Tat­säch­li­ches Vor­brin­gen einer Par­tei – und die Beweis­kraft des Tat­be­stands

Das tat­säch­li­che Vor­brin­gen einer Par­tei ist in ers­ter Linie dem Tat­be­stand des Urteils zu ent­neh­men (§ 314 ZPO). Dabei ist aner­kannt, dass vom Gel­tungs­be­reich des § 314 ZPO auch die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen erfasst wer­den, die in den Ent­schei­dungs­grün­den ent­hal­ten sind.

Tat­säch­li­ches Vor­brin­gen einer Par­tei – und die Beweis­kraft des Tat­be­stands

Dazu gehört auch die Fra­ge, ob eine bestimm­te Behaup­tung bestrit­ten ist oder nicht. Die Beweis­kraft des Tat­be­stands und damit die Bin­dungs­wir­kung für das Revi­si­ons­ge­richt ent­fällt aber, soweit die Fest­stel­lun­gen Unklar­hei­ten ent­hal­ten, Lücken auf­wei­sen oder wider­sprüch­lich sind [1].

Ein sol­cher Wider­spruch ist – auch ohne Ver­fah­rens­rüge iSv. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b, § 559 Abs. 1 Satz 2 ZPO – von Amts wegen zu berück­sich­ti­gen.

Beruht die recht­li­che Wür­di­gung des Beru­fungs­ge­richts auf Fest­stel­lun­gen, die dem Revi­si­ons­ge­richt kei­ne hin­rei­chend siche­re Beur­tei­lung des Par­tei­vor­brin­gens erlau­ben, ist das Beru­fungs­ur­teil schon wegen die­ses Man­gels auf­zu­he­ben [2].

So auch in dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall: Der Tat­be­stand des ange­foch­te­nen Urteils gibt strei­ti­ges Vor­brin­gen der Beklag­ten wie­der, obgleich das Urteil bei Säum­nis der Beklag­ten ergan­gen ist. Es igno­riert die als Fol­ge der Säum­nis anzu­wen­den­de Geständ­nis­fik­ti­on (§ 539 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 21. Dezem­ber 2016 – 5 AZR 266/​16

  1. BAG 18.09.2003 – 2 AZR 498/​02, zu B I 1 der Grün­de; 19.06.2007 – 2 AZR 599/​06, Rn. 14; 13.04.2010 – 9 AZR 113/​09, Rn. 16; BGH 9.07.1993 – V ZR 262/​91, zu III der Grün­de[]
  2. BAG 18.09.2003 – 2 AZR 498/​02, zu B I 1 der Grün­de; 13.04.2010 – 9 AZR 113/​09, Rn. 16; 21.08.2013 – 5 AZR 581/​11, Rn. 54; BGH 9.07.1993 – V ZR 262/​91, zu III der Grün­de[]