Teu­re Haddsch, die nie statt­ge­fun­den hat

Das Gemein­de­mit­glied einer mos­le­mi­schen Gemein­de hat kei­nen Anspruch auf Ersatz für ca. 34.500 €, die er einem Vor­be­ter für eine nicht statt­ge­fun­de­ne Haddsch (Hajj) über­ge­ben hat und die­ser an einen Drit­ten wei­ter­ge­lei­tet haben will.

Teu­re Haddsch, die nie statt­ge­fun­den hat

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm jeg­li­che Ansprü­che des ver­hin­der­ten Pil­ge­rers gegen den Drit­ten ver­neint. Der Klä­ger woll­te in dem hier vor­lie­gen­den Fall im Jah­re 2008 die Hajj für 40 Gemein­de­mit­glie­der, sei­ne Ehe­frau und sich selbst orga­ni­sie­ren und sam­mel­te für die­sen Zweck bei den Teil­neh­mern die Kos­ten von 1.800 Euro/​pro Per­son ein. Für die Flug­ti­ckets über­gab er einen Betrag von gut 39.000 Euro einem Rei­se­bü­ro in Hes­sen. Gegen die­ses Unter­neh­men führt der Klä­ger einen wei­te­ren Rechts­streit. Die ver­blei­ben­de Sum­me von gut 36.000 Euro hän­dig­te der Klä­ger mit den Päs­sen sämt­li­cher Teil­neh­mer einem Vor­be­ter einer Moschee im Rhein­land aus, die­ser soll­te ihn bei der Orga­ni­sa­ti­on unter­stüt­zen und ins­be­son­de­re die erfor­der­li­chen Visa besor­gen. Der – zwi­schen­zeit­lich flüch­ti­ge – Vor­be­ter über­reich­te Päs­se und Geld an den Beklag­ten. Die Hajj fand nicht statt. Die Päs­se und einen Teil­be­trag von 1.500 Euro erhielt der Klä­ger zurück, den Rest­be­trag ver­lang­te er von dem Beklag­ten ersetzt, ohne Erfolg. Daher hat er Kla­ge vor dem Lan­deg­richt Essen erho­ben. Dort sind die Ansprü­che ver­neint wor­den. Vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm ver­folgt der Klä­ger sein Ziel wei­ter.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Ent­schei­dung des Land­ge­richts bestä­tigt: Alle Ansprü­che aus Delikt schei­tern. Der Klä­ger sei Opfer straf­ba­rer Hand­lun­gen gewor­den, habe aber nicht bewei­sen kön­nen, dass der Beklag­te an die­sen Straf­ta­ten als Mit­tä­ter oder Gehil­fe betei­ligt gewe­sen sei. Der Beklag­te hat­te ange­ge­ben, dass er das Geld auf­trags­ge­mäß an einen wei­te­ren Mit­tels­mann über­ge­ge­ben habe, damit die­ser die Visa besor­ge. Über die Wei­ter­ga­be des Gel­des hat­te der Beklag­te Quit­tun­gen vor­ge­legt. Ein Ver­such, den Mit­tels­mann als Zeu­gen zu ver­neh­men, schei­ter­te, weil die­ser sich – zuläs­si­ger­wei­se – auf sein Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht beru­fen hat­te. Der Klä­ger konn­te auch nicht bewei­sen, dass die Quit­tun­gen gefälscht waren.

Ver­trag­li­che Haf­tungs­grund­la­gen bestün­den nicht. Der Klä­ger habe mit dem Vor­be­ter, nicht aber mit dem Beklag­ten ver­trag­li­che Abspra­chen getrof­fen. Aus Rechts­grün­den – wegen des Vor­rangs des Leis­tungs­ver­hält­nis­ses – schei­te­re auch ein Anspruch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 12. Janu­ar 2012 – I- 21 U 81/​10