­gen Kos­ten, die der Vor­be­rei­tung eines kon­kret bevor­ste­hen­den Rechts­streits die­nen [2].

Soweit der­ar­ti­ge Kos­ten zu den Kos­ten des Rechts­streits im Sin­ne von § 91 Abs. 1 Satz 1 ZPO gehö­ren, kön­nen sie im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren nach den §§ 103, 104 ZPO, § 11 Abs. 1 Satz 1 RVG gel­tend gemacht wer­den [3]. Sie kön­nen aber auch Gegen­stand eines mate­ri­el­len Kos­ten­er­satz­be­geh­rens sein.

Anspruchs­vor­aus­set­zung des mate­ri­ell­recht­li­chen Kos­ten­er­satz­be­geh­rens ist das Bestehen einer sach­lich­recht­li­chen Anspruchs­grund­la­ge, näm­lich dass der Schuld­ner wegen Ver­trags­ver­let­zung, Ver­zugs oder sons­ti­ger Rechts­ver­let­zung für den adäquat ver­ur­sach­ten Scha­den ein­zu­ste­hen hat.

Wird der mate­ri­ell­recht­li­che Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch neben der Haupt­for­de­rung, aus der er sich her­lei­tet, gel­tend gemacht, ist er von dem Bestehen der Haupt­for­de­rung abhän­gig, so dass es sich bei den zur Durch­set­zung die­ser Haupt­for­de­rung vor­pro­zes­su­al auf­ge­wen­de­ten Geschäfts­ge­büh­ren um Neben­for­de­run­gen im Sin­ne von § 4 ZPO han­delt, solan­ge die Haupt­sa­che Gegen­stand des Rechts­streits ist. Die gel­tend gemach­ten Beträ­ge wir­ken des­halb nicht wert­er­hö­hend, solan­ge das Abhän­gig­keits­ver­hält­nis zur Haupt­for­de­rung besteht . Die­se Berech­nung gilt unab­hän­gig davon, ob die Kos­ten der Haupt­for­de­rung hin­zu­ge­rech­net wer­den oder neben der im Kla­ge­we­ge gel­tend gemach­ten Haupt­for­de­rung Gegen­stand eines eige­nen Antrags sind [4].

Ent­spre­chend lag der Fall auch hier: Der Klä­ger hat in der Kla­ge­schrift vor­ge­tra­gen, der Kla­ge­an­trag zu 2 zie­le auf die Erstat­tung sei­ner außer­ge­richt­li­chen Rechts­an­walts­kos­ten, die die Beklag­te des­halb schul­de, weil sie die begehr­te Ermäch­ti­gung pflicht­wid­rig ver­wei­ge­re. Dar­aus folgt, dass die­se Rechts­ver­fol­gungs­kos­ten nach der Behaup­tung des Klä­gers zur vor­ge­richt­li­chen Durch­set­zung sei­nes Haupt­an­spruchs ent­stan­den und mit­hin gemäß § 4 Abs. 1 ZPO nicht zu berück­sich­ti­gen sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2019 – IV ZB 13/​19

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.1994 – GSZ 1/​94, BGHZ 128, 85[]
  2. BGH, Beschluss vom 20.10.2005 – I ZB 21/​05, NJW-RR 2006, 501 11][]
  3. BGH, Beschluss vom 30.01.2007 – X ZB 7/​06, VersR 2007, 1102 Rn. 6[]
  4. BGH, Beschluss vom 30.01.2007 – X ZB 7/​06, VersR 2007, 1102 Rn. 6, 7 m.w.N.[]