Ton­si­gna­le bis zu 120 dB – beim Hörtest

Auf die Tätig­keit im gesund­heits­hand­werk­li­chen Bereich einer Hör­akus­ti­ke­rin sind nicht die für Ärz­te gel­ten­den Rege­lun­gen etwa hin­sicht­lich der Doku­men­ta­ti­on der Befund­er­he­bung anzu­wen­den. Im Rah­men der Ermitt­lung der Unbe­hag­lich­keits­schwel­le ist es nicht zu bean­stan­den, dass man bei dem Hör­test zum Teil einer Laut­stär­ke von 120 dB aus­ge­setzt ist.

Ton­si­gna­le bis zu 120 dB – beim Hörtest

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall Ansprü­che wegen eines feh­ler­haft durch­ge­führ­ten Hör­tests zurück­ge­wie­sen. Gleich­zei­tig ist damit das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil des Land­ge­richts Frank­furt am Main1 bestä­tigt worden.

Nach einem Hör­sturz ließ der Klä­ger auf Ver­an­las­sung sei­nes HNO-Arz­tes bei der beklag­ten Hör­akus­ti­ke­rin einen Hör­test durch­füh­ren. Zum Hör­test gehör­te die Mes­sung der sog. Unbe­hag­lich­keits­schwel­le. Hier­bei wer­den Töne in klei­nen Schrit­ten von lei­se nach laut abge­ge­ben, um fest­zu­stel­len, wann die­se als unan­ge­nehm emp­fun­den wer­den. Dies wird übli­cher­wei­se bis zu einem Ton­si­gnal von 120 dB getestet.

Nach einer Woche klag­te der Klä­ger gegen­über sei­nem HNO-Arzt über ein stark ver­schlech­ter­tes Hör­ver­mö­gen und wur­de im Rah­men der anschlie­ßen­den Behand­lung mit Hör­ge­rä­ten ver­sorgt. Er begehrt nun­mehr von der Beklag­ten Scha­dens­er­satz wegen eines behaup­tet feh­ler­haft durch­ge­führ­ten Hör­tests. Er beruft sich u.a. dar­auf, dass 120 dB der Laut­stär­ke eines Düsen­flug­zeugs ent­spre­che und die­se Ton­si­gna­le extre­me Schmer­zen ver­ur­sacht hät­ten. Nach­dem vom Land­ge­richt Frank­furt a.M. die Kla­ge abge­wie­sen wor­den war, hat der Klä­ger sein Ziel mit der Beru­fung wei­ter verfolgt.

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In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. sich auf das ein­ge­hol­te Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten gestützt und erklärt, dass sich nicht fest­stel­len las­se, dass die Beklag­te den Hör­test nicht fach­ge­recht durch­ge­führt habe. Ins­be­son­de­re sei es aus fach­li­cher Sicht nicht zu bean­stan­den, dass der Klä­ger bei dem Hör­test zum Teil einer Laut­stär­ke von 120 dB aus­ge­setzt gewe­sen ist.

Außer­dem sei­en auf die Tätig­keit der Beklag­ten im gesund­heits­hand­werk­li­chen Bereich nicht die für Ärz­te gel­ten­den Rege­lun­gen etwa hin­sicht­lich der Doku­men­ta­ti­on der Befund­er­he­bung anzuwenden.

Dar­über hin­aus las­se dich der Hör­scha­den nicht auf den Hör­test zurück­füh­ren. Die Sach­ver­stän­di­ge habe soweit über­zeu­gend aus­ge­führt, dass der Klä­ger nach dem Hör­test kei­ne schlech­te­re Hör­leis­tung hat­te als zuvor.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 10. Dezem­ber 2020 – 26 U 29/​19

  1. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 14.06.2019 – 2–08 O 102/​18[]

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