Tou­ris­ten­fahrt auf dem Nür­burg­ring

Das soge­nann­te „Freie Fah­ren“ auf der Nord­schlei­fe des Nür­burg­rin­ges gilt als Tou­ris­ten­fahrt auf einer Renn­stre­cke und kann durch die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen einer Kraft­fahr­zeug­ver­si­che­rung vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­schlos­sen sein.

Tou­ris­ten­fahrt auf dem Nür­burg­ring

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines auf der Nord­schlei­fe ver­un­glück­ten Fah­rers ent­schie­den, der gegen sei­nen Voll­kas­ko­ver­si­che­rer sei­nen Leis­tungs­an­spruch ein­geg­klagt hat. Der kla­gen­de Ver­si­che­rungs­neh­mer aus Iser­lohn nimmt den beklag­ten Ver­si­che­rer aus Koblenz auf Leis­tung aus einer Voll­kas­ko­ver­si­che­rung in Anspruch. Die dem Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis zugrun­de­lie­gen­den All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für die Kraft­fahr­zeug­ver­si­che­rung ent­hal­ten unter Ziff. A.2.17.4 die Rege­lung, dass „für Tou­ris­ten­fahr­ten auf offi­zi­el­len Renn­stre­cken“ kein Ver­si­che­rungs­schutz besteht.

Im Juni 2015 ver­un­fall­te der Klä­ger mit sei­nem PKW Ford Focus im Rah­men eines so genann­ten „Frei­en Fah­rens“ – also außer­halb eines offi­zi­el­len Ren­nens – auf der Nord­schlei­fe des Nür­burg­rings. Auf­grund die­ses Scha­dens­falls ver­lang­te er von der Beklag­ten eine Ver­si­che­rungs­leis­tung in Höhe von ca. 8.200 Euro. Unter Hin­weis auf die genann­te Bestim­mung in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen lehn­te die Beklag­te die Regu­lie­rung ab.

In dem ange­streng­ten Kla­ge­ver­fah­ren hat der Klä­ger die Auf­fas­sung ver­tre­ten, bei dem „Frei­en Fah­ren“, an dem er teil­ge­nom­men habe, hand­le es sich nicht um eine „Tou­ris­ten­fahrt“ im Sin­ne der Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen. Außer­dem grei­fe die Klau­sel auch des­we­gen nicht ein, weil der Nür­burg­ring vor Fahrt­be­ginn von einer „öffent­li­chen Renn­stre­cke“ auf eine „maut­pflich­ti­ge Ein­bahn­stra­ße“ umge­wid­met wor­den sei.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm habe der Klä­ger an einer „Tou­ris­ten­fahrt“ teil­ge­nom­men. Bereits die Fahr­ord­nung und die Sicher­heits­re­geln des Betrei­bers des Nür­burg­rings wähl­ten die­sen Begriff für der­ar­ti­ge Fahr­ten. Für die­se Ein­ord­nung rei­che es aus, dass der Nür­burg­ring in Zei­ten orga­ni­sier­ter Ver­an­stal­tun­gen als „offi­zi­el­le Renn­stre­cke“ für ein Ren­nen die­ne und außer­halb die­ser Zei­ten dem öffent­li­chen Ver­kehr nicht frei zugäng­lich sei. Die Vor­aus­set­zun­gen einer „Tou­ris­ten­fahrt“ und einer „offi­zi­el­len Renn­stre­cke“ müss­ten nicht zeit­gleich vor­lie­gen.

Mit der Klau­sel brin­ge der Ver­si­che­rer klar zum Aus­druck, dass er das Risi­ko von Tou­ris­ten­fahr­ten auf offi­zi­el­len Renn­stre­cken nicht decken wol­le. Durch sie sei für einen durch­schnitt­li­chen Ver­si­che­rungs­neh­mer ohne wei­te­res erkenn­bar, dass der Ver­si­che­rer das erhöh­te Risi­ko von Unfäl­len im Rah­men auch „Frei­er Fahr­ten“ auf Renn­stre­cken außer­halb von offi­zi­el­len Ver­an­stal­tun­gen vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­schlie­ßen wol­le. Da der Klä­ger auf einer der­ar­ti­gen Fahrt ver­un­fallt sei, habe er kei­nen Leis­tungs­an­spruch gegen sei­nen Voll­kas­ko­ver­si­che­rer.

Die in den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ent­hal­te­ne Aus­schluss­klau­sel schließt den Leis­tungs­an­spruch des Klä­gers aus. Daher ist das Kla­ge­be­geh­ren erfolg­los geblie­ben.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, rechts­kräf­ti­ger Beschluss vom 8. März 2017 – 20 U 213/​16