Umbau­ten am Gemein­schafts­ei­gen­tum – und der Unter­las­sungs­an­spruch eines Woh­nungs­ei­gen­tü­mers

Grund­sätz­lich kann jeder Woh­nungs­ei­gen­tü­mer von den übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mern ver­lan­gen, dass das Gemein­schafts­ei­gen­tum plan­ge­recht her­ge­stellt wird. Der Anspruch wird durch den Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) begrenzt und ent­fällt des­halb, wenn sei­ne Erfül­lung den übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mern nach den Umstän­den des Ein­zel­falls nicht zuzu­mu­ten ist.

Umbau­ten am Gemein­schafts­ei­gen­tum – und der Unter­las­sungs­an­spruch eines Woh­nungs­ei­gen­tü­mers

Da unter Instand­set­zung auch die erst­ma­li­ge Her­stel­lung des Gemein­schafts­ei­gen­tums zu ver­ste­hen ist 1, kann jeder Woh­nungs­ei­gen­tü­mer nach § 21 Abs. 4 i.V.m. Abs. 5 Nr. 2 WEG von den übri­gen Mit­glie­dern der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft grund­sätz­lich ver­lan­gen, dass das Gemein­schafts­ei­gen­tum plan­ge­recht her­ge­stellt wird 2. Beschlie­ßen die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer die plan­ge­rech­te Her­rich­tung der Wohn­an­la­ge auf Kos­ten der Gemein­schaft 3 mehr­heit­lich nach § 21 Abs. 3 WEG, sind die hier­von betrof­fe­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer ab die­sem Zeit­punkt nach § 14 Nr. 4 WEG zur Dul­dung des Umbaus ver­pflich­tet. § 22 WEG steht dem nicht ent­ge­gen, weil die erst­ma­li­ge plan­ge­rech­te Her­rich­tung kei­ne bau­li­che Ver­än­de­rung im Sin­ne der genann­ten Norm dar­stellt, und zwar im Grund­satz auch dann, wenn ein Gebäu­de plan­wid­rig erstellt wur­de und sodann die Plan­wid­rig­keit beho­ben wird 4.

Der Anspruch auf erst­ma­li­ge Her­stel­lung eines den Plä­nen ent­spre­chen­den Zustands wird aller­dings durch den Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) begrenzt und ent­fällt des­halb, wenn sei­ne Erfül­lung den übri­gen Woh­nungs­ei­gen­tü­mern nach den Umstän­den des Ein­zel­falls nicht zuzu­mu­ten ist 5. So kann es etwa lie­gen, wenn die plan­ge­rech­te Her­stel­lung tief­grei­fen­de Ein­grif­fe in das Bau­werk erfor­dert oder Kos­ten ver­ur­sacht, die auch unter Berück­sich­ti­gung der berech­tig­ten Belan­ge der von der abwei­chen­den Bau­aus­füh­rung unmit­tel­bar betrof­fe­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer unver­hält­nis­mä­ßig sind. In einem sol­chen Fall sind die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer ver­pflich­tet, Tei­lungs­ver­trag und Auf­tei­lungs­plan so zu ändern, dass die­se der tat­säch­li­chen Bau­aus­füh­rung ent­spre­chen 6. Die Inter­es­sen der hier­von nach­tei­lig betrof­fe­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer wer­den dadurch gewahrt, dass sie jeden­falls gra­vie­ren­de Abwei­chun­gen zu Las­ten ihres Son­der­ei­gen­tums unter Umstän­den nur gegen eine Aus­gleichs­zah­lung hin­neh­men müs­sen 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Novem­ber 2014 – V ZR 118/​13

  1. vgl. nur Mer­le in Bär­mann, aaO, § 21 Rn. 118 mwN[]
  2. vgl. Mer­le in Bär­mann, aaO, § 22 Rn.20 u. 22 mwN; KG, NJW-RR 1991, 1421 f.[]
  3. vgl. BayO­bLG NJW-RR 1987, 717, 718; KG, NJW-RR 1991, 1421, 1422[]
  4. vgl. BayO­bLG, NJW-RR 1986, 954, 955; Hogen­schurz in Jen­ni­ßen, WEG, 4. Aufl., § 22 Rn. 7 f.; Mer­le in Bär­mann, aaO, § 22 Rn.20 u. 22; jeweils mwN[]
  5. vgl. BayO­bLG, ZMR 2004, 524, 525 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 05.12 2003 – – V ZR 447/​01, NJW 2004, 1798, 1800 für einen son­der­ei­gen­tums­lo­sen Mit­ei­gen­tums­an­teil und Urteil vom 11.05.2012 – – V ZR 189/​11, NJW-RR 2012, 1036 Rn. 11[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 05.12 2003 – V ZR 447/​01, aaO[]