Teil­ur­teil über einen Vor­schuss­an­spruch zur Män­gel­be­sei­ti­gung

Der Erlass eines Teil­ur­teils über einen Vor­schuss­an­spruch in Höhe der für die Besei­ti­gung von Schall­schutz­män­geln erfor­der­li­chen Kos­ten ist unzu­läs­sig, wenn der Bestel­ler dane­ben einen auf die­sel­ben Män­gel gestütz­ten, auf Ersatz eines Miet­aus­falls sowie auf Ersatz vor­ge­richt­li­cher Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten gerich­te­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch gel­tend macht, über den nicht zugleich ent­schie­den wird.

Teil­ur­teil über einen Vor­schuss­an­spruch zur Män­gel­be­sei­ti­gung

Der Erlass eines Teil­ur­teils ist unzu­läs­sig, wenn auf­grund der Ent­schei­dung über den Teil des Anspruchs die Gefahr besteht, dass es bei der Ent­schei­dung über den noch anhän­gi­gen Streit­ge­gen­stand im Schlus­sur­teil zu ein­an­der wider­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen kommt. Die­se Gefahr besteht immer dann, wenn der durch Teil­ur­teil beschie­de­ne Anspruch und der noch rechts­hän­gi­ge Anspruch von gemein­sa­men Vor­fra­gen abhän­gen 1. Dies ist hier der Fall. Die im Zusam­men­hang mit dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Anspruch auf Zah­lung eines Kos­ten­vor­schus­ses in Höhe der Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten erheb­li­che Vor­fra­ge, ob die Beklag­te zu 1 für die zugrun­de lie­gen­den Schall­schutz­män­gel ein­zu­ste­hen hat, stellt sich für die Ent­schei­dung über den auf die­se Män­gel gestütz­ten wei­te­ren Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen des behaup­te­ten Miet­aus­fall­scha­dens und der vor­ge­richt­lich auf­ge­wen­de­ten Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten erneut. Es besteht des­halb die Gefahr, dass hin­sicht­lich des von den Klä­gern gel­tend gemach­ten Vor­schuss- und des Scha­dens­er­satz­an­spruchs ein­an­der wider­spre­chen­de Ent­schei­dun­gen erge­hen.

Soweit das Gericht bei Erlass des Teil­ur­teils gemeint haben soll­te, das erlas­se­ne Teil­ur­teil ent­fal­te eine Bin­dungs­wir­kung auch hin­sicht­lich der im Beru­fungs­ver­fah­ren noch im Streit ste­hen­den; vom Land­ge­richt zuer­kann­ten Scha­dens­er­satz­an­sprü­che auf Ersatz eines infol­ge der Schall­schutz­män­gel ent­stan­de­nen Miet­aus­fall­scha­dens sowie vor­ge­richt­lich auf­ge­wen­de­ter Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten, weil inso­weit über einen ein­heit­li­chen Lebens­sach­ver­halt ent­schie­den wer­de, ist die­se Auf­fas­sung rechts­ir­rig. Eine sol­che Bin­dungs­wir­kung kommt dem Teil­ur­teil nicht zu.

Ein Sachur­teil, das eine Leis­tungs­kla­ge abweist, stellt grund­sätz­lich fest, dass die begehr­te Rechts­fol­ge aus dem Lebens­sach­ver­halt unter kei­nem recht­li­chen Gesichts­punkt her­ge­lei­tet wer­den kann, und zwar auch dann, wenn das Gericht nicht alle in Betracht kom­men­den Anspruchs­grund­la­gen ins Auge gefasst hat 2. Bei dem Anspruch auf Zah­lung eines Kos­ten­vor­schus­ses in Höhe der zur Besei­ti­gung von Schall­schutz­män­geln erfor­der­li­chen Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten gemäß § 637 Abs. 3 BGB und dem ergän­zend gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen eines infol­ge des­sel­ben Man­gels ent­stan­de­nen Miet­aus­fall­scha­dens sowie wegen vor­ge­richt­lich auf­ge­wen­de­ter Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten gemäß § 634 Nr. 4, §§ 636, 280, 281 BGB han­delt es sich um ver­schie­de­ne Lebens­sach­ver­hal­te und damit um ver­schie­de­ne Streit­ge­gen­stän­de, weil die Ansprü­che auf den Aus­gleich unter­schied­li­cher Man­gel­fol­gen gerich­tet sind.

Dies bedeu­tet, dass durch das ange­foch­te­ne Teil­ur­teil ledig­lich fest­ge­stellt wird, dass den Klä­gern der gel­tend gemach­te Vor­schuss­an­spruch wegen der zur Besei­ti­gung der Schall­schutz­män­gel erfor­der­li­chen Kos­ten gegen die Beklag­te nicht zusteht. Durch die Abwei­sung die­ses Vor­schuss­an­spruchs wird jedoch nicht zugleich bin­dend fest­ge­stellt, dass die Klä­ger gegen die Beklag­te auch kei­nen Anspruch auf Ersatz des ihnen auf­grund der Schall­schutz­män­gel ent­stan­de­nen, über die Män­gel­be­sei­ti­gungs­kos­ten hin­aus­ge­hen­den Miet­aus­fall­scha­dens und der von ihnen vor­ge­richt­lich auf­ge­wen­de­ten Sach­ver­stän­di­gen­kos­ten haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. August 2014 – VII ZR 24/​12

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.04.2012 – VII ZR 25/​11, BauR 2012, 1391 Rn. 11 = NZBau 2012, 440; vom 29.03.2011 – VI ZR 117/​10, BGHZ 189, 79 Rn. 15; vom 28.11.2002 – VII ZR 270/​01, BauR 2003, 381, 382 = NZBau 2003, 153, jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 11.03.1997 – KZR 44/​95, NJW 1997, 2954, 2955; vom 17.03.1995 – V ZR 178/​93, NJW 1995, 1757, 1758; vom 13.12 1989 – IVb ZR 19/​89, BauR 1990, 249, 250, jeweils m.w.N.[]