Über­bau – und der Anbau an die Nach­bar­wand

Durch den Anbau eines Hau­ses an die Außen­wand des nach­bar­li­chen Hau­ses auf dem nach­bar­li­chen Grund­stück ohne Errich­tung einer eige­nen Außen­wand, ent­steht kein Über­bau.

Über­bau – und der Anbau an die Nach­bar­wand

Es han­delt sich in einem sol­chen Fall gera­de nicht um eine Ver­tie­fung des Nach­bar­grund­stücks im Sin­ne von § 909 BGB. Zwar mag es im Ansatz zutref­fend sein, dass der Bun­des­ge­richts­hof eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 909 BGB auch dann bejaht hat, wenn kei­ne Ver­tie­fung des Grund­stücks im engen Wort­sin­ne zu ver­zeich­nen war, letzt­lich kann dies vor­lie­gend aber dahin­ste­hen, denn allen Ent­schei­dun­gen des BGH ist gemein, dass für die Anwen­dung des § 909 BGB jeden­falls erfor­der­lich ist, dass der Boden des Nach­bar­grund­stücks – hier also des Grund­stücks der Klä­ge­rin – die erfor­der­li­che Stüt­ze ver­liert 1. Hier­von kann vor­lie­gend kei­ne Rede sein, denn die Klä­ge­rin behaup­tet nicht, dass der Boden ihres Grund­stücks durch die Abriss­maß­nah­men des Beklag­ten einen Stütz­ver­lust erlit­ten hat. Auf die Stand­fes­tig­keit der streit­ge­gen­ständ­li­chen Mau­er bzw. deren angeb­li­che unzu­rei­chen­de Fun­da­men­tie­rung kommt es nicht an, denn hier­bei han­delt es sich eben nicht um den Stütz­ver­lust des Nach­bar­grund­stücks im Sin­ne von § 909 BGB, hier also des Grund­stücks der Klä­ge­rin, denn die Mau­er steht auf dem Grund­stück des Beklag­ten.

Dar­über hin­aus hat der BGH erst in jün­ge­rer Zeit wie­der betont, dass der Abbruch eines ober­ir­di­schen Bau­werks – wie hier – einer Ver­tie­fung des Grund­stücks selbst dann nicht gleich­ge­setzt wer­den kann, wenn hier­durch das angren­zen­de Grund­stück sei­nen Halt ver­liert 2.

Ansprü­che des Nach­barn aus dem soge­nann­ten nach­bar­li­chen Gemein­schafts­ver­hält­nis in Ver­bin­dung mit § 242 BGB und ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die §§ 921, 922 BGB ver­neint das Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock im vor­lie­gen­den Fall eben­falls:

Bei der streit­be­fan­ge­nen Mau­er han­delt es sich eben nicht um eine Grenz­an­la­ge im Sin­ne von § 921 BGB, näm­lich um eine soge­nann­te Nach­bar­wand bzw. Kom­mun­mau­er, weil sie aus­schließ­lich und voll­stän­dig auf dem Grund­stück des Beklag­ten und daher in des­sen Allein­ei­gen­tum steht; es han­delt sich viel­mehr um eine Grenz­wand im enge­ren Sin­ne 3. Durch einen Anbau wird die Wand weder Mit­ei­gen­tum noch Grenz­ein­rich­tung im Sin­ne von § 921 BGB 4. Bei einem Abriss des Gebäu­des des Eigen­tü­mers ohne die Wand – wie hier – ändert sich an der recht­li­chen Ein­ord­nung nichts 5.

Lässt der Eigen­tü­mer – wie hier – die Wand ste­hen, ist er ins­be­son­de­re nicht ver­pflich­tet, die­se etwa gegen Wit­te­rungs­ein­flüs­se oder Ähn­li­ches zu schüt­zen oder sons­ti­ge Maß­nah­men zu tref­fen 6.

Ober­lan­des­ge­richt Ros­tock, Urteil vom 12. März 2015 – 3 U 37/​14

  1. vgl. etwa BGH, Urteil vom 26.11.1982, V ZR 314/​81, NJW 1983, 872; Urteil vom 19.09.1979, V ZR 22/​78, NJW 1980, 224; Urteil vom 13.07.1965, V ZR 169/​64, NJW 1965, 2099[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.06.2012, V ZR 97/​11, MDR 2012, 1027[]
  3. vgl. dazu nur Palandt/​Bassenge, BGB, 74. Aufl., § 921 Rn. 5 ff. u. 13 ff. m.w.N.[]
  4. vgl. Palandt/​Bassenge, a.a.O. Rn. 15 m.w.N.[]
  5. vgl. Palandt/​Bassenge, a.a.O. m.w.N.[]
  6. vgl. BGH, Urt. 18.02.2011, V ZR 137/​10, NJW-RR 2011, 515; Urteil vom 16.04.2010, V ZR 171/​09, NJW 2010, 1808; OLG Naum­burg, Urteil vom 23.12.2010, 2 U 79/​10, BauR 2011, 1062; OLG Mün­chen, Urteil vom 20.12.2001, 24 U 838/​99, OLGR Mün­chen 2002, 228; Palandt/​Bassenge, a.a.O. m.w.N.[]