Teil­leis­tungs­kla­ge – und die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags

Nach § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss der Kla­ge­an­trag hin­rei­chend bestimmt sein. Dabei ist der Streit­ge­gen­stand so genau zu bezeich­nen, dass der Rah­men der gericht­li­chen Ent­schei­dungs­be­fug­nis (§ 308 ZPO) kei­nem Zwei­fel unter­liegt und die eigent­li­che Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung gemäß § 322 ZPO zwi­schen den Par­tei­en ent­schie­den wer­den kann.

Teil­leis­tungs­kla­ge – und die hin­rei­chen­de Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags

Bei einer Teil­leis­tungs­kla­ge, mit der meh­re­re selbst­stän­di­ge Ansprü­che gel­tend gemacht wer­den, bedarf es einer nähe­ren Spe­zi­fi­zie­rung, wie sich der ein­ge­klag­te Betrag auf die ein­zel­nen Ansprü­che ver­tei­len soll und in wel­cher Rei­hen­fol­ge die­se Ansprü­che bis zu der gel­tend gemach­ten Gesamt­sum­me zur Ent­schei­dung des Gerichts gestellt wer­den sol­len.

Andern­falls ist der Streit­ge­gen­stand nicht hin­rei­chend bestimmt und die Kla­ge ist unzu­läs­sig 1. Dies gilt aller­dings nicht für blo­ße unselbst­stän­di­ge Rech­nungs­pos­ten 2.

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt beur­teil­te Fall hat die Klä­ge­rin die inso­weit erfor­der­li­che Spe­zi­fi­zie­rung vor­ge­nom­men: Sie hat aus­drück­lich bean­tragt, den Beklag­ten zu ver­ur­tei­len, an sie 500.000, 00 € aus den im Ein­zel­nen dar­ge­stell­ten 42 Geschäfts­vor­gän­gen in der Abfol­ge ihrer Dar­stel­lung zu zah­len. Dass sie die Anga­be, wie sich der ein­ge­klag­te Betrag auf die ein­zel­nen Geschäfts­vor­gän­ge ver­tei­len soll bzw. in wel­cher Rei­hen­fol­ge die aus die­sen Geschäfts­vor­gän­gen fol­gen­den Ansprü­che bis zu der gel­tend gemach­ten Gesamt­sum­me zur Ent­schei­dung des Gerichts gestellt wer­den, erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt gemacht hat, führt zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Die Klä­ge­rin konn­te etwai­ge Män­gel, die die Zuläs­sig­keit der Kla­ge berüh­ren, noch bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Beru­fungs­ge­richt behe­ben 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 18. Febru­ar 2016 – 8 AZR 426/​14

  1. vgl. BAG 24.09.2014 – 5 AZR 593/​12, Rn. 18, BAGE 149, 169; 28.05.2013 – 3 AZR 103/​12, Rn. 11; 11.11.2009 – 7 AZR 387/​08, Rn. 11; BGH 9.01.2013 – VIII ZR 94/​12, Rn. 12 f.; 17.07.2008 – IX ZR 96/​06, Rn. 7 mwN; 12.01.2006 – III ZR 138/​05, Rn. 9 mwN[]
  2. vgl. BGH 6.05.2014 – II ZR 217/​13, Rn. 15; 13.03.2003 – VII ZR 418/​01, zu II 3 der Grün­de; 19.06.2000 – II ZR 319/​98, zu C I 2 b der Grün­de[]
  3. vgl. etwa BGH 22.11.2011 – VIII ZB 30/​11, Rn. 12; 18.09.1986 – III ZR 124/​85, zu I 2 b der Grün­de; 15.03.1956 – II ZB 19/​55BGHZ 20, 219[]