Sturz beim Rei­ten – durch eine Hun­de­pfei­fe

Die Pfif­fe mit der Hun­de­pfei­fe kön­nen ein ange­mes­se­nes und nahe­lie­gen­de Reak­ti­on der Hun­de­hal­te­rin auf das Ver­hal­ten eines frei­lau­fen­den Hun­des ein. Kommt es durch die Pfif­fe zu einem Durch­ge­hen von Pfer­de und im wei­te­ren Ver­lauf zu einem Unfall, haf­tet die Hun­de­hal­te­rin nicht für die Fol­gen des Unfalls, da das Durch­ge­hen der Pfer­de nicht durch den Hund ver­ur­sacht wur­de.

Sturz beim Rei­ten – durch eine Hun­de­pfei­fe

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge zwei­er Rei­ter auf Scha­dens­er­satz abge­wie­sen und damit gleich­zei­tig das erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts Karls­ru­he abge­än­dert. Der Klä­ger und sei­ne Beglei­te­rin wur­den bei einem Aus­ritt in der Nähe von Jöh­lin­gen im August 2014 von ihren Pfer­den abge­wor­fen und erlit­ten Ver­let­zun­gen. Die Beklag­te führ­te ihren Hund aus. Der frei­lau­fen­de Hund folg­te den Pfer­den des Klä­gers und sei­ner Beglei­te­rin. Die Beklag­te pfiff zunächst ein­mal, dann noch min­des­tens ein wei­te­res Mal mit der Hun­de­pfei­fe, um den Hund zur Umkehr zu bewe­gen. Dies gelang, aller­dings gin­gen die Pfer­de des Klä­gers und sei­ner Beglei­te­rin durch und war­fen bei­de Rei­ter ab. Der Klä­ger behaup­tet, die Pfer­de hät­ten wegen der Pfif­fe der Beklag­ten und wegen des her­an­na­hen­den Hun­des der Beklag­ten gescheut. Die Beklag­te haf­te daher für die durch den Sturz des Klä­gers und sei­ner Beglei­te­rin ver­ur­sach­ten Ver­let­zun­gen. Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Beklag­ten bezahl­te 1.000 EUR Schmer­zens­geld an den Klä­ger. Die­ser for­dert mit der Kla­ge wei­te­re 4.000 EUR Schmer­zens­geld sowie die Fest­stel­lung, dass die Beklag­te für alle Unfall­fol­gen haf­te.

Das Land­ge­richt Karls­ru­he nahm an, dass die Beklag­te mit einer Quo­te von 30 Pro­zent für die Unfall­fol­gen haf­tet. Die Beklag­te hät­te nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts nach dem ers­ten Pfiff mit der Hun­de­pfei­fe kei­ne wei­te­ren Pfif­fe abge­ben dür­fen. Die Hun­de­hal­te­rin hät­te erken­nen kön­nen und müs­sen, dass die Pfer­de auf ihre wei­te­ren Pfif­fe reagie­ren wür­den. Gegen die­ses Urteil haben bei­de Par­tei­en Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he aus­ge­führt, dass die Pfif­fe mit der Hun­de­pfei­fe als ange­mes­se­ne und nahe­lie­gen­de Reak­ti­on der Beklag­ten auf das Ver­hal­ten des Hun­des ein­zu­stu­fen sei­en. Es konn­te nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die Hun­de­hal­te­rin eine Schreck­re­ak­ti­on der Pfer­de auf die Pfif­fe wahr­ge­nom­men hat.

Außer­dem haf­tet die Beklag­te auch nicht als Hun­de­hal­te­rin für die Fol­gen des Unfalls. Der Klä­ger konn­te nicht bewei­sen, dass das Durch­ge­hen der Pfer­de durch den Hund ver­ur­sacht wur­de. Grund für die Reak­ti­on der Pfer­de waren viel­mehr – auch nach Dar­stel­lung des Klä­gers selbst – die Pfif­fe der beklag­ten Hun­de­hal­te­rin, die in der kon­kre­ten Situa­ti­on aber sozi­al­ad­äquat waren.

Aus die­sen Grün­den ist die Kla­ge abge­wie­sen wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 3. August 2017 – 7 U 200/​16