Stun­den­satz: 300,- € – Abrech­nung im 15-Minu­ten-Takt

Ein ver­ein­bar­ter Stun­den­sat­zes von 300, 00 EUR zzgl. MwSt. für die anwalt­li­che Tätig­keit ist nicht unan­ge­mes­sen hoch und folg­lich nicht gemäß § 3 a Abs. 2 RVG her­ab­zu­set­zen.

Stun­den­satz: 300,- € – Abrech­nung im 15-Minu­ten-Takt

Die Abrech­nung eines anwalt­li­chen Zeitho­no­rars im 15-Minu­ten-Takt erfor­dert eine ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung.

Der in einer ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zum Aus­druck gebrach­te über­ein­stim­men­de Wil­le der Ver­trags­par­tei­en lässt im Grund­satz auf einen sach­ge­rech­ten Inter­es­sen­aus­gleich schlie­ßen, der grund­sätz­lich zu respek­tie­ren ist. Ein sol­cher­ma­ßen sach­ge­rech­ter Inter­es­sen­aus­gleich bedarf weder aus Grün­den des Man­dan­ten­schut­zes noch zur Wah­rung des Ver­trau­ens in die Inte­gri­tät der Anwalt­schaft der Abän­de­rung. Die Über­schrei­tung der gesetz­li­chen Gebüh­ren um einen bestimm­ten Fak­tor (hier: das 8fache) ist zur Bestim­mung der Unan­ge­mes­sen­heit zwar nicht schlecht­hin unge­eig­net, darf aber, um den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit im enge­ren Sin­ne zu wah­ren, nicht allein maß­geb­lich sein 1.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Fra­ge der Unan­ge­mes­sen­heit unter dem all­ge­mei­nen Gesichts­punkt des § 242 BGB zu beur­tei­len, also danach, ob sich das Fest­hal­ten an der getrof­fe­nen Ver­ein­ba­rung unter Berück­sich­ti­gung der gesam­ten Umstän­de des Ein­zel­falls als unzu­mut­bar und als ein uner­träg­li­ches Ergeb­nis dar­stellt. Der Rich­ter ist jedoch nicht befugt, die ver­trag­lich aus­be­dun­ge­ne Leis­tung durch die bil­li­ge oder ange­mes­se­ne zu erset­zen. Folg­lich ist nicht dar­auf abzu­stel­len, wel­ches Hono­rar im gege­be­nen Fall als ange­mes­sen zu erach­ten ist, son­dern dar­auf, ob die zwi­schen den Par­tei­en getrof­fe­ne Hono­rar­ver­ein­ba­rung nach Sach­la­ge als unan­ge­mes­sen hoch ein­zu­stu­fen ist. Für eine Her­ab­set­zung ist nur Raum, wenn es unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de uner­träg­lich und mit den Grund­sät­zen des § 242 BGB unver­ein­bar wäre, den Man­dan­ten an sei­nem Hono­rar­ver­spre­chen fest­zu­hal­ten, und ein kras­ses, evi­den­tes Miss­ver­hält­nis zwi­schen der anwalt­li­chen Leis­tung und ihrer Ver­gü­tung gege­ben wäre 2. Das Land­ge­richt hat die­sen Beur­tei­lungs­maß­stab nicht ver­kannt und zutref­fend aus­ge­führt, dass nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung als zu berück­sich­ti­gen­de Umstän­de die Schwie­rig­keit und der Umfang der Sache, ihre Bedeu­tung für den Auf­trag­ge­ber und das Ziel, das der Auf­trag­ge­ber mit dem Auf­trag anstrebt, in Betracht kom­men.

Zu berück­sich­ti­gen sind in die­sem Zusam­men­hang auch die rela­tiv nied­ri­gen Streit­wer­te in Fami­li­en­sa­chen. Der BGH sieht bei­spiels­wei­se bei mitt­le­ren Streit­wer­ten die Gren­ze zur Sit­ten­wid­rig­keit erst bei einem 9 bis 10-fachen der gesetz­li­chen Gebüh­ren als über­schrit­ten an 3. In Fami­li­en­sa­chen sind die Ver­fah­rens­wer­te aus sozi­al­po­li­ti­schen Grün­den rela­tiv gering; den Betei­lig­ten soll gera­de in den für sie beson­ders wich­ti­gen fami­li­en­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten der Zugang zu den Gerich­ten nicht erschwert wer­den. Der Ver­fah­rens­wert in Sor­ge­rechts­ver­fah­ren beläuft sich auf 3.000, 00 EUR; bedenkt man, dass allein die münd­li­che Ver­hand­lung in einem Sor­ge­rechts­ver­fah­ren meh­re­re Stun­den dau­ern kann, kann mit den gesetz­li­chen Gebüh­ren kei­ne Kos­ten­de­ckung erzielt wer­den. Anwäl­te sind daher häu­fig auf eine "Quer­sub­ven­tio­nie­rung" ange­wie­sen.

Fäl­lig­keit – Anfor­de­run­gen an die Berech­nung

Ein ver­ein­bar­tes und fäl­li­ges Zeitho­no­rar ist erst dann ein­for­der­bar, wenn dem Man­dan­ten eine schrift­li­che Berech­nung mit­ge­teilt wor­den ist, die den Anfor­de­run­gen für die Abrech­nung gesetz­li­cher Ver­gü­tun­gen ent­spricht und knap­pe Leis­tungs­be­schrei­bun­gen ent­hält, die dem Man­dan­ten die Prü­fung der anwalt­li­chen Tätig­keit ermög­li­chen 4. Bei der Ver­ein­ba­rung eines Zeitho­no­rars muss die nahe lie­gen­de Gefahr ins Auge gefasst wer­den, dass dem Man­dan­ten der tat­säch­li­che zeit­li­che Auf­wand sei­nes Ver­tei­di­gers ver­bor­gen bleibt und ein unred­li­cher Anwalt des­halb ihm nicht zuste­hen­de Zah­lun­gen bean­sprucht. Des­halb erfor­dert eine schlüs­si­ge Dar­le­gung der gel­tend gemach­ten Stun­den, dass über pau­scha­le Anga­ben hin­aus die wäh­rend des abge­rech­ne­ten Zeit­in­ter­valls getrof­fe­nen Maß­nah­men kon­kret und in nach­prüf­ba­rer Wei­se dar­ge­legt wer­den. Eine nähe­re Sub­stan­ti­ie­rung ist unver­zicht­bar, weil die für eine Ver­tei­di­gung auf­ge­wen­de­te Arbeits­zeit einer tat­säch­li­chen Kon­trol­le nicht oder allen­falls in gerin­gem Rah­men zugäng­lich ist. Nicht genü­gend sind hin­ge­gen all­ge­mei­ne Hin­wei­se über Akten­be­ar­bei­tung, Lite­ra­tur­re­cher­che und Tele­fon­ge­sprä­che, weil sie jeden­falls bei wie­der­hol­ter Ver­wen­dung inhalts­leer sind und ohne die Mög­lich­keit einer wirk­li­chen Kon­trol­le gera­de­zu belie­big aus­ge­wei­tet wer­den kön­nen 5. Die­se von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung für die Abrech­nung von Tätig­kei­ten eines Straf­ver­tei­di­gers ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze gel­ten im glei­chen Maße für die zivil­recht­li­che anwalt­li­che Tätig­keit.

Abrech­nung im 15-Minu­ten-Takt

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he ist es jedoch nicht zuläs­sig, die vom Rechts­an­walt erbrach­ten Tätig­kei­ten im 15-Minu­ten-Takt auch dann abzu­rech­nen, wenn der tat­säch­li­che Zeit­auf­wand gerin­ger gewe­sen ist.

Die Rechts­fra­ge, ob eine ent­spre­chen­de Klau­sel gegen § 307 BGB ver­stößt 6 oder nur im Ein­zel­fall ihre Aus­nut­zung sit­ten­wid­rig sein kann 7, braucht nicht beant­wor­tet zu wer­den. Denn hier ist es so, dass die Ver­gü­tungs­ver­ein­ba­rung kei­ne der­ar­ti­ge Abrech­nungs­klau­sel ent­hält. Es fin­det sich in die­ser Ver­ein­ba­rung kei­ner­lei Hin­weis dar­auf, dass "ange­bro­che­ne" Vier­tel­stun­den stets mit 15 Minu­ten berech­net wer­den. Die Par­tei­en haben folg­lich einen der­ar­ti­gen Abrech­nungs­mo­dus nicht ver­ein­bart, so dass die Beklag­te in die­ser Form auch nicht abrech­nen kann.

Es han­delt sich nicht im Sin­ne des § 632 Abs. 2 BGB um eine übli­che Form der Abrech­nung, was sich bereits dar­an zeigt, dass die­se Form der Abrech­nung umstrit­ten und von einem Teil der Recht­spre­chung als unzu­läs­sig erach­tet wor­den ist. Dass die Ver­ein­ba­rung eines Stun­den­tak­tes nach Auf­fas­sung eines Teils der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung nicht sit­ten­wid­rig ist, bedeu­tet nicht, dass die­se Form der Abrech­nung auch üblich und all­ge­mein aner­kannt ist.

Die Man­dan­tin konn­te nicht damit rech­nen, dass der Rechts­an­walt jede ange­fan­ge­ne Vier­tel­stun­de voll berech­net und so qua­si jeder kur­ze Tele­fon­an­ruf sie 75, 00 EUR zuzüg­lich Umsatz­steu­er kos­tet.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 28. August 2014 – 2 U 2/​14

  1. BVerfG NJW-RR 2010, 259 ff.[]
  2. BGH, Urteil vom 21.10.2010, NJW 2011, 63 ff. Tz. 15[]
  3. BGH NJW 2003, 3486[]
  4. OLG Düs­sel­dorf Fam­RZ 2010, 1184[]
  5. BGH MDR 2010, 529 Tz. 77, 79[]
  6. so OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 18.02.2010 – 24 U 183/​05, Fam­RZ 2010, 1184[]
  7. OLG Schles­wig, Urteil vom 19.02.2009 – 11 U 151/​07, AnwBl.2009, 554[]