Töd­li­ches Heu

Ein Stall­be­su­cher, der ein Pferd mit fri­schem Heu füt­tert, ist für den Tod des Pfer­des scha­dens­er­satz­pflich­tig.

Töd­li­ches Heu

Der Klä­ger in einem jetzt vom OLG Karls­ru­he ent­schie­de­nen Fall betreibt einen Rei­ter­hof. An einem Abend im Juli 2005 woll­te der Beklag­te dort sei­ne Schwes­ter abho­len. Die War­te­zeit über­brück­te er in den Stall­an­la­gen. Im Innen­hof stan­den meh­re­re Anhän­ger mit Heu, von denen eini­ge Bal­len auf den Boden gefal­len waren. Einer der Heu­bal­len war auf­ge­gan­gen, so dass das Heu lose auf dem Boden lag. Der Beklag­te nahm von dem Heu und ver­füt­ter­te es an die Pfer­de E., L. und M.

Der Klä­ger hat gel­tend gemacht, die vom Beklag­ten gefüt­ter­ten Pfer­de hät­ten des­we­gen am nächs­ten Tag Koli­ken erlit­ten. Wegen die­ser Koli­ken habe die träch­ti­ge Stu­te E. ein­ge­schlä­fert wer­den müs­sen. Ihm sei ein Scha­den ent­stan­den in Höhe von ins­ge­samt ca. 21.000 Euro, unter ande­rem in Höhe des Kauf­prei­ses für die Stu­te E. von 14.700 Euro, der Hälf­te des Ver­kaufs­er­lö­ses ihres Foh­lens im Erle­bens­fall von min­des­tens 10.000 Euro, näm­lich 5.000 Euro, in Höhe von ca. 1.200 Euro für die Behand­lung der drei Pfer­de und für die Ent­sor­gung eines Pfer­des. Wei­te­re Kos­ten sei­en für die Pfle­ge und Betreu­ung der kran­ken Tie­re ent­stan­den.
Der Beklag­te hat unter ande­rem vor­ge­tra­gen, er habe, da er kei­ne Erfah­rung mit Tie­ren beses­sen habe, nicht gewusst, dass das Füt­tern der Tie­re mit Heu zu Koli­ken füh­ren kön­ne.
Das Land­ge­richt Karls­ru­he hat mit Urteil vom 23.03.2007 die Kla­ge abge­wie­sen, da dem Beklag­ten ein Fahr­läs­sig­keits­vor­wurf nicht gemacht wer­den kön­ne.

Die gegen die­ses Urteil gerich­te­te Beru­fung des Klä­gers war teil­wei­se erfolg­reich.
Der 12. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he hat mit Urteil vom 17.01.2008 den Beklag­ten ver­ur­teilt, an den Klä­ger ca. 7.900 Euro zu bezah­len.
Das Füt­tern der Pfer­de mit fri­schem Heu stellt einen rechts­wid­ri­gen Ein­griff in das Eigen­tum des Klä­gers dar. Nach der Ver­neh­mung der Tier­ärz­tin und auf der Grund­la­ge eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens kam der Senat zu der Über­zeu­gung, dass das Ver­füt­tern des Heus Ursa­che für die Koli­ken bei allen drei Pfer­den war. Nach Erläu­te­rung des Sach­ver­stän­di­gen genü­gen ein oder zwei Hand­voll nicht abge­la­ger­tes Heu, um bei einem Pferd eine Kolik aus­zu­lö­sen. Der Ein­wand des Beklag­ten, mög­li­cher­wei­se sei das Han­deln Drit­ter, die die Pfer­de eben­falls gefüt­tert hät­ten, für die Koli­ken ursäch­lich, ist recht­lich nicht erheb­lich.
Der Beklag­te hat ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Land­ge­richts fahr­läs­sig gehan­delt. Dem Beklag­ten, der nach eige­ner Dar­stel­lung weder nähe­re Erfah­rung mit Pfer­den hat­te, noch über die Nah­rungs­ge­wohn­hei­ten der Tie­re infor­miert war, muss­te klar sein, dass er kei­ner­lei Kennt­nis­se über Nah­rungs­un­ver­träg­lich­kei­ten hat­te und er schon des­halb gehal­ten war, jeg­li­che Gabe von Fut­ter zu unter­las­sen. Zudem hät­te er erken­nen kön­nen und müs­sen, dass eine unge­re­gel­te und unkon­trol­lier­te Zufüt­te­rung eine Gefahr für die Gesund­heit der Tie­re dar­stel­len konn­te, zumal er nicht über­se­hen konn­te, wann die Pfer­de zuletzt gefüt­tert wor­den waren und zu wel­chem Zeit­punkt die nächs­te Füt­te­rung anstand. Dass es nicht zum All­ge­mein­wis­sen gehö­ren mag, dass fri­sches Heu für Pfer­de gefähr­lich ist, ver­mag ihn des­halb nicht zu ent­las­ten. Es wäre ihm ohne wei­te­res mög­lich gewe­sen, von einer Füt­te­rung der Pfer­de abzu­se­hen.

Der Beklag­te schul­det daher für die Stu­te E. deren Ver­kehrs­wert, den der Senat auf der Grund­la­ge eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens auf ca. 5.000 Euro bemisst. Sach­ver­stän­dig bera­ten hat der Senat dem Klä­ger dar­über hin­aus 1.200 Euro für das unge­bo­re­ne Foh­len sowie Behand­lungs­kos­ten für alle drei Pfer­de in Höhe von ca. 1.200 Euro zuge­spro­chen.
Inwie­weit sich aus dem Feh­len von Schil­dern, die das Füt­tern der Pfer­de aus­drück­lich ver­bie­ten, der Vor­wurf eines Mit­ver­schul­dens des Klä­gers her­lei­ten lie­ße, bedarf kei­ner abschlie­ßen­den Erör­te­rung. Der inso­weit beweis­pflich­ti­ge Beklag­te hat das Feh­len von Ver­bots­schil­dern nicht dar­ge­tan.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 17. Janu­ar 2008 – 12 U 73/​07