Ter­mins­ge­bühr im PKH-Ver­fah­ren

In Ver­fah­ren über die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe, in denen ohne münd­li­che Ver­hand­lung ent­schie­den wird, kann eine Ter­mins­ge­bühr nicht anfal­len.

Ter­mins­ge­bühr im PKH-Ver­fah­ren

Eine Ter­mins­ge­bühr nach Vor­be­mer­kung 3 Abs. 3 Alt. 3 VV RVG ent­steht nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 nicht, wenn für das betref­fen­de Ver­fah­ren eine münd­li­che Ver­hand­lung nicht vor­ge­schrie­ben ist und das Gericht durch Beschluss ent­schei­det. So ist es im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren über die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe. Ent­schei­dun­gen in Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren erge­hen gemäß § 127 Abs. 1 Satz 1 ZPO ohne münd­li­che Ver­hand­lung. Die münd­li­che Erör­te­rung gemäß § 118 Abs. 1 Satz 3 ZPO ist nur fakul­ta­tiv und kei­ne münd­li­che Ver­hand­lung im eigent­li­chen Sin­ne 2. Im vor­lie­gen­den Fall hat auch tat­säch­lich kei­ne münd­li­che Ver­hand­lung oder Erör­te­rung statt­ge­fun­den.

Die im Anschluss an einen Teil der Recht­spre­chung und Lite­ra­tur 3 erho­be­nen Ein­wän­de gegen die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs recht­fer­ti­gen für den Bun­des­ge­richts­hof kei­ne ande­re Beur­tei­lung. Ent­ge­gen die­ser abwei­chen­den Auf­fas­sung recht­fer­ti­gen Wort­laut und Rege­lungs­zweck der Vor­be­mer­kung 3 Abs. 3 Alt. 3 VV RVG die Ent­ste­hung einer Ter­mins­ge­bühr in Ver­fah­ren, in denen eine münd­li­che Ver­hand­lung nicht vor­ge­schrie­ben ist, nicht. Das Erfor­der­nis einer vor­ge­schrie­be­nen münd­li­chen Ver­hand­lung wird zwar im Wort­laut der Vor­be­mer­kung 3 Abs. 3 Alt. 3 VV RVG, anders als in Anmer­kung 1 Nr. 1 zu Nr. 3104 VV RVG, nicht aus­drück­lich erwähnt. Dies ändert aber nichts dar­an, dass die in Teil 3 des Ver­gü­tungs­ver­zeich­nis­ses bezeich­ne­te Ter­mins­ge­bühr durch Vor­be­mer­kung 3 Abs. 3 Alt. 3 nicht zu einer von den ein­zel­nen Gebüh­ren­tat­be­stän­den los­ge­lös­ten Kor­re­spon­denz­ge­bühr für anwalt­li­che Bespre­chun­gen in den Strei­tig­kei­ten umge­stal­tet wor­den ist, in denen eine münd­li­che Ver­hand­lung vor Gericht nicht vor­ge­se­hen ist 4. Dies ergibt sich bereits aus der Bezeich­nung der Gebühr als Ter­mins­ge­bühr und aus dem Stand­ort der jewei­li­gen Gebüh­ren­tat­be­stän­de in Teil 3 des Gebüh­ren­ver­zeich­nis­ses, der die Gebüh­ren für die Ver­tre­tung in gericht­li­chen Ver­fah­ren bestimmt. Ande­res ergibt sich auch nicht aus dem Zweck, den der Gesetz­ge­ber mit der Aus­wei­tung die­ser Gebühr auf Bespre­chun­gen ohne Mit­wir­kung des Gerichts zur Ver­mei­dung oder zur Erle­di­gung eines Ver­fah­rens ver­folgt hat. Damit soll­ten dem Anwalt die Bemü­hun­gen um die Erle­di­gung der Sache hono­riert wer­den und den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten sowie dem Gericht unnö­ti­ge Erör­te­run­gen in einem Gerichts­ter­min allein im Gebüh­ren­in­ter­es­se erspart blei­ben 5. Die­se Begrün­dung für die dar­in von § 31 Abs. 1 Nr. 2 und 4 BRAGO abwei­chen­de Neu­re­ge­lung greift nicht in den Beschluss­ver­fah­ren, in denen das Gericht grund­sätz­lich ohne eine münd­li­che Ver­hand­lung ent­schei­det. Auch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en zum RVG ent­hal­ten kei­nen Hin­weis dar­auf, dass mit der Ter­mins­ge­bühr eine all­ge­mei­ne Kor­re­spon­denz­ge­bühr für rechts­an­walt­li­che Mit­wir­kung an sol­chen Bespre­chun­gen ein­ge­führt wer­den soll­te 6.

Eine Ter­mins­ge­bühr ist auch nicht nach Nr. 3104 VV RVG ange­fal­len. Die­ser Gebüh­ren­tat­be­stand nennt in Anmer­kung 1 Nr. 1 aus­drück­lich das Erfor­der­nis einer vor­ge­schrie­be­nen münd­li­chen Ver­hand­lung, das im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Febru­ar 2012 – XI ZB 15/​11

  1. Beschlüs­se vom 01.02.2007 – V ZB 110/​06, NJW 2007, 1461 Rn.19 und vom 15.03.2007 – V ZB 170/​06, NJW 2007, 2644 Rn. 7; vgl. auch BGH, Beschluss vom 13.12.2011 – II ZB 4/​11, juris Rn. 8; fer­ner OLG Frank­furt am Main NJW-RR 2006, 1438; OLG Karls­ru­he, NJW-RR 2007, 503, 504; OLG Mün­chen, AnwBl.2006, 147; May­er in Mayer/​Kroiß, RVG, 4. Aufl., Nr. 3104 VV Rn. 26[]
  2. Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 118 Rn. 21[]
  3. vgl. die Dar­stel­lung in BGH, Beschluss vom 02.11.2011 – XII ZB 458/​10, NJW 2012, 459 Rn. 18 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 15.03.2007 – V ZB 170/​06, NJW 2007, 2644 Rn. 7 ff.[]
  5. BT-Drucks. 15/​1971, S.209[]
  6. BGH, Beschluss vom 01.02.2007 – V ZB 110/​06, NJW 2007, 1461 Rn.20[]