Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nur ohne Ein­zel­aus­ge­bot

Bei der Grund­stücks­ver­stei­ge­rung zum Zweck der Auf­he­bung der Gemein­schaft ist das Ein­zel­aus­ge­bot der Mit­ei­gen­tums­an­tei­le unzu­läs­sig.

Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nur ohne Ein­zel­aus­ge­bot

Ent­spre­chend § 63 Abs. 1 Satz 1 ZVG sind bei der Zwangs­ver­stei­ge­rung eines Grund­stücks, an dem Bruch­teils­ei­gen­tum besteht, die Eigen­tums­an­tei­le ein­zeln aus­zu­bie­ten; das nach § 63 Abs. 1 Satz 2 ZVG zuläs­si­ge Gesamt­aus­ge­bot ver­drängt das Ein­zel­aus­ge­bot nicht, son­dern die­ses unter­bleibt nur dann, wenn die in § 63 Abs. 4 Satz 1 ZVG genann­ten Betei­lig­ten hier­auf ver-zich­ten [1].

Dage­gen wird das Ein­zel­aus­ge­bot der Mit­ei­gen­tums­an­tei­le bei der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung im Schrift­tum für unzu­läs­sig gehal­ten [2]. Dies wird damit begrün­det, dass das Ein­zel­aus­ge­bot dem Zweck des Ver­fah­rens, die Aus­ein­an­der­set­zung der Gemein­schaft her­bei­zu­füh­ren, wider­spre­che.

In der Recht­spre­chung ist – soweit ersicht­lich – bis­her nicht dar­über befun­den wor­den, ob auch bei der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung die Mit­ei­gen­tums­an­tei­le ein­zeln aus­zu­bie­ten sind. Ins­be­son­de­re haben sich weder das Thü­rin­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 10. Juli 2000 [3] noch der BGH in sei­nem Beschluss vom 30. Okto­ber 2008 [4] hier­zu geäu­ßert.

Der BGH ent­schei­det die Fra­ge nun­mehr dahin, dass die im Schrift­tum ver­tre­te­ne Ansicht zutrifft.

Die Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nach § 180 ff. ZVG fin­det statt, wenn die Tei­lung eines meh­re­ren gehö­ren­den Grund­stücks in Natur nicht mög­lich ist (§ 753 Abs. 1 Satz 1 BGB). Das Ver­fah­ren dient der Erset­zung eines unteil­ba­ren durch einen teil­ba­ren Gegen­stand, d.h. der Schaf­fung eines unter den Mit­ei­gen­tü­mern ver­tei­lungs­fä­hi­gen Erlö­ses in Geld. Es berei­tet mit­hin eine ander­wei­tig gesetz­lich oder ver­trag­lich gere­gel­te ver­mö­gens­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung unter den Eigen­tü­mern ledig­lich vor und hat nicht die Funk­ti­on, die­se Aus­ein­an­der­set­zung zu erset­zen oder vor­weg­zu­neh­men [5]. Das Ver­fah­ren ist auf die voll­stän­di­ge und end­gül­ti­ge Auf­he­bung der Gemein­schaft und nicht nur auf das Aus­schei­den ein­zel­ner Mit­ei­gen­tü­mer unter Fort­be­stand der Gemein­schaft in ande­rer per­so­nel­ler Zusam­men­set­zung gerich­tet.

Mit die­sem Ver­fah­rens­zweck ist das Ein­zel­aus­ge­bot der Mit­ei­gen­tums­an­tei­le nicht zu ver­ein­ba­ren. Denn es kann zu dem Ergeb­nis füh­ren, dass nicht auf sämt­li­che Antei­le gebo­ten wird. In die­sem Fall wird die Gemein­schaft nicht auf­ge­ho­ben. Ihre Auf­he­bung kann auch nicht auf ande­re Wei­se, wie durch den Ver­zicht auf den Mit­ei­gen­tums­an­teil, her­bei­ge­führt wer­den; denn ein sol­cher Ver­zicht ist unzu­läs­sig [6]. Des­halb ist – ent­ge­gen der Ansicht der Rechts­be­schwer­de – mit dem Ein­zel­aus­ge­bot weder dem Ver­fah­rens­zweck noch den Inter­es­sen der das Ver­fah­ren betrei­ben­den Mit­ei­gen­tü­mer, aus der Gemein­schaft aus­zu­schei­den, Genü­ge getan. Der auf den BGH-Beschluss vom 28. Sep­tem­ber 2006 [7] gestütz­te Ein­wand, dass das auf ein Gesamt­aus­ge­bot abge­ge­be­ne Meist­ge­bot erfah­rungs­ge­mäß gerin­ger sei als das Gesamt­ergeb­nis der auf Ein­zel­aus­ge­bo­te abge­ge­be­nen Meist­ge­bo­te und des­halb die Inter­es­sen der Mit­ei­gen­tü­mer an einem mög­lichst güns­ti­gen Ergeb­nis der Ver­stei­ge­rung nur bei dem Ein­zel­aus­ge­bot der Mit­ei­gen­tums­an­tei­le gewahrt wür­den, ist nicht trag­fä­hig. Denn jedem Antrag auf Tei­lungs­ver­stei­ge­rung liegt zwar die Erwar­tung zugrun­de, dass ein ver­nünf­ti­ger Erlös erzielt wer­den kann; die­ser muss aber nicht der denk­bar güns­tigs­te sein [8]. Zudem gilt der Erfah­rungs­satz des gerin­ge­ren Meist­ge­bots auf ein Gesamt­aus­ge­bot nur bei der Zwangs­ver­stei­ge­rung meh­re­rer Grund­stü­cke, nicht aber bei der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung eines ein­zi­gen Grund­stücks. Der in der Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung ent­hal­te­ne Hin­weis auf § 63 Abs. 2 Satz 1 ZVG, wonach jeder Betei­lig­te ein Gesamt­aus­ge­bot ver­lan­gen kann, gibt für die Zuläs­sig­keit des Ein­zel­aus­ge­bots jedes Mit­ei­gen­tums­an­teils bei der Tei­lungs­ver­stei­ge­rung nichts her.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Mai 2009 – V ZB 12/​09

  1. BGH, Beschluss vom 30. Okto­ber 2008, V ZB 41/​08, NJW-RR 2009, 158[]
  2. Hint­zen in: Dassler/​Schiffhauer/​Hintzen/​Engels/​Rellermeyer, ZVG, 13. Aufl., § 180 Rdn. 122; Bött­cher, ZVG, 4. Aufl. § 180 Rdn. 94; Steiner/​Teufel, Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung, 9. Aufl., § 180 ZVG Rdn. 162; Stö­ber, ZVG, 18. Aufl., § 180 Anm. 7.11c; Drisch­ler, Jur­Bü­ro 1981, 1765, 1767; Schiff­hau­er, ZIP 1982, 660, 664[]
  3. Rpfle­ger 2000, 509[]
  4. V ZB 41/​08, aaO[]
  5. BVerfGE 42, 64, 75[]
  6. BGHZ 172, 209, 214 ff.[]
  7. V ZB 55/​06, NJW-RR 2007, 1139[]
  8. BVerfGE aaO[]