Umsatz­steu­er in der Unfall­re­gu­lie­rung – Ersatz­be­schaf­fung von pri­vat

Ist bei der Ersatz­be­schaf­fung von pri­vat kei­ne Umsatz­steu­er ange­fal­len, steht dem Geschä­dig­ten kein Anspruch auf Ersatz der Umsatz­steu­er zu.

Umsatz­steu­er in der Unfall­re­gu­lie­rung – Ersatz­be­schaf­fung von pri­vat

Nach § 249 Abs. 2 Satz 2 BGB schließt der bei der Beschä­di­gung einer Sache zur Wie­der­her­stel­lung erfor­der­li­che Geld­be­trag die Umsatz­steu­er nur mit ein, wenn und soweit sie tat­säch­lich ange­fal­len ist. Mit die­ser durch das Zwei­te Gesetz zur Ände­rung scha­dens­er­satz­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 19.07.2002 1 ein­ge­führ­ten gesetz­li­chen Rege­lung woll­te der Gesetz­ge­ber nichts an der Mög­lich­keit des Geschä­dig­ten ändern, den für die Her­stel­lung erfor­der­li­chen Geld­be­trag stets und inso­weit zu ver­lan­gen, als er zur Her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustands tat­säch­lich ange­fal­len ist. Für den Ersatz der Umsatz­steu­er kommt es aber – unab­hän­gig von dem Weg, den der Geschä­dig­te zur Wie­der­her­stel­lung beschrit­ten hat – dar­auf an, ob sie zur Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustands ange­fal­len ist. Sie soll nur noch ersetzt wer­den, wenn und soweit sie zur Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustands durch Repa­ra­tur oder Ersatz­be­schaf­fung tat­säch­lich anfällt, d.h. wenn und soweit sie der Geschä­dig­te zur Wie­der­her­stel­lung aus sei­nem Ver­mö­gen auf­ge­wen­det oder er sich hier­zu ver­pflich­tet hat. Sie soll hin­ge­gen nicht mehr ersetzt wer­den kön­nen, wenn und soweit sie nur fik­tiv bleibt, weil es zu einer umsatz­steu­er­pflich­ti­gen Repa­ra­tur oder Ersatz­be­schaf­fung nicht kommt 2.

Fällt für die Beschaf­fung einer gleich­wer­ti­gen Ersatz­sa­che – etwa beim Kauf von pri­vat – kei­ne Umsatz­steu­er an, ist sie auch nicht zu erset­zen. In die­sem Fall ist sie auch im Rah­men einer fik­ti­ven Scha­dens­ab­rech­nung auf der Grund­la­ge eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nicht ersatz­fä­hig, weil § 249 Abs. 2 Satz 2 BGB inso­weit die Dis­po­si­ti­ons­frei­heit begrenzt. Dem­entspre­chend hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass eine Erstat­tung der Umsatz­steu­er dann nicht erfolgt, wenn der Geschä­dig­te weder eine umsatz­steu­er­pflich­ti­ge Repa­ra­tur hat durch­füh­ren las­sen noch bei der Ersatz­be­schaf­fung eines neu­en Fahr­zeugs von pri­vat Umsatz­steu­er ange­fal­len ist 3. Dies gilt auch im Fal­le eines – hier vor­lie­gen­den – wirt­schaft­li­chen Total­scha­dens 4.

Nach die­sen Grund­sät­zen steht dem Geschä­dig­ten kein Anspruch auf Ersatz antei­li­ger Umsatz­steu­er zu, wenn bei der Ersatz­be­schaf­fung von pri­vat kei­ne Umsatz­steu­er ange­fal­len ist.

Dies steht nicht in Wider­spruch zur Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 01.03.2005 5. Die dama­li­ge Fall­ge­stal­tung unter­schei­det sich von dem hier vor­lie­gen­den Fall dadurch, dass der Klä­ger ein Ersatz­fahr­zeug beschafft hat­te, des­sen Kauf­preis den im Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten aus­ge­wie­se­nen (Brut­to-)Wie­der­be­schaf­fungs­wert über­stieg, und er sei­nen Scha­den kon­kret auf Basis der Ersatz­be­schaf­fung abge­rech­net hat­te. In die­sem Fall hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass der Geschä­dig­te im Wege kon­kre­ter Scha­dens­ab­rech­nung die Kos­ten der Ersatz­be­schaf­fung bis zur Höhe des (Brutto-)Wiederbeschaffungswertes des unfall­be­schä­dig­ten Kraft­fahr­zeugs – unter Abzug des Rest­wer­tes – ersetzt ver­lan­gen kann, wenn er ein Ersatz­fahr­zeug zu einem Preis erwirbt, der dem in einem Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten aus­ge­wie­se­nen (Brutto-)Wiederbeschaffungswert des unfall­be­schä­dig­ten Kraft­fahr­zeu­ges ent­spricht oder die­sen über­steigt. Auf die Fra­ge, ob und in wel­cher Höhe in dem im Gut­ach­ten aus­ge­wie­se­nen (Brutto-)Wiederbeschaffungswert Umsatz­steu­er ent­hal­ten ist, kommt es in die­sem Zusam­men­hang nicht an. Durch die gesetz­li­che Neu­re­ge­lung des § 249 Abs. 2 Satz 2 BGB woll­te der Gesetz­ge­ber näm­lich nichts an der Mög­lich­keit des Geschä­dig­ten ändern, den für die Her­stel­lung erfor­der­li­chen Geld­be­trag stets und inso­weit zu ver­lan­gen, als er zur Her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustan­des tat­säch­lich ange­fal­len ist. Ledig­lich bei der fik­ti­ven Scha­dens­ab­rech­nung nach einer Beschä­di­gung von Sachen soll sich nach der Absicht des Gesetz­ge­bers deren Umfang min­dern, indem die fik­ti­ve Umsatz­steu­er als zu erset­zen­der Scha­dens­pos­ten ent­fällt. Umsatz­steu­er kann mit­hin nur noch dann ersetzt ver­langt wer­den, wenn und soweit sie zur Wie­der­her­stel­lung des ursprüng­li­chen Zustan­des durch Repa­ra­tur oder Ersatz­be­schaf­fung auch tat­säch­lich anfällt, d.h. wenn und soweit sie der Geschä­dig­te zur Wie­der­her­stel­lung aus sei­nem Ver­mö­gen auf­ge­wen­det oder er sich hier­zu ver­pflich­tet hat 6. In die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof fol­ge­rich­tig zugleich aus­ge­führt, dass eine Umsatz­steu­er nicht zu erset­zen ist, wenn sie für die Beschaf­fung einer gleich­wer­ti­gen Ersatz­sa­che – etwa wie hier beim Kauf von pri­vat – nicht anfällt 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Juli 2013 – VI ZR 351/​12

  1. BGBl. I 2674[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – VI ZR 363/​11, VersR 2013, 471 Rn. 14 f.[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.09.2009 – VI ZR 312/​08, VersR 2009, 1554 Rn. 11; vom 05.02.2013 – VI ZR 363/​11, aaO Rn. 16[]
  4. BGH, Urtei­le vom 20.04.2004 – VI ZR 109/​03, BGHZ 158, 388, 389 ff.; vom 18.05.2004 – VI ZR 267/​03, VersR 2004, 927, 928; vom 01.03.2005 – VI ZR 91/​04, aaO, 273 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 01.03.2005 – VI ZR 91/​04, aaO[]
  6. BGH, Urteil vom 01.03.2005 – VI ZR 91/​04, aaO, 273 ff.[]
  7. BGH, aaO, 274[]