Tier­hal­ter­haf­tung bei der Ver­ge­sell­schaf­tung eines Pfer­des

Zur Fra­ge der Haf­tung wegen feh­ler­haf­ter Durch­füh­rung der Ver­ge­sell­schaf­tung eines Pfer­des muss­te der 1. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he Stel­lung neh­men:

Tier­hal­ter­haf­tung bei der Ver­ge­sell­schaf­tung eines Pfer­des

Die Klä­ge­rin, Eigen­tü­me­rin des Ara­ber­wal­lachs A., bei des­sen Hand­ha­bung es zu Schwie­rig­kei­ten gekom­men war, hat­te mit der beklag­ten Betrei­be­rin eines Pfer­de­pen­si­ons­be­triebs ver­ein­bart, das Pferd A. bei die­ser ein­zu­stel­len, ins­be­son­de­re eine Ver­ge­sell­schaf­tung des Pfer­des mit der Wal­lach­her­de vor­zu­neh­men. Anfang Mai 2009 wur­de A. daher auf einer Kop­pel der Beklag­ten mit neun Pfer­den der Wal­lach­her­de zusam­men­ge­stellt. Zuletzt wur­de das in der Her­de rang­ho­he Pony B. zu den Pfer­den gelas­sen, das sich als­bald aggres­siv gegen­über A. ver­hielt, so dass die­ser wie­der­holt flüch­te­te. Hier­bei über­schlug sich A. in vol­lem Lauf und ver­letz­te sich so schwer, dass er schließ­lich ein­ge­schlä­fert wer­den muss­te. Die Klä­ge­rin ver­lang­te nun von der Beklag­ten wegen feh­ler­haf­ter Ver­ge­sell­schaf­tung Scha­dens­er­satz in Höhe von ca. 8.000 €. Die Bekla­ge habe das Pony B. zu früh zu der Her­de gestellt und die Atta­cken des Ponys gegen­über A. nicht früh­zei­tig unter­bun­den.

Das Land­ge­richt Hei­del­berg hat die Kla­ge nach einer umfang­rei­chen Beweis­auf­nah­me abge­wie­sen. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin wies das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he mit Beschluss gemäß § 522 Abs. 2 ZPO auf die vor­aus­sicht­li­che Erfolgs­lo­sig­keit der Beru­fung hin:

Eine Pflicht­ver­let­zung der Beklag­ten mit Blick auf den zwi­schen den Par­tei­en abge­schlos­se­nen Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trag habe das Land­ge­richt nach dem Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me, den Zeu­gen­aus­sa­gen und den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen zu Recht nicht fest­zu­stel­len ver­mocht. A. sei mona­te­lang vor­her schon von einer Reit­leh­re­rin vor Ort im Beritt gewe­sen und dar­über hin­aus mehr­fach vor­ab mit ande­ren Pfer­den der Her­de zusam­men­ge­führt wor­den. Bei min­des­tens einem Aus­ritt sei dabei spe­zi­ell das wesent­lich klei­ne­re Pony B. als Hand­pferd mit­ge­führt wor­den, ohne dass es zu irgend­wel­chen Pro­ble­men gekom­men sei. Auch am frag­li­chen Mor­gen sei­en die Mit­glie­der der Wal­lach­her­de nur suk­zes­si­ve mit A. kon­fron­tiert wor­den, bevor als letz­ter auch noch B. in den Pad­dock gelas­sen wor­den sei. Die Beklag­te habe sich in der Nähe auf­ge­hal­ten, so dass sie jeder­zeit hät­te kurz­fris­tig ein­grei­fen kön­nen. Nach den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen habe es für die Beklag­te kei­nen kon­kre­ten Anlass gege­ben, die Ver­ge­sell­schaf­tung zeit­lich zu stre­cken oder nach ihrem Beginn abzu­bre­chen, da das von A. und B. gezeig­te Ver­hal­ten als nor­mal zu bewer­ten sei. Zu Trit­ten oder Bis­sen des Ponys gegen­über dem Ara­ber­wal­lach sei es nicht gekom­men. Die bei­den Pfer­de sei­en nicht in unmit­tel­ba­ren kör­per­li­chen Kon­takt gekom­men, es sei­en auch kei­ne Anzei­chen dafür vor­han­den gewe­sen, dass A. kör­per­lich oder auf­grund der äuße­ren Gege­ben­hei­ten über­for­dert gewe­sen sei.

Auch eine gesetz­li­che Tier­hal­ter­haf­tung der Beklag­ten gemäß § 833 BGB sei zu ver­nei­nen, weil es sich bei deren Pony B. um ein Haus­tier im Sin­ne die­ser Vor­schrift gehan­delt habe, das der Erwerbs­tä­tig­keit der Beklag­ten zu die­nen bestimmt gewe­sen sei. Zudem habe die Beklag­te den Nach­weis erbracht, dass sie bei der Beauf­sich­ti­gung des Tie­res die im Ver­kehr erfor­der­li­che Sorg­falt beob­ach­tet habe.

Die Klä­ge­rin hat nach die­sem Hin­weis­be­schluss ihre Beru­fung zurück­ge­nom­men.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 7. Febru­ar 2011 – 1 U 209/​10 -