Über­ein­stim­men­de Rechts­an­sich­ten der Par­tei­en

Ein Gericht ist an die über­ein­stim­men­de Rechts­auf­fas­sung von Par­tei­en nicht gebun­den. Die Gerich­te kön­nen auch zuguns­ten einer Par­tei von deren Rechts­mei­nung abwei­chen [1].

Über­ein­stim­men­de Rechts­an­sich­ten der Par­tei­en

Die Par­tei­en kön­nen aber bestimm­te Tat­sa­chen durch all­ge­mein gebräuch­li­che, ein­fa­che recht­li­che Aus­drü­cke in den Rechts­streit ein­füh­ren, wenn die­se den Teil­neh­mern des Rechts­ver­kehrs geläu­fig sind und das Vor­lie­gen ent­spre­chen­der tat­säch­li­cher Umstän­de mit ihnen in Ver­bin­dung gebracht wird. Die Par­tei­en lösen auch auf die­se Wei­se eine Erklä­rungs­pflicht der Gegen­sei­te gemäß § 138 Abs. 2 ZPO aus [2]. Im Gebrauch des betref­fen­den Rechts­be­griffs (hier:) durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann dann die kom­pri­mier­te Fest­stel­lung der mit ihm regel­mä­ßig ver­bun­de­nen Tat­sa­chen iSv. § 559 Abs. 2 ZPO zu erbli­cken sein [3].

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Tat­be­stand und in den Ent­schei­dungs­grün­den des ange­foch­te­nen Urteils mehr­fach das Ver­trags­ver­hält­nis der Par­tei­en als „Arbeits­ver­hält­nis“ sowie den Klä­ger als „Arbeit­neh­mer“ bezeich­net. Es han­delt sich hier­bei um ein­fa­che Rechts­be­grif­fe und damit um Recht­s­tat­sa­chen [4]. Der Klä­ger hat den Aus­druck „Arbeit­neh­mer“ zur Beschrei­bung sei­nes Rechts­sta­tus auch in einem tat­säch­li­chen Sinn gebraucht, indem er vor einem Arbeits­ge­richt den Son­der­kün­di­gungs­schutz für Arbeit­neh­mer nach § 4f Abs. 3 Satz 5 BDSG aF in Anspruch genom­men und zudem die Rüge feh­len­der sozia­ler Recht­fer­ti­gung der Kün­di­gung erho­ben hat, die nur für Arbeit­neh­mer in einem Arbeits­ver­hält­nis erfolg­ver­spre­chend ist. Die Beklag­te ist dem vor­in­stanz­lich nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. Das Nicht­be­strei­ten von Recht­s­tat­sa­chen hat die Geständ­nis­fik­ti­on des § 138 Abs. 3 ZPO zur Fol­ge [5].

In dem Hin­weis der Beklag­ten auf das Feh­len kon­kre­ter Fest­stel­lun­gen liegt kei­ne zuläs­si­ge Ver­fah­rens­rüge iSv. § 551 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. b ZPO. Die Beklag­te bezeich­net kein tat­säch­li­ches Ver­hal­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts, das einen Ver­fah­rens­man­gel ergä­be [6].

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 5. Dezem­ber 2019 – 2 AZR 223/​19

  1. BAG 31.07.2014 – 2 AZR 422/​13, Rn. 21, BAGE 149, 18[]
  2. BAG 6.11.2007 – 1 AZR 862/​06, Rn. 13, BAGE 124, 323; vgl. BGH 19.03.2004 – V ZR 104/​03, zu II 1 aa der Grün­de, BGHZ 158, 295[]
  3. BAG 31.07.2014 – 2 AZR 422/​13, Rn. 22, BAGE 149, 18[]
  4. zum Begriff „Arbeits­ver­hält­nis“ vgl. BAG 26.06.2019 – 5 AZR 178/​18, Rn.19 f.[]
  5. BAG 16.12 2010 – 6 AZR 487/​09, Rn. 38, BAGE 136, 340[]
  6. vgl. BAG 6.11.2007 – 1 AZR 862/​06, Rn. 14, BAGE 124, 323[]