Über­prü­fung der erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen durch das Beru­fungs­ge­richt

Nach § 513 Abs. 1 ZPO kann die Beru­fung nur dar­auf gestützt wer­den, dass die Ent­schei­dung auf einer Rechts­ver­let­zung (§ 546 ZPO) beruht oder nach § 529 ZPO zugrun­de zu legen­de Tat­sa­chen eine ande­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen.

Über­prü­fung der erst­in­stanz­li­chen Fest­stel­lun­gen durch das Beru­fungs­ge­richt

Nach § 529 ZPO sind dabei die vom Gericht des ers­ten Rechts­zu­ges fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen zugrun­de zu legen, soweit nicht kon­kre­te Anhalts­punk­te Zwei­fel an der Rich­tig­keit oder Voll­stän­dig­keit der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Fest­stel­lun­gen begrün­den und des­halb eine erneu­te Fest­stel­lung gebie­ten.

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 513 ZPO sind nicht erfüllt, wenn weder Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit der fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen bestehen, die eine ande­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen wür­den, noch das Urteil im Übri­gen auf einer Rechts­ver­let­zung beruht.

Zwei­fel an der Rich­tig­keit der vom Amts­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen sind erst dann gege­ben, wenn auf Grund kon­kre­ter objek­ti­ver Anhalts­punk­te eine gewis­se – nicht not­wen­dig über­wie­gen­de – Wahr­schein­lich­keit dahin­ge­hend besteht, dass eine erneu­te Beweis­auf­nah­me in zwei­ter Instanz zu einem abwei­chen­den Beweis­ergeb­nis füh­ren wür­de [1]. Es genügt inso­weit nicht, wenn der Beru­fungs­füh­rer dar­legt, dass auch eine ande­re Beweis­wür­di­gung als die vom Amts­ge­richt vor­ge­nom­me­ne mög­lich ist, was sich nach Akten­la­ge fast stets schlüs­sig begrün­den lie­ße.

Gera­de kom­ple­xen Kri­te­ri­en wie etwa der Glaub­wür­dig­keit eines Zeu­gen wür­de dies nicht gerecht.

Das Beru­fungs­ge­richt über­prüft die erst­in­stanz­li­che Beweis­wür­di­gung dem­nach ins­be­son­de­re auf ihre Nach­voll­zieh­bar­keit anhand all­ge­mei­ner Denk­ge­set­ze, auf inne­re Schlüs­sig­keit und Wider­spruchs­frei­heit sowie auf Voll­stän­dig­keit und Über­zeu­gungs­kraft. Denn das Gericht hat gem. § 286 ZPO den gesam­ten Inhalt der Ver­hand­lun­gen und des Ergeb­nis­ses einer etwai­gen Beweis­auf­nah­me nach frei­er Über­zeu­gung bei sei­ner Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen.

Land­ge­richt Kiel, Beschluss vom 11. Janu­ar 2016 – 1 S 254/​14

  1. vgl. Zöller/​Heßler, ZPO, 31. Aufl., § 529 Rn. 7; Ball in: Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 529 Rn. 5, 18; BT-Drs. 14/​6036, S. 124[]