Sui­zid­ge­fahr im Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren

Die Gefähr­dung des unter den Schutz des Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG ste­hen­den Lebens des Schuld­ners durch die Ver­stei­ge­rung oder die Fort­set­zung des Ver­fah­rens ist ein im Zuschlags­be­schwer­de­ver­fah­ren nach § 100 Abs. 1, 3 ZVG i.V.m. § 83 Nr. 6 ZVG von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen­der Umstand, auch wenn – wie hier – ein mit der Sui­zid­ge­fahr begrün­de­ter Voll­stre­ckungs­schutz­an­trag nach § 765a ZPO erst im Beschwer­de­ver­fah­ren gestellt wird 1.

Sui­zid­ge­fahr im Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren

Eine Auf­he­bung oder Ein­stel­lung der Zwangs­voll­stre­ckung wegen einer Sui­zid­ge­fahr gemäß § 765a ZPO kommt aller­dings nur dann in Betracht, wenn mit der Durch­füh­rung der Zwangs­voll­stre­ckung eine kon­kre­te Gefahr für Leben und Gesund­heit des Schuld­ners oder eines nahen Ange­hö­ri­gen ver­bun­den ist 2.

Ist – wie hier – der Zuschlag bereits erteilt wor­den, kommt es für die Ent­schei­dung über die Zuschlags­be­schwer­de dar­auf an, ob eine Sui­zid­ge­fahr für den Fall eines end­gül­ti­gen Eigen­tums­ver­lusts zu beja­hen ist 3. Der Tatrich­ter hat dar­auf bezo­gen zu wür­di­gen, ob die ernst­haf­te Befürch­tung der Selbst­tö­tung besteht. Sei­ne damit ein­her­ge­hen­de Pro­gno­se­ent­schei­dung hat er nicht zuletzt mit Blick auf den hohen Rang, der dem Schutz­gut Leben zukommt, nach­voll­zieh­bar zu begrün­den ((BGH, Beschluss vom 30.09.2010 – V ZR 199/​09).

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Okto­ber 2010 – V ZB 82/​10

  1. BGH, Beschluss vom 24.11.2005 – V ZB 99/​05, NJW 2006, 505, 507; BVerfG, NJW 2007, 2910, 2911[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.01.2010 – I ZB 34/​09, WuM 2010, 250, 251; und vom 15.07.2010 – V ZB 1/​10, WuM 2010, 587, 588[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 24.11.2005 – V ZB 99/​05, NJW 2006, 505, 507; und vom 15.07.2010 – V ZB 1/​10, aaO[]