Über­bau – und das Recht zum Abriss

Eine Ver­pflich­tung des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers, den Über­bau auf dem Nach­bar­grund­stück ste­hen zu las­sen, besteht nicht.

Über­bau – und das Recht zum Abriss

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs umfasst das Recht des Eigen­tü­mers nach § 903 BGB, mit sei­nem Eigen­tum nach Belie­ben zu ver­fah­ren, auch die Befug­nis, einen Über­bau auf dem Nach­bar­grund­stück zu besei­ti­gen, der zum wesent­li­chen Bestand­teil des eige­nen Grund­stücks gewor­den ist. Aus­drück­lich ent­schie­den hat der Bun­des­ge­richts­hof die Fra­ge aller­dings nur für den Fall, dass das Gebäu­de, das auf das Nach­bar­grund­stück über­ge­baut wor­den ist, voll­stän­dig besei­tigt wird. In die­sem Fall ist es gleich­gül­tig, an wel­chem Teil des Gebäu­des mit des­sen voll­stän­di­gem Abbruch begon­nen wird1.

Offen gelas­sen hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­lang, ob die­se Grund­sät­ze auch dann gel­ten, wenn der Abbruch nicht im Rah­men eines ein­heit­li­chen Bau­vor­ha­bens erfolgt2. Die­se Fra­ge bedurf­te aber auch im vor­lie­gen­den Fall kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Der hier zu beur­tei­len­de Abbruch des Plat­ten­bau­rests ist näm­lich Teil eines ein­heit­li­chen Bau­vor­ha­bens. Die Eigen­tü­me­rin des Stamm­grund­stücks hat­te von vorn­her­ein vor, den Plat­ten­bau ins­ge­samt, auch auf dem Grund­stück der GbR, abzu­rei­ßen. Sie ist dar­an nur durch die Inter­ven­ti­on der Nach­ba­rin gehin­dert wor­den. Die­se ändert jedoch an der Ein­heit­lich­keit der Abbruch­maß­nah­me nichts.

Im Übri­gen legt die Rege­lung in § 914 Abs. 1 Satz 2 BGB nahe, dass der Eigen­tü­mer des Stamm­grund­stücks einen Über­bau auch iso­liert besei­ti­gen darf. Nach die­ser Vor­schrift erlischt die Ren­ten­pflicht des Eigen­tü­mers des Stamm­grund­stücks mit der Besei­ti­gung des Über­baus. Das setzt gedank­lich vor­aus, dass der Eigen­tü­mer des Stamm­grund­stücks den Über­bau jeden­falls dann iso­liert abbre­chen darf, wenn dem Nach­barn dadurch kein Scha­den zuge­fügt wird3.

Weiterlesen:
Zwangsversteigerung - und die vom Gläubiger bestrittene Erfüllung

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juli 2020 – V ZR 156/​19

  1. BGH, Urteil vom 23.09.1988 – V ZR 231/​87, BGHZ 105, 202, 204 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 23.09.1988 – V ZR 231/​87, BGHZ 105, 202, 205 a.E.[]
  3. so zutref­fend Staudinger/​Roth, BGB [2016], § 912 Rn. 45[]

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