Stu­fen­kla­ge: erst Mie­te, dann Nut­zungs­ent­schä­di­gung

Ver­langt der Klä­ger im Wege der Stu­fen­kla­ge Zah­lung von Mie­ten, liegt in dem spä­te­ren Hilfs­an­trag auf Nut­zungs­ent­schä­di­gung für den glei­chen Zeit­raum auch dann kei­ne Kla­ge­än­de­rung, wenn der Haupt­an­trag noch nicht bezif­fert war.

Stu­fen­kla­ge: erst Mie­te, dann Nut­zungs­ent­schä­di­gung

Der Begriff der Kla­ge­än­de­rung in § 533 ZPO ent­spricht dem­je­ni­gen in §§ 263, 264 ZPO. Wird nach­träg­lich, also nach Rechts­hän­gig­keit der Kla­ge, ein neu­er pro­zes­sua­ler Anspruch unbe­dingt oder hilfs­wei­se gel­tend gemacht, liegt in der Regel eine Kla­ge­än­de­rung im Sin­ne von § 263 ZPO vor.

Der Klä­ger hat den im Haupt­an­trag im Wege der Stu­fen­kla­ge gel­tend gemach­ten Anspruch auf Mie­te aus einem zwi­schen ihm und dem Beklag­ten geschlos­se­nen Miet­ver­trag in Ver­bin­dung mit der Über­las­sung der Mieträu­me her­ge­lei­tet, den Anspruch auf Nut­zungs­ent­schä­di­gung hin­ge­gen aus § 812 BGB. Dar­in liegt jedoch noch kei­ne Kla­ge­än­de­rung. Mit der Kla­ge wird nicht ein bestimm­ter mate­ri­ell­recht­li­cher Anspruch gel­tend gemacht. Gegen­stand des Rechts­streits ist viel­mehr der als Rechts­schutz­be­geh­ren oder Rechts­fol­gen­be­haup­tung auf­ge­fass­te eigen­stän­di­ge pro­zes­sua­le Anspruch, der sich aus Kla­ge­an­trag und Kla­ge­grund – dem Lebens­sach­ver­halt, aus dem der Klä­ger die begehr­te Rechts­fol­ge her­lei­tet – zusam­men­setzt 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass ein Klä­ger, der eine ver­trag­li­che Ver­gü­tung for­dert, sich nach­träg­lich aber hilfs­wei­se auf gesetz­li­che Anspruchs­grund­la­gen (Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag, unge­recht­fer­tig­te Berei­che­rung) beruft, kei­ne Kla­ge­än­de­rung vor­nimmt 2.

Dass der Klä­ger als Haupt­an­trag bis­her nur den Aus­kunfts­an­spruch gestellt hat­te, führt eben­falls nicht dazu, dass der Hilfs­an­trag als Kla­ge­än­de­rung anzu­se­hen wäre. Im Fal­le einer Stu­fen­kla­ge gemäß § 254 ZPO wer­den sämt­li­che Ansprü­che rechts­hän­gig, auch der noch unbe­stimm­te Zah­lungs­an­spruch 3. Der auf Zah­lung gerich­te­te Hilfs­an­trag blieb also, was den Grund des Anspruchs im pro­zes­sua­len Sin­ne angeht, im Rah­men der schon rechts­hän­gi­gen Ansprü­che, aus denen sich die Stu­fen­kla­ge zusam­men­setz­te.

Der Zah­lungs­an­spruch, der Teil der Stu­fen­kla­ge war, war aller­dings noch nicht bezif­fert wor­den, wäh­rend der Hilfs­an­trag auf Zah­lung einer bestimm­ten Geld­sum­me gerich­tet war. Gemäß § 264 Nr. 2 ZPO ist es jedoch nicht als Kla­ge­än­de­rung anzu­se­hen, wenn ohne Ände­rung des Kla­ge­grun­des der Kla­ge­an­trag in der Haupt­sa­che erwei­tert wird. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 4 fällt der Über­gang von einem nicht bezif­fer­ten Fest­stel­lungs­an­trag zu einem bezif­fer­ten Zah­lungs­an­trag unter § 264 Nr. 2 ZPO. Wird zunächst eine Stu­fen­kla­ge erho­ben und der Aus­kunfts­an­trag gestellt, stellt der Klä­ger dann aber, ohne die Beschei­dung des Aus­kunfts­an­spruchs abzu­war­ten, sogleich den Zah­lungs­an­trag, ist die­ser Antrag eben­falls nach § 264 Nr. 2 ZPO zuläs­sig. Um eine Kla­ge­än­de­rung han­delt es sich nicht 5. Für einen neben einer Stu­fen­kla­ge hilfs­wei­se gel­tend gemach­ten, auf dem näm­li­chen Kla­ge­grund beru­hen­den Zah­lungs­an­spruch kann nichts ande­res gel­ten, auch dann nicht, wenn sich die Stu­fen­kla­ge noch im Sta­di­um des Aus­kunfts­an­spruchs befin­det und der Zah­lungs­an­spruch des­halb noch nicht bezif­fert war.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­sä, umnis­ur­teil vom 13. Novem­ber 2014 – IX ZR 267/​13

  1. vgl. etwa BGH, Urteil vom 25.10.2012 – IX ZR 207/​11, WM 2012, 2242 Rn. 14; vom 21.02.2013 – IX ZR 52/​10, WM 2013, 763 Rn. 17; vom 25.04.2013 – IX ZR 49/​12, WM 2013, 1514 Rn. 13[]
  2. BGH, Urteil vom 18.07.2002 – III ZR 287/​01, NVwZ 2002, 1535, 1536[]
  3. BGH, Beschluss vom 18.01.1995 – XII ARZ 36/​94, NJW-RR 1995, 513; Zöller/​Greger, ZPO, 30. Aufl., § 254 Rn. 1; vgl. auch BGH, Urteil vom 03.07.2003 – III ZR 109/​02, WM 2003, 1522, 1523[]
  4. BGH, Urteil vom 04.10.1984 – VII ZR 162/​83, NJW 1985, 1784; vom 12.05.1992 – VI ZR 118/​91, NJW 1992, 2296; eben­so Zöller/​Greger, aaO § 264 Rn. 3b; § 256 Rn. 15c[]
  5. BGH, Urteil vom 08.11.1978 – VIII ZR 199/​77, NJW 1979, 925, 926; vom 21.02.1991 – III ZR 169/​88, WM 1991, 1319; vgl. auch BGH, Urteil vom 15.11.2000 – IV ZR 274/​99, WM 2001, 273, 274 zum Über­ge­hen der zwei­ten Stu­fe einer Stu­fen­kla­ge[]