Über­zo­ge­ne Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen

Eine Par­tei genügt ihrer Dar­le­gungs­last bereits dann, wenn sie Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net sind, das gel­tend gemach­te Recht als in ihrer Per­son ent­stan­den erschei­nen zu las­sen.

Über­zo­ge­ne Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen

Wer­den die hier­aus resul­tie­ren­den Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen vom Gericht offen­kun­dig über­spannt und dadurch ver­säumt, den Sach­vor­trag des Klä­gers in der nach Art. 103 Abs. 1 GG gebo­te­nen Wei­se zur Kennt­nis zu neh­men und gege­be­nen­falls Beweis zu erhe­ben, stellt dies einen Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG dar 1.

Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines erheb­li­chen Beweis­an­ge­bots ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG, wenn sie im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze mehr fin­det 2.

Das gilt auch dann, wenn der Tatrich­ter die­ses Vor­brin­gen zwar zur Kennt­nis genom­men hat, das Unter­las­sen der danach gebo­te­nen Beweis­auf­nah­me aber im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze mehr fin­det 3.

Das Beru­fungs­ge­richt darf den Antrag nicht des­we­gen unbe­rück­sich­tigt las­sen, weil bereits ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten in ers­ter Instanz ein­ge­holt wor­den war, wenn es das Gut­ach­ten zu die­sem Punkt für völ­lig unbrauch­bar hält. Denn damit war der ent­spre­chen­de Beweis­an­trag noch nicht erle­digt. Die Situa­ti­on stell­te sich – zu die­ser Fra­ge – nicht anders dar, als läge noch kein gericht­li­ches Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten vor. Das Beru­fungs­ge­richt hät­te des­halb min­des­tens den Sach­ver­stän­di­gen zur Erläu­te­rung sei­nes bis­her unbrauch­ba­ren Gut­ach­tens ver­an­las­sen oder gemäß § 412 Abs. 1 ZPO vor­ge­hen müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Novem­ber 2016 – VII ZR 23/​14

  1. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Beschluss vom 06.02.2014 – VII ZR 160/​12, NZBau 2014, 221 Rn. 12 m.w.N.[]
  2. st. Rspr., vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.05.2015 – VII ZR 78/​13, BauR 2015, 1528 Rn. 7; vom 22.08.2012 – VII ZR 2/​11, BauR 2012, 1822 Rn. 14 m.w.N.[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 20.05.2015 – VII ZR 78/​13, aaO; vom 07.12 2006 – IX ZR 173/​03, NJW-RR 2007, 500 Rn. 9 m.w.N.[]