Tat­be­stands­be­rich­ti­gung im Beru­fungs­ur­teil

Eine Unrich­tig­keit tat­be­stand­li­cher Fest­stel­lun­gen im Beru­fungs­ur­teil kann in der Revi­si­ons­in­stanz mit einer Ver­fah­rens­rüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO gel­tend gemacht wer­den, soweit eine Berich­ti­gung des Tat­be­stan­des nach § 320 ZPO bean­tragt wor­den ist und sich aus der den Berich­ti­gungs­an­trag zurück­wei­sen­den Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts ergibt, dass sei­ne tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen wider­sprüch­lich sind.

Tat­be­stands­be­rich­ti­gung im Beru­fungs­ur­teil

Der Beur­tei­lung des Revi­si­ons­ge­richts unter­liegt gemäß § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO nur das­je­ni­ge Par­tei­vor­brin­gen, das aus dem Beru­fungs­ur­teil oder dem Sit­zungs­pro­to­koll ersicht­lich ist. Die tat­be­stand­li­che Fest­stel­lung im Beru­fungs­ur­teil lie­fert Beweis für das münd­li­che Par­tei­vor­brin­gen (§ 314 ZPO); eine Unrich­tig­keit die­ser Fest­stel­lung kann grund­sätz­lich nur im Berich­ti­gungs­ver­fah­ren (§ 320 ZPO) gel­tend gemacht und gege­be­nen­falls beho­ben wer­den 1.

Ist eine Berich­ti­gung des Tat­be­stands nach § 320 ZPO bean­tragt wor­den, kann eine Unrich­tig­keit tat­be­stand­li­cher Fest­stel­lun­gen im Beru­fungs­ur­teil, aber auch in der Revi­si­ons­in­stanz mit einer Ver­fah­rens­rüge nach § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b ZPO gel­tend gemacht wer­den, soweit sich aus der den Berich­ti­gungs­an­trag zurück­wei­sen­den Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts ergibt, dass sei­ne tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen wider­sprüch­lich sind.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist aner­kannt, dass der Tat­be­stand eines Beru­fungs­ur­teils kei­nen Beweis für das Par­tei­vor­brin­gen lie­fert, wenn er wider­sprüch­lich ist 2. Ein sol­cher Wider­spruch kann sich aus Unter­schie­den zwi­schen den tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen und einem kon­kret in Bezug genom­me­nen schrift­sätz­li­chen Vor­brin­gen einer Par­tei erge­ben 3. Dass ein Wider­spruch zwi­schen den tat­be­stand­li­chen Fest­stel­lun­gen und dem Par­tei­vor­brin­gen besteht, kann aber auch aus der Begrün­dung der Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts fol­gen, mit der es den Berich­ti­gungs­an­trag einer Par­tei zurück­weist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Dezem­ber 2010 – I ZR 161/​08

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.01.2007 – II ZR 334/​04, NJW-RR 2007, 1434 Rn. 11; und vom 01.12.2008 – II ZR 102/​07, BGHZ 179, 71 Rn. 16; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 28. Aufl., § 314 Rn. 3[]
  2. BGH, Urtei­le vom 09.03.1995 – III ZR 44/​94, NJW-RR 1995, 1058, 1060; vom 19.11.1998 – IX ZR 116/​97, NJW 1999, 641, 642; und vom 14.01.2010 – I ZR 4/​08[]
  3. BGH, Urtei­le vom 14.10.1988 – V ZR 73/​87, NJW 1989, 898; und vom 22.09.2010 – VIII ZR 285/​09, NJW 2011, 143 Rn. 58[]