Trep­pe ins Was­ser

Eine Trep­pe, die ins Was­ser führt und auf deren unte­ren Stu­fen auf­grund des Wel­len­gangs immer wie­der Was­ser schwappt, warnt vor sich selbst und begrün­det kei­ne dar­über hin­aus­ge­hen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht.

Trep­pe ins Was­ser

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Koblenz die Kla­ge einer Frau abge­wie­sen, die vom Betrei­ber eines Main­zer Rhein­stran­des Scha­dens­er­satz ver­langt hat, da sie auf einer dor­ti­gen nas­sen Trep­pe aus­rutsch­te, in den Rhein stürz­te und sich dabei u.a. das Hand­ge­lenk brach. In dem vom Beklag­ten betrie­be­nen Main­zer Rhein­strand befin­det sich eine brei­te Trep­pe, die sehr gut ein­seh­bar ist und direkt in den Rhein führt. Ober­halb der Trep­pe hat der Beklag­te das Rhein­ufer mit Sand auf­ge­füllt und führt dort einen Gas­tro­no­mie­be­trieb. Zum Zeit­punkt des Unfalls bot er zur Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft „public viewing“ an. Die Trep­pe befand sich aller­dings außer­halb des „public-viewing“-Bereichs.

Die Klä­ge­rin rutsch­te im Juni 2010 nach­mit­tags beim Betre­ten der vor­letz­ten, ober­halb des Was­sers befind­li­chen Stu­fe der Trep­pe aus, fiel auf ihren rech­ten Unter­arm und stürz­te in den Rhein. Sie erlitt eine Hand­ge­lenks­frak­tur und begehr­te von dem Beklag­ten u.a. Scha­dens­er­satz in Höhe von ca. 28.600,- € und Schmer­zens­geld in Höhe von 3.000,- € mit der Begrün­dung, der Beklag­te habe nicht aus­rei­chend auf die Sturz­ge­fahr hin­ge­wie­sen. Der Beklag­te erwi­der­te, es sei­en Warn­schil­der vor­han­den und er habe zusätz­lich Sicher­heits­kräf­te ein­ge­setzt.

Bereits das Land­ge­richt hat­te die Kla­ge abge­wie­sen, da es kei­ne Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht durch den Beklag­ten erken­nen konn­te. Gegen die­se Ent­schei­dung leg­te die Klä­ge­rin Beru­fung ein.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Koblenz habe zwar ein Gast­wirt im Rah­men des Zumut­ba­ren für die Sicher­heit sei­ner Gäs­te Sor­ge zu tra­gen. Der Beklag­te sei gemäß dem Pacht­ver­trag mit der Stadt Mainz auch für den ord­nungs­ge­mä­ßen Zustand der Anla­ge ver­ant­wort­lich. Er habe aber im Hin­blick auf die nas­sen Stu­fen kei­ner­lei Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht ver­letzt. Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht umfas­se die­je­ni­gen Maß­nah­men, die ein umsich­ti­ger und ver­stän­di­ger Mensch für not­wen­dig und aus­rei­chend hal­te, um ande­re vor Schä­den zu bewah­ren. Die Pflicht begin­ne immer erst dort, wo auch für den auf­merk­sa­men Ver­kehrs­teil­neh­mer eine Gefah­ren­la­ge über­ra­schend ein­tre­te oder jeden­falls nicht ohne wei­te­res erkenn­bar sei. Dies sei nach den Umstän­den des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les zu beur­tei­len.

Wer eine Trep­pe betre­te, die auf­grund des Wel­len­gangs jeden­falls an den unte­ren Stu­fen nass sein müs­se, habe sich auf die­sen Zustand der Trep­pe ein­zu­stel­len. Vor­lie­gend sei es offen­sicht­lich gewe­sen, dass die Gäs­te den brei­ten und über­sicht­li­chen Trep­pen­ab­gang zum Rhein vor allem nutz­ten, um die Füße in das Was­ser zu hal­ten. Zudem schwap­pe durch den übli­chen Wel­len­gang immer wie­der Was­ser über die unte­ren Stu­fen. Die damit ver­bun­de­ne Näs­se sei von jedem unmit­tel­bar zu erken­nen. Die Gefah­ren­stel­le war­ne daher vor sich selbst und begrün­de kei­ne dar­über hin­aus­ge­hen­de Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht für den Betrei­ber. Die Klä­ge­rin kön­ne daher den Beklag­ten nicht erfolg­reich auf Ersatz des Scha­dens in Anspruch neh­men.

Ober­lan­des­ge­richt Koblenz, Beschlüs­se vom 7. und 31. Mai 2012 – 8 U 1030/​11