Über­mitt­lung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze per Tele­fax

Bei der Über­mitt­lung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze per Tele­fax soll die Über­prü­fung des Sen­de­be­richts anhand eines aktu­el­len Ver­zeich­nis­ses oder einer ande­ren geeig­ne­ten Quel­le auch sicher­stel­len, dass der Schrift­satz tat­säch­lich über­mit­telt wor­den ist.

Über­mitt­lung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze per Tele­fax

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss der Rechts­an­walt bei Ver­sen­dung von Schrift­sät­zen per Tele­fax durch orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen sicher­stel­len, dass die Tele­fax-Num­mer des ange­schrie­be­nen Gerichts ver­wen­det wird. Hier­zu gehört, dass bei der erfor­der­li­chen Aus­gangs­kon­trol­le in der Regel ein Sen­de­be­richt aus­ge­druckt und die­ser auf die Rich­tig­keit der ver­wen­de­ten Emp­fän­ger­Num­mer über­prüft wird, um nicht nur Feh­ler bei der Ein­ga­be, son­dern auch bereits bei der Ermitt­lung der Fax-Num­mer oder ihrer Über­tra­gung in den Schrift­satz auf­de­cken zu kön­nen. Die Über­prü­fung der Rich­tig­keit der im Sen­de­be­richt aus­ge­wie­se­nen Emp­fän­ger­Num­mer ist anhand eines aktu­el­len Ver­zeich­nis­ses oder einer ande­ren geeig­ne­ten Quel­le vor­zu­neh­men, aus dem bzw. der die Fax-Num­mer des Gerichts her­vor­geht, für das die Sen­dung bestimmt ist [1]. Die­se Art der Aus­gangs­kon­trol­le soll nicht nur Feh­ler bei der Über­mitt­lung aus­schlie­ßen, son­dern auch die Fest­stel­lung ermög­li­chen, ob der Schrift­satz auch tat­säch­lich über­mit­telt wor­den ist. Eine Not­frist darf erst nach einer sol­chen Kon­trol­le des Sen­de­be­richts gelöscht wer­den [2].

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs für den Aus­schluss des einer Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­schul­dens ihres Anwalts (§ 85 Abs. 2, § 233 ZPO) kommt es zwar auf all­ge­mei­ne orga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen bzw. Anwei­sun­gen für die Fris­t­wah­rung in einer Anwalts­kanz­lei nicht mehr an, wenn der Rechts­an­walt einer Kanz­lei­an­ge­stell­ten, die sich bis­her als zuver­läs­sig erwie­sen hat, eine kon­kre­te Ein­zel­an­wei­sung erteilt, die bei Befol­gung die Fris­t­wah­rung gewähr­leis­tet hät­te [3].

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall erfüllt die vom Klä­ger vor­ge­tra­ge­ne und durch die eides­statt­li­che Ver­si­che­rung der Kanz­lei­an­ge­stell­ten glaub­haft gemach­te Ein­zel­an­wei­sung die Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung aber nicht. Es ist nicht ein­mal vor­ge­tra­gen, dass die Kanz­lei­an­ge­stell­te ange­wie­sen wor­den sei, nach Über­sen­dung der Beru­fungs­schrift den Sen­de­be­richt aus­zu­dru­cken und die­sen auf die Rich­tig­keit der ver­wen­de­ten – nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts unvoll­stän­di­gen – Emp­fän­ger-Num­mer anhand eines aktu­el­len Ver­zeich­nis­ses oder einer ande­ren geeig­ne­ten Quel­le zu über­prü­fen und die Not­frist erst zu löschen, wenn eine sol­che Über­prü­fung erfolgt ist.

Eine all­ge­mei­ne Büro­an­wei­sung der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Klä­gers, aus denen sich eine Anord­nung hin­sicht­lich der Prü­fungs­pflich­ten der Büro­an­ge­stell­ten nach Über­mitt­lung frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze per Tele­fax ergibt, ist im hier ent­schie­de­nen Fall eben­falls nicht vor­ge­tra­gen. Eine sol­che lässt sich auch nicht der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung der Büro­an­ge­stell­ten ent­neh­men, wonach sie regel­mä­ßig die Sen­de­pro­to­kol­le auf ent­spre­chen­de Ein­tra­gun­gen unter­su­che und dar­auf ach­te, dass das Ergeb­nis als „ok“ im Sen­de­pro­to­koll auf­ge­führt sei. Dar­aus ergibt sich weder, dass inso­weit eine all­ge­mei­ne Büro­an­wei­sung besteht noch dass die­se den Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung ent­spricht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Juni 2012 – VI ZB 54/​11

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 27.03.2012 – VI ZB 49/​11; BGH, Beschlüs­se vom 04.02.2010 – I ZB 3/​09, VersR 2011, 1543 Rn. 14; vom 12.05.2010 – IV ZB 18/​08, NJW 2010, 2811 Rn. 11; vom 24.06.2010 – III ZB 63/​09; vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, NJW 2011, 312 Rn. 10, jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 16.06.1998 – XI ZB 13/​98, – XI ZB 14/​98, VersR 1999, 996; vom 07.07.2010 – XII ZB 59/​10, NJW-RR 2010, 1648 Rn. 12, 14[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 15.04.2008 – VI ZB 29/​07; vom 13.04.2010 – VI ZB 65/​08, NJW 2010, 2287 Rn. 5; vom 20.09.2011 – VI ZB 23/​11, VersR 2011, 1544 Rn. 8[]