Streit­wert­fest­set­zung – und der Anspruch auf ein fai­res Ver­fah­ren

Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art.20 Abs. 3 GG gewährt den Par­tei­en eines Rechts­streits den Anspruch auf ein fai­res Ver­fah­ren sowie effek­ti­ven Rechts­schutz. Das Gericht muss das Ver­fah­ren so hand­ha­ben, dass die eigent­li­chen mate­ri­el­len Rechts­fra­gen ent­schie­den wer­den und ihnen nicht durch über­trie­be­ne Anfor­de­run­gen an das for­mel­le Recht aus­ge­wi­chen wird 1. Ins­be­son­de­re darf den Pro­zess­par­tei­en der Zugang zu den Gerich­ten nicht in unzu­mut­ba­rer, durch Sach­grün­de nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se erschwert wer­den 2.

Streit­wert­fest­set­zung – und der Anspruch auf ein fai­res Ver­fah­ren

Das Rechts­be­schwer­de­ge­richt kann die Bemes­sung der Beschwer nur dar­auf über­prü­fen, ob das Beru­fungs­ge­richt von sei­nem nach § 3 ZPO eröff­ne­ten Ermes­sen rechts­feh­ler­frei Gebrauch gemacht hat 3.

Gemes­sen hier­an erwies sich im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Fest­set­zung der Beschwer durch das Beru­fungs­ge­richt nicht als rechts­feh­ler­haft. Ent­ge­gen dem Vor­wurf des Rechts­be­schwer­de­füh­rers hat es sich nicht über Klä­ger­vor­trag hin­weg­ge­setzt, son­dern die­sen dahin­ge­hend bewer­tet, dass das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Klä­gers hier nicht auf die Erlan­gung der Scha­dens­er­satz­leis­tung gerich­tet war, weil die­se an die Beklag­te erfol­gen soll, son­dern sich letzt­lich dar­in erschöpft, die Rück­stu­fung im Ver­si­che­rungs­ver­trag zu revi­die­ren. Auch soweit das Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men hat, den Erwä­gun­gen des Klä­gers zu einem "Malus" bei künf­ti­gen Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen oder zu Kulanz­leis­tun­gen kom­me für die Wert­fest­set­zung kei­ne Bedeu­tung zu, weil es sich um unge­wis­se, noch in kei­ner Wei­se kon­kre­ti­sier­te Erwar­tun­gen des Klä­gers han­de­le, hält dies der ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung durch das Rechts­be­schwer­de gericht stand, denn dabei han­delt es sich nicht um sach­wid­ri­ge Erwä­gun­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Sep­tem­ber 2019 – IV ZB 13/​19

  1. vgl. BVerfG NJW 2005, 814, 815 m.w.N.[]
  2. BGH, Beschluss vom 19.01.2011 – IV ZB 29/​10, VersR 2011, 814 Rn. 6[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 15.06.2011 – II ZB 20/​10, NJW 2011, 2974 Rn. 4 m.w.N.[]