Tier­arzt­kos­ten als Scha­dens­er­satz – und der Wert des Hun­des

Gemäß § 251 Abs. 2 Satz 2 BGB sind die aus der Heil­be­hand­lung eines ver­letz­ten Tie­res ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen nicht bereits dann unver­hält­nis­mä­ßig, wenn sie des­sen Wert erheb­lich über­stei­gen.

Tier­arzt­kos­ten als Scha­dens­er­satz – und der Wert des Hun­des

Mit der Ein­fü­gung des Satz 2 in § 251 BGB ist der Gesetz­ge­ber bewusst von der an sich für das Deut­sche Scha­dens­er­satz­recht gel­ten­den Regel abge­wi­chen, wonach bei Beschä­di­gung einer Sache die Repa­ra­tur­kos­ten ledig­lich bis zur Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes ersetzt wer­den. Der Geset­zes­ent­wurf [1] ent­hält hier­zu fol­gen­de Begrün­dung:

„Die vor­ge­schla­ge­ne Rege­lung ver­bie­tet eine streng wirt­schaft­li­che Betrach­tungs­wei­se bei der Bemes­sung des aus der Ver­let­zung eines Tie­res ent­ste­hen­den Scha­dens. Einem Tier, das im Ein­zel­fall auch ein­mal kei­nen mate­ri­el­len Wert haben kann, soll die Rechts­ord­nung die erfor­der­li­che Heil­be­hand­lung nicht des­halb ver­wehrt wer­den, weil die Behand­lungs­kos­ten auf den Wert begrenzt wer­den, der dem Wert des Tie­res im Geschäfts­ver­kehr ent­spricht, und der Eigen­tü­mer des Tie­res nicht über die für die Heil­be­hand­lung erfor­der­li­chen Geld­mit­tel ver­fügt. Daher wird eine Rege­lung vor­ge­schla­gen, die den vol­len Ersatz der Heil­be­hand­lungs­kos­ten vor­sieht, soweit sich die ent­ste­hen­den Kos­ten im Rah­men der all­ge­mei­nen Ver­hält­nis­mä­ßig­keit hal­ten.“

Mit der Neu­re­ge­lung wur­de ein rein wirt­schaft­li­ches Kri­te­ri­um für die Abgren­zung des ersatz­fä­hi­gen vom nicht­er­satz­fä­hi­gen Scha­dens­er­satz besei­tigt. Nach Auf­fas­sung des Gesetz­ge­bers soll damit kei­ne Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz in unbe­grenz­ter Höhe geschaf­fen wer­den, es soll viel­mehr dar­auf ankom­men, was ein ver­stän­di­ger Tier­hal­ter in der Lage des Geschä­dig­ten auf­ge­wen­det hät­te. Abge­stellt wer­den soll auf das Maß des Ver­schul­dens des Schä­di­gers, das indi­vi­du­el­le Ver­hält­nis zwi­schen dem Geschä­dig­ten und dem ver­letz­ten Tier sowie dar­auf, ob die auf­ge­wen­de­ten Heil­be­hand­lungs­kos­ten aus tier­me­di­zi­ni­scher Sicht ver­tret­bar gewe­sen sind [2].

Vor­lie­gend schei­det mit­hin der – hier im Ver­gleich zu den Behand­lungs­kos­ten unstrei­tig als gering anzu­se­hen­der – Ver­kehrs­wert des ver­letz­ten Hun­des als Kri­te­ri­um für die Fest­le­gung einer Ober­gren­ze des zu erset­zen­den Scha­dens aus, da die­ses Kri­te­ri­um vom Gesetz­ge­ber bewusst besei­tigt wur­de.

Die Vor­schrift des § 251 Satz 2 BGB und die hier­in ansatz­wei­se zum Aus­druck gebrach­ten Mög­lich­kei­ten der Begren­zung des Scha­dens­er­sat­zes nach oben sind nach Auf­fas­sung des Gerichts einem Wan­del gesell­schaft­li­cher Auf­fas­sung unter­wor­fen.

So wird infol­ge des Wan­dels gesell­schaft­li­cher Anschau­ung mor­gen als selbst­ver­ständ­lich auf­ge­fasst wer­den, was heu­te noch als undenk­bar gilt. Aus­zu­schei­den hat als Kri­te­ri­um die wirt­schaft­li­che Lage des Geschä­dig­ten, da man ansons­ten den Ver­mö­gen­den jeden noch so aber­wit­zi­gen Auf­wand erset­zen müss­te, der nur den Hei­lungs­pro­zess för­dert, dem Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger hin­ge­gen den Tier­arzt­be­such ver­wei­gern wür­de, da er sich in sei­ner wirt­schaft­li­chen Lage noch nicht ein­mal eine Sprit­ze zum Ein­schlä­fern des Tie­res leis­ten könn­te.

In die­sem Zusam­men­hang ist das hohe Affek­ti­ons­in­ter­es­se des Klä­gers an sei­nem Hund zu berück­sich­ti­gen, wonach die Auf­wen­dun­gen zur Heil­be­hand­lung im vor­lie­gen­den Fall gera­de noch nicht unver­hält­nis­mä­ßig erschei­nen.

Nach Abwä­gung all die­ser Umstän­de stellt ein Betrag von 4.177, 59 EUR an Tier­arzt­kos­ten eine sol­che Sum­me dar, die von wei­ten Tei­len der Bevöl­ke­rung zur Ret­tung ihres Tie­res auf­ge­wandt wer­den wür­de, auch wenn es sich ledig­lich – wie vor­lie­gend – um einen ver­kehrs­wert­lo­sen Misch­lings­hund han­delt. Mit­hin ver­mag das Gericht nicht zu erken­nen, dass die Gren­ze zum unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand vor­lie­gend über­schrit­ten ist.

Amts­ge­richt Del­men­horst, Urteil vom 3. Juli 2014 – 41 C 1446/​1341 C 1446/​13 (IV)

  1. Bun­des­tags­druck­sa­che 11/​5463, S. 5 f.[]
  2. Bun­des­tags­druck­sa­che a.a.O., S. 7[]