Ter­mins­ge­bühr für die außer­ge­richt­li­che Bespre­chung in meh­re­ren anhän­gi­gen Ver­fah­ren

Betrifft eine auf die Ver­mei­dung oder Erle­di­gung des Ver­fah­rens gerich­te­te Bespre­chung ohne Betei­li­gung des Gerichts meh­re­re zwi­schen den Par­tei­en anhän­gi­ge Ver­fah­ren, fällt die Ter­mins­ge­bühr in jedem der Ver­fah­ren geson­dert an, berech­net nach den jewei­li­gen Streit­wer­ten der betrof­fe­nen Ver­fah­ren.

Ter­mins­ge­bühr für die außer­ge­richt­li­che Bespre­chung in meh­re­ren anhän­gi­gen Ver­fah­ren

Es fin­det auch kei­ne Begren­zung auf den Wert einer ein­heit­li­chen Ter­mins­ge­bühr aus der Addi­ti­on der Streit­wer­te bei­der Ver­fah­ren statt 1.

Aus der Anrech­nungs­re­ge­lung in Nr. 3104 Abs. 2 VV RVG lässt sich nichts ande­res her­lei­ten. Sie ist nicht anwend­bar, wenn die Ter­mins­ge­bühr nach der Vor­be­mer­kung 3 zu Teil 3 VV RVG infol­ge eines außer­ge­richt­li­chen Eini­gungs­ge­sprächs über die Gegen­stän­de meh­re­rer Ver­fah­ren anfällt. Dies beruht zum einen dar­auf, dass die Vor­schrift aus­drück­lich nur Ver­hand­lun­gen „in dem Ter­min“ erwähnt, also eine Ter­mins­ge­bühr aus­lö­sen­de Gesprä­che außer­halb eines Ter­mins nicht erfasst. Zum ande­ren fehlt es im Fal­le eines außer­ge­richt­li­chen Eini­gungs­ge­sprächs, das sich auf die Gegen­stän­de meh­re­rer Ver­fah­ren erstreckt, an der der Anrech­nungs­vor­schrift in Nr. 3104 Abs. 2 VV RVG erkenn­bar zu Grun­de lie­gen­den Zuord­nung zu einem bestimm­ten Ver­fah­ren 2.

Ande­rer­seits hat der Gesetz­ge­ber durch die Anrech­nungs­re­ge­lung in Nr. 3104 Abs. 2 VV RVG zum Aus­druck gebracht, dass bei der Ter­mins­ge­bühr wegen Eini­gungs­ge­sprä­chen im Ver­hand­lungs­ter­min eine Zusam­men­rech­nung von Streit­wer­ten nicht erfol­gen, son­dern der Auf­trag­ge­ber – vor­be­halt­lich abwei­chen­der Kos­ten­quo­ten – durch die Anrech­nung wirt­schaft­lich so gestellt wer­den soll, als sei das Eini­gungs­ge­spräch in dem jewei­li­gen Ver­fah­ren geführt wor­den 3. Für einen Wil­len des Gesetz­ge­bers, den Rechts­an­walt im Fal­le der außer­ge­richt­li­chen Tätig­keit gegen­über der Ver­hand­lung im Gerichts­ter­min schlech­ter zu stel­len, ist nichts ersicht­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2011 – II ZB 4/​11

  1. OLG Mün­chen, Jur­Bü­ro 2010, 191; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 19. Aufl., VV 3104 Rn. 98 f.; End­ers, Jur­Bü­ro 2005, 294, 297; Han­sens, RVGre­port 2010, 102, 103; ders., RVGre­port 2009, 72, 73; May­er, FDRVG 2010, 298250; vgl. auch BGH, Beschluss vom 27.02.2007 – XI ZB 38/​05, NJW 2007, 2858; Beschluss vom 27.02.2007 – XI ZB 39/​05, NJW-RR 2007, 1578; aA KG, Jur­Bü­ro 2009, 80, 81[]
  2. Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 19. Aufl., VV 3104 Rn. 98 f.[]
  3. vgl. mit Berech­nungs­bei­spie­len: Bischof in Bischof/​Jungbauer/​Bräuker/​Curkovic/​Mathias/​Uher, RVG, 3. Aufl., Nr. 3104 VV Teil 3 Rn. 80 f.; Mül­ler-Rabe in Gerold/​Schmidt, RVG, 19. Aufl., VV 3104 Rn. 88 f.[]