Umbu­cher-Wucher

Der Rei­se­ver­an­stal­ter darf den Kun­den bei Ein­tritt eines Drit­ten in den Rei­se­ver­trag mit den­je­ni­gen Mehr­kos­ten belas­ten, die sich dar­aus erge­ben, dass die Tarif­be­din­gun­gen der Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men typi­scher­wei­se nach bestä­tig­ter Buchung kei­nen Wech­sel in der Per­son des Flug­gas­tes („name chan­ge”) mehr zulas­sen und des­halb eine neue Flug­bu­chung erfor­dern.

Umbu­cher-Wucher

Dies stell­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in zwei Ent­schei­dun­gen klar. Im ers­ten vom BGH ent­schie­de­nen Fall 1 buch­te der Kun­de buch­te bei der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin für sei­ne Eltern eine ein­wö­chi­ge Rei­se von Ham­burg nach Dubai zu einem Gesamt­preis von 1.398 €. Die Luft­be­för­de­rung zum Rei­se­ziel soll­te nach dem Ver­trag mit einer Lini­en­flug­ge­sell­schaft erfol­gen. Wegen einer Erkran­kung sei­ner Mut­ter erkun­dig­te sich der Kun­de zwei Tage vor Abflug nach den Bedin­gun­gen eines Ein­tritts zwei­er ande­rer Per­so­nen in den Rei­se­ver­trag. Die Rei­se­ver­an­stal­te­rin teil­te ihm am nächs­ten Tag mit, dass eine Umbu­chung ent­we­der den Erwerb von Busi­ness-Class-Tickets mit Mehr­kos­ten in Höhe von 1.850 € pro Per­son oder neu­er Eco­no­my-Class-Tickets mit einer ande­ren Abflug­zeit und Mehr­kos­ten in Höhe von 725 € pro Per­son erfor­de­re. Der Kun­de trat dar­auf­hin vom Rei­se­ver­trag zurück.

In der zwei­ten Sache 2 buch­ten die Kun­din und ein vor­ge­se­he­ner Mit­rei­sen­der, der der Kun­din sei­ne Ansprü­che abge­tre­ten hat, bei der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin eine zehn­tä­gi­ge Rei­se von Ber­lin nach Phu­ket (Thai­land) zu einem Gesamt­preis von 2.470 €. Die Luft­be­för­de­rung zum Rei­se­ziel soll­te wie­der­um mit einer Lini­en­flug­ge­sell­schaft erfol­gen. Wegen einer Erkran­kung des Mit­rei­sen­den bat die Kun­din zwei Tage vor Abflug um den Ein­tritt zwei­er ande­rer Per­so­nen in den Rei­se­ver­trag. Die Rei­se­ver­an­stal­te­rin teil­te ihr am nächs­ten Tag mit, dass eine Umbu­chung den Erwerb neu­er Flug­ti­ckets mit Mehr­kos­ten in Höhe von 1.648 € pro Per­son erfor­de­re. Die Kun­din und ihr Mit­rei­sen­der tra­ten dar­auf­hin vom Rei­se­ver­trag zurück.

In bei­den Fäl­len stell­te der Rei­se­ver­an­stal­ter den Kun­den eine Rück­tritts­ent­schä­di­gung in Höhe von 85 bzw. 90 % des Rei­se­prei­ses in Rech­nung und zahl­te nur den rest­li­chen Rei­se­preis zurück. Die Kun­den ver­lan­gen jeweils Rück­zah­lung des vol­len Rei­se­prei­ses.

Mit ihren Kla­gen wan­ren bei­de Kun­den erst­in­stanz­lich beim Amts­ge­richt Mün­chen erfolg­los 3, wäh­rend das Land­ge­richt Mün­chen I auf ihre Beru­fung hin den Kla­gen statt­ge­ge­ben hat 4. Das Land­ge­richt Mün­chen I hat ange­nom­men, dem Rei­se­ver­an­stal­ter sei ein Anspruch auf ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung für den Ver­lust des Anspruchs auf den Rei­se­preis infol­ge des vom Klä­ger erklär­ten Rück­tritts nach § 651i Abs. 2 und 3 BGB zu ver­sa­gen, da die Rei­se­ver­an­stal­te­rin den Rück­tritt durch eine schuld­haf­te Ver­let­zung ihrer Ver­trags­pflich­ten ver­ur­sacht habe. Mit dem Ange­bot, den Ver­trag nur gegen erheb­li­che Mehr­kos­ten auf ande­re Rei­sen­de zu über­tra­gen, sei die Rei­se­ver­an­stal­te­rin ihrer gesetz­li­chen Ver­pflich­tung nach § 651b Abs. 1 BGB nicht nach­ge­kom­men, dem Rei­sen­den eine sol­che Über­tra­gung zu ermög­li­chen. Weder die – auf den von der Rei­se­ver­an­stal­te­rin mit den Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen beru­hen­den – höhe­ren Kos­ten einer Beför­de­rung in der Busi­ness Class noch die Kos­ten für den Erwerb neu­er Eco­no­my-Class-Tickets gehör­ten zu den Mehr­kos­ten, die der Rei­se­ver­an­stal­ter nach § 651b Abs. 2 BGB bei Ein­tritt eines Drit­ten in den Rei­se­ver­trag ver­lan­gen kön­ne.

Auf die Revi­si­on der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­ter hat nund er Bun­des­ge­richts­hof die Beru­fungs­ur­tei­le des Land­ge­richts Mün­chen I auf­ge­ho­ben und die kla­ge­ab­wei­sen­den erst­in­stanz­li­chen Urtei­le des Amts­ge­richts Mün­chen wie­der­her­ge­stellt:

Der Rei­se­ver­an­stal­ter muss dem Kun­den zwar nach § 651b Abs. 1 BGB die Über­tra­gung des Anspruchs auf die Rei­se­leis­tun­gen auf einen Drit­ten ermög­li­chen. Hier­durch ent­ste­hen­de Mehr­kos­ten muss er jedoch nicht selbst tra­gen, son­dern kann den Kun­den und den Drit­ten damit belas­ten, die hier­für als Gesamt­schuld­ner haf­ten.

Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist auch nicht gezwun­gen, die ver­trag­li­chen Rei­se­leis­tun­gen so zu gestal­ten, dass sie für den Kun­den mög­lichst kos­ten­güns­tig auf einen Drit­ten über­trag­bar sind.

Für den Streit­fall bedeu­tet dies, dass der Rei­se­ver­an­stal­ter den Anspruch des Kun­den auf Flug­be­för­de­rung im Rah­men der gebuch­ten Pau­schal­rei­se auch dadurch erfül­len kann, dass er für die­sen bei einem Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men einen Flug zu einem Tarif bucht, der einen nach­träg­li­chen Wech­sel der Per­son des Flug­gas­tes nicht zulässt und typi­scher­wei­se zu einem nied­ri­ge­ren Preis erhält­lich ist als Tari­fe, die eine grö­ße­re Fle­xi­bi­li­tät gestat­ten.

Der Rei­se­ver­an­stal­ter bleibt gleich­wohl ver­pflich­tet, dem Drit­ten auch in einem sol­chen Fall den Ein­tritt in den Rei­se­ver­trag zu ermög­li­chen. Die Kos­ten für den not­wen­di­gen Erwerb eines neu­en Flug­scheins sind dann jedoch Mehr­kos­ten im Sin­ne des § 651b Abs. 2 BGB.

Auch wenn die­se ins­be­son­de­re den Ein­tritt eines Drit­ten kurz vor Rei­se­be­ginn, wie er in den Streit­fäl­len in Rede stand, wirt­schaft­lich unat­trak­tiv machen kön­nen, recht­fer­tigt die­ser Umstand es nicht, der­ar­ti­ge Mehr­kos­ten den Rei­se­ver­an­stal­ter tra­gen zu las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 27. Sep­tem­ber 2016 – X ZR 107/​15 und X ZR 141/​15

  1. BGH – C ZR 107/​15
  2. BGH – X ZR 141/​15
  3. AG Mün­chen, Urtei­le vom 21.11.2014 – 121 C 25717/​13; und vom 20.02.2015 – 281 C 9715/​14
  4. LG Mün­chen I, Urtei­le vom 25.08.2015 – 30 S 25399/​14; und vom 27.10.2015 – 13 S 5113/​15