Tei­lungs­ver­stei­ge­rung – und die Hin­ter­le­gung des Über­erlö­ses

Wird der Über­erlös aus der Zwangs­ver­stei­ge­rung eines Grund­stücks hin­ter­legt, weil die Gemein­schaf­ter wäh­rend des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens kei­ne Eini­gung über des­sen Ver­tei­lung erzie­len konn­ten, setzt sich die Bruch­teils­ge­mein­schaft an der For­de­rung gegen die Hin­ter­le­gungs­stel­le fort.

Tei­lungs­ver­stei­ge­rung – und die Hin­ter­le­gung des Über­erlö­ses

Allein die Hin­ter­le­gung des Über­erlö­ses nach § 117 Abs. 2 Satz 3 ZVG führt noch nicht zur Auf­he­bung der Bruch­teils­ge­mein­schaft 1.

Die Auf­he­bung einer Bruch­teils­ge­mein­schaft an einem Grund­stück, das nicht in Natur teil­bar ist nach § 753 Abs. 1 Satz 1 BGB, erfolgt durch Zwangs­ver­stei­ge­rung und anschlie­ßen­de Tei­lung eines nach Abzug der Ver­stei­ge­rungs­kos­ten (§§ 180 Abs. 1, 109 Abs. 1 ZVG) und Berich­ti­gung der gemein­schaft­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten (§§ 755, 756 BGB) ver­blei­ben­den Über­schus­ses zwi­schen den Gemein­schaf­tern ent­spre­chend ihren Antei­len (§ 752 Satz 1 BGB). Da sich die an dem Grund­stück bestehen­de Bruch­teils­ge­mein­schaft mit dem Zuschlag im Tei­lungs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren im Wege der ding­li­chen Sur­ro­ga­ti­on an dem Ver­stei­ge­rungs­er­lös fort­setzt, steht den Mit­ei­gen­tü­mern des Grund­stücks zur Zeit des Zuschlags die For­de­rung auf Zah­lung des Ver­stei­ge­rungs­er­lö­ses gemein­schaft­lich in ihrem bis­he­ri­gen Rechts­ver­hält­nis zu. Bestand wie hier zuvor eine Bruch­teils­ge­mein­schaft an dem Grund­stück, besteht an der For­de­rung nun­mehr eine Mit­be­rech­ti­gung nach § 432 BGB, da jeder Teil­ha­ber vom Erste­her nur Zah­lung an alle Teil­ha­ber gemein­sam ver­lan­gen kann. Dies gilt auch dann, wenn ein Mit­ei­gen­tü­mer das Grund­stück selbst erstei­gert 2.

Wird der Erlös von dem Erstei­ge­rer hin­ter­legt, besteht die Mit­be­rech­ti­gung der frü­he­ren Grund­stücks­ei­gen­tü­mer an der gegen die Hin­ter­le­gungs­stel­le gerich­te­ten For­de­rung auf Aus­zah­lung eines mög­li­chen Über­erlö­ses. Aller­dings bedarf es in die­sem Fall zur Tei­lung nicht der gemein­sa­men Ein­zie­hung der For­de­rung gegen die Hin­ter­le­gungs­stel­le und der anschlie­ßen­den Aus­ein­an­der­set­zung des her­aus­ge­ge­be­nen Erlö­ses. Viel­mehr kann jeder Teil­ha­ber von den ande­ren die hier nach § 16 Abs. 2 NHintG erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung in die Her­aus­ga­be des auf ihn ent­fal­len­den Teils des hin­ter­leg­ten Erlö­ses ver­lan­gen, wenn aus dem hin­ter­leg­ten Betrag kei­ne Ver­bind­lich­kei­ten mehr zu berich­ti­gen sind 3.

Die zwi­schen den Betei­lig­ten bestehen­de Bruch­teils­ge­mein­schaft nicht durch die Hin­ter­le­gung des Ver­stei­ge­rungs­er­lö­ses auf­ge­ho­ben wor­den.

Nach dem kla­ren Wort­laut des § 753 Abs. 1 Satz 1 BGB setzt die Auf­he­bung einer an einem Grund­stück bestehen­den Gemein­schaft einen zwei­ak­ti­gen Tat­be­stand vor­aus, näm­lich zum einen die Zwangs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks und zum ande­ren die Tei­lung des Erlö­ses 4. Der Zweck der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung erschöpft sich dar­in, an die Stel­le des nicht teil­ba­ren Gegen­stands der Ver­stei­ge­rung eine Geld­sum­me tre­ten zu las­sen, die ver­teilt wer­den kann 5. Die Tei­lung des Erlös­über­schus­ses (oder hier der For­de­rung gegen die Hin­ter­le­gungs­stel­le) unter den Berech­tig­ten ist jeden­falls dann, wenn die­se sich dar­über nicht einig sind, nicht mehr Gegen­stand des Ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens. Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung erfolgt zwar zum Zwe­cke der Auf­he­bung der Gemein­schaft (§ 180 Abs. 1 ZVG), kann die­se aber nicht erset­zen oder vor­weg­neh­men; sie erfolgt viel­mehr nur zu deren Vor­be­rei­tung 6.

Kön­nen die Gemein­schaf­ter wäh­rend des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­rens kei­ne Eini­gung über die Tei­lung des Erlö­ses erzie­len, wird die­ser gemäß § 117 Abs. 2 Satz 3 ZVG hin­ter­legt. In die­sem Fall setzt sich die Bruch­teils­ge­mein­schaft an der For­de­rung gegen die Hin­ter­le­gungs­stel­le fort 7. Über den hin­ter­leg­ten Betrag kön­nen die Teil­ha­ber nur gemein­schaft­lich ver­fü­gen (§ 747 Satz 2 BGB), und die Hin­ter­le­gungs­stel­le darf den Erlös nur an die Teil­ha­ber gemein­schaft­lich aus­keh­ren (§ 432 Abs. 1 Satz 1 BGB). Eine Bruch­teils­ge­mein­schaft kann aber erst dann ihr Ende fin­den, wenn eine allei­ni­ge Rechts­zu­stän­dig­keit der Teil­ha­ber an dem auf sie ent­fal­len­den Anteil an dem Gemein­schafts­ge­gen­stand geschaf­fen wor­den ist 8. Ist der Ver­stei­ge­rungs­er­lös hin­ter­legt, wird dies grund­sätz­lich nur durch eine Ver­ein­ba­rung der Teil­ha­ber über die Auf­tei­lung des Erlö­ses erreicht. Durch sie wan­delt sich der ide­el­le Bruch­teil des ein­zel­nen Teil­ha­bers an der For­de­rung gegen die Hin­ter­le­gungs­stel­le in einen reel­len Anteil an dem hin­ter­leg­ten Erlös. Weist der Teil­ha­ber die Ver­ein­ba­rung gegen­über der Hin­ter­le­gungs­stel­le nach, kann der auf ihn ent­fal­len­de Erlös­an­teil ohne Mit­wir­kung des ande­ren Teil­ha­bers an ihn aus­ge­kehrt wer­den (vgl. § 16 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 NHintG).

Kommt eine Eini­gung der Gemein­schaf­ter über die Ver­tei­lung des Erlö­ses nicht zu Stan­de, muss die Tei­lung in der Wei­se wei­ter betrie­ben wer­den, dass ein Teil­ha­ber den ande­ren auf Ein­wil­li­gung in die Aus­zah­lung gericht­lich in Anspruch nimmt 9. Da die Hin­ter­le­gungs­stel­le den auf den Teil­ha­ber ent­fal­len­den Anteil am Erlös dann nur nach Vor­la­ge einer ent­spre­chen­den rechts­kräf­ti­gen Ent­schei­dung an die­sen allein aus­keh­ren darf (vgl. § 16 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 2 NHintG), ist die Bruch­teils­ge­mein­schaft in die­sem Fall erst mit Ein­tritt der Rechts­kraft die­ser Ent­schei­dung auf­ge­ho­ben.

Die­se Erwä­gun­gen zei­gen, dass allein die Hin­ter­le­gung des Über­erlö­ses nach § 117 Abs. 2 Satz 3 ZVG noch nicht zur Auf­he­bung der Bruch­teils­ge­mein­schaft führt. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall in der Hin­ter­le­gung eines Über­erlö­ses eine Tei­lung in Natur ange­nom­men hat 10, hält er dar­an nicht fest.

Auf die­ser recht­li­chen Grund­la­ge hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart 11 zu Recht ange­nom­men, dass die zwi­schen den Betei­lig­ten bestehen­de Bruch­teils­ge­mein­schaft durch die Hin­ter­le­gung des Erlö­ses noch nicht auf­ge­ho­ben ist. Die Betei­lig­ten haben eine Eini­gung über die Auf­tei­lung des Ver­stei­ge­rungs­er­lö­ses bis­lang nicht erzielt, wes­halb die Mit­ei­gen­tü­me­rin im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gera­de die Ver­pflich­tung des ande­ren Mit­ei­gen­tü­mers zur Vor­nah­me der für die Erlös­ver­tei­lung erfor­der­li­chen Mit­wir­kungs­hand­lun­gen erstrebt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Febru­ar 2017 – XII ZB 137/​16

  1. Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 17.11.1999 – XII ZR 281/​97 , Fam­RZ 2000, 355, 356[]
  2. BGH, Urtei­le BGHZ 199, 71 = Fam­RZ 2014, 285 Rn. 16 und BGHZ 175, 297 = Fam­RZ 2008, 767 Rn. 23 f. mwN[]
  3. vgl. BGH, Urteil BGHZ 199, 71 = Fam­RZ 2014, 285 Rn. 18 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil BGHZ 175, 297 = Fam­RZ 2008, 767 Rn. 33 mwN[]
  5. vgl. BGH, Urteil BGHZ 175, 297 = Fam­RZ 2008, 767 Rn. 31 mwN; Staudinger/​Eickelberg BGB [2015] § 753 Rn. 3[]
  6. vgl. BGH, Urteil BGHZ 175, 297 = Fam­RZ 2008, 767 Rn. 30 mwN; vgl. auch Staudinger/​Eickelberg BGB [2015] § 753 Rn. 3; Popp in Depré ZVG § 180 Rn. 32[]
  7. vgl. BGH NJW 1967, 200, 201; Staudinger/​Eickelberg BGB [2015] § 753 Rn. 22; Münch­Komm-BGB/K. Schmidt 6. Aufl. § 753 Rn. 29[]
  8. vgl. Münch­Komm-BGB/K. Schmidt 6. Aufl. § 752 Rn. 5[]
  9. Wever Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung der Ehe­gat­ten außer­halb des Güter­rechts 6. Aufl. Rn.193[]
  10. BGH, Urteil vom 17.11.1999 XII ZR 281/​97 Fam­RZ 2000, 355, 356[]
  11. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 16.02.2016 – 18 UF 156/​15, Fam­RZ 2016, 1160[]