Streu­pflicht bei ver­ein­zel­ten Glät­te­stel­len

Sind im Bereich eines Grund­stücks nur ver­ein­zel­te Glät­te­stel­len ohne erkenn­ba­re Anhalts­punk­te für eine ernst­haft dro­hen­de Gefahr vor­han­den, ist nicht von einer all­ge­mei­nen Glät­te­bil­dung aus­zu­ge­hen, die eine Streu­pflicht begrün­den könn­te.

Streu­pflicht bei ver­ein­zel­ten Glät­te­stel­len

Die win­ter­li­che Räum- und Streu­pflicht beruht auf der Ver­ant­wort­lich­keit durch Ver­kehrs­er­öff­nung und setzt eine kon­kre­te Gefah­ren­la­ge, d.h. eine Gefähr­dung durch Glät­te­bil­dung bzw. Schnee­be­lag vor­aus. Grund­vor­aus­set­zung für die Räum- und Streu­pflicht auf Stra­ßen oder Wegen ist das Vor­lie­gen einer all­ge­mei­nen Glät­te und nicht nur das Vor­han­den­sein ein­zel­ner Glät­te­stel­len 1. Ist eine Streu­pflicht gege­ben, rich­ten sich Inhalt und Umfang nach den Umstän­den des Ein­zel­falls 2. Bei öffent­li­chen Stra­ßen und Geh­we­gen sind dabei Art und Wich­tig­keit des Ver­kehrs­wegs eben­so zu berück­sich­ti­gen wie sei­ne Gefähr­lich­keit und die Stär­ke des zu erwar­ten­den Ver­kehrs. Die Räum- und Streu­pflicht besteht also nicht unein­ge­schränkt. Sie steht viel­mehr unter dem Vor­be­halt des Zumut­ba­ren, wobei es auch auf die Leis­tungs­fä­hig­keit des Siche­rungs­pflich­ti­gen ankommt 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen bestehen Räum- und Streu­pflich­ten regel­mä­ßig für die Zeit des nor­ma­len Tages­ver­kehrs, d.h. an Sonn- und Fei­er­ta­gen ab 9.00 Uhr 4. Bei Auf­tre­ten von Glät­te im Lau­fe des Tages ist aller­dings dem Streu­pflich­ti­gen ein ange­mes­se­ner Zeit­raum zuzu­bil­li­gen, um die erfor­der­li­chen Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Glät­te zu tref­fen 5.

Für den Beginn der Streu­pflicht ist dabei vor allem von Bedeu­tung, in wel­chem Maße die erkenn­ba­re Wet­ter­la­ge und die Eigen­hei­ten des Geh­wegs Anlass zur Vor­sor­ge gege­ben haben 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juni 2012 – VI ZR 138/​11

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 21.01.1982 – III ZR 80/​81, VersR 1982, 299, 300; vom 26.02.2009 – III ZR 225/​08, NJW 2009, 3302 Rn. 4 mwN; OLG Jena NZV 2009, 599, 600 mwN; Carl, VersR 2012, 414, 415; Geigel/​Wellner, Der Haft­pflicht­pro­zess, 26. Aufl., Kap. 14 Rn. 147; Staudinger/​Hager, BGB [2009], § 823 Rn. E 128[]
  2. BGH, Urtei­le vom 29.09.1970 – VI ZR 51/​69, aaO; vom 02.10.1984 – VI ZR 125/​83, NJW 1985, 270; BGH, Urteil vom 05.07.1990 – III ZR 217/​89, BGHZ 112, 74, 75; Beschluss vom 20.10.1994 – III ZR 60/​94, VersR 1995, 721, 722[]
  3. BGH, Urteil vom 05.07.1990 – III ZR 217/​89, aaO, 75 f. mwN; vom 15.01.1998 – III ZR 124/​97, VersR 1998, 1373, 1374 f.; Beschluss vom 20.10.1994 – III ZR 60/​94, aaO[]
  4. vgl. OLG Köln, VersR 1997, 506, 507; OLG Jena, aaO; LG Ber­lin, Grund­ei­gen­tum 2010, 272[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 27.11.1984 – VI ZR 49/​83, aaO; BGH, Beschlüs­se vom 20.12.1984 – III ZR 54/​84, VersR 1985, 189; vom 27.04.1987 – III ZR 123/​86, VersR 1987, 989[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 29.09.1970 – VI ZR 51/​69, aaO[]